KI in der Fabrik: 484 Roboter fertigen täglich 1.000 Fahrzeuge
21.06.2026 - 09:32:51 | boerse-global.de
Seit 2018 schrumpfte die Produktion um rund 14 Prozent, die Kosten steigen. Jetzt setzen Unternehmen auf Künstliche Intelligenz – als Rettungsanker gegen die Deindustrialisierung.
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BDI-Präsident Peter Leibinger sieht die Technologie als Chance für eine neue Wachstumsphase. Doch er warnt auch: KI könne als geostrategische Waffe dienen und die Kosten weiter in die Höhe treiben. Für den Fall massiven Stellenabbaus zeigt er sich offen für eine KI-Steuer.
VinFast zeigt, wie es geht
Im Automobilsektor liefert der Hersteller VinFast den Beweis: KI-gesteuerte Fertigungssysteme und vereinfachte Fahrzeugarchitekturen senken die Preise für E-Autos auf Verbrennerniveau. Im Werk in Hai Phong liegt der Automatisierungsgrad bei 90 Prozent. KI-Systeme überwachen die Produktion in Echtzeit.
Auch die Forschung liefert konkrete Ergebnisse. Im Mai 2026 reichten die FH Salzburg und ABB (B&R) ein Patent für energieoptimierte Antriebssysteme ein. Die Entwicklung nutzt Reinforcement Learning zur Bewegungssteuerung – basierend auf Arbeiten, die 2020 im EU-Projekt KI-Net begannen.
484 Roboter im Dauerbetrieb
Im Chery-Werk in Dalian zeigen autonome mobile Roboter (AMR) von ForwardX Robotics, was möglich ist. 204 Einheiten decken in der Karosseriewerkstatt 80 Prozent des Materialbedarfs. In der Endmontage sind 280 Roboter für 90 Prozent des Materialflusses verantwortlich. Täglich werden dort rund 1.000 Fahrzeuge gefertigt – und die Umstellung erfolgte im laufenden Betrieb.
Für den breiten Einsatz braucht es Infrastruktur. Seit Februar 2026 betreiben T-Systems und SupplyOn ein Rechenzentrum in München mit über 10.000 NVIDIA-Grafikprozessoren. Die europäische KI-Plattform soll die technologische Souveränität in Lieferketten stärken. Erste Anwendung: „AI-native Sourcing" für effizientere Beschaffung. Die verfügbare KI-Kapazität in Deutschland stieg dadurch um rund 50 Prozent.
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Handwerk und Mittelstand ziehen nach
Die Transformation erreicht auch kleine Betriebe. Die Handwerkskammer Osnabrück startete das Projekt „RoboCraft" für kollaborative Roboter (Cobots) und Exoskelette. Bereits sieben Betriebe nahmen an Workshops teil. Unterstützung kommt vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das seit Oktober 2024 in der Region präsent ist.
Die IG Metall fordert klare Regeln für den KI-Einsatz. Eine Studie von PwC untermauert: Betriebe mit einer Mischstrategie aus Mensch und Technologie verzeichnen 52 Prozent Personalwachstum. Bei reiner Automatisierung sind es nur 36 Prozent. Die Produktivität ist mit 34 Prozent fast doppelt so hoch wie bei Ansätzen ohne menschliche Komponente.
Mehr als die Hälfte der 14- bis 29-Jährigen erwartet laut Studie, dass einfache Tätigkeiten künftig durch KI ersetzt werden. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell.
