Kliniken, Göttingen

KI in Kliniken: Göttingen fĂŒhrt Europas erste MDClone-Datenplattform ein

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Göttingen nutzt eine Plattform fĂŒr synthetische Patientendaten; eine KI-App half laut Bericht, eine seltene Lymphomdiagnose anzustoßen.

KI im Gesundheitswesen: Göttinger Datenplattform und wachsende Patienten-App
Ein moderner, steriler Flur in einem klinischen Forschungslabor mit minimalistischer Architektur und indirekter Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

KĂŒnstliche Intelligenz erreicht das Gesundheitswesen derzeit auf zwei parallelen Ebenen: In KrankenhĂ€usern entstehen Dateninfrastrukturen, die Forschung und Versorgung auf eine neue Basis stellen sollen, wĂ€hrend Patienten zunehmend eigenstĂ€ndig KI-Anwendungen nutzen, um medizinische Entscheidungen zu hinterfragen oder abzusichern.

Zwei aktuelle Beispiele verdeutlichen diese Entwicklung: die EinfĂŒhrung einer neuen Datenplattform an der UniversitĂ€tsmedizin Göttingen sowie der Erfolg einer KI-App, die in einem dokumentierten Fall zu einer entscheidenden Diagnose beitrug.

Göttingen fĂŒhrt europaweit erste MDClone-Plattform ein

Die UniversitĂ€tsmedizin Göttingen (UMG) hat nach eigenen Angaben die Plattform ADAMS von MDClone eingefĂŒhrt und bezeichnet sich damit als erstes Krankenhaus in Europa, das dieses System nutzt. Wie healthcare-digital.de berichtete, ergĂ€nzt die Plattform die bestehende Infrastruktur der Medizininformatik-Initiative (MII). Die EinfĂŒhrung erfolgt laut Mitteilung der UMG auf dem hauseigenen Datenintegrationszentrum UMG-MeDIC.

Ziel ist es, berechtigten Mitarbeitenden zu ermöglichen, longitudinale Patientendaten eigenstĂ€ndig auszuwerten und synthetische DatensĂ€tze zu erzeugen – etwa fĂŒr Forschung, KI-Entwicklung und Kooperationen. Die Auswertung longitudinaler klinischer Daten soll dabei nicht nur der Forschung dienen, sondern auch der Versorgung und dem QualitĂ€tsmanagement zugutekommen.

Besonders hervorgehoben wird der Ansatz, aus realen klinischen Daten synthetische DatensĂ€tze zu generieren, ohne dabei tatsĂ€chliche PatientendatensĂ€tze weiterzugeben. Damit soll die Nutzung sensibler medizinischer Informationen fĂŒr Forschungszwecke ermöglicht werden, ohne einzelne Patientendaten offenzulegen.

Offene Fragen bleiben allerdings bestehen: Angaben zu Kosten, Zeitplan der vollstÀndigen Implementierung, konkreten Nutzerzahlen, der genauen Rechtevergabe innerhalb der Klinik sowie einer belastbaren Bewertung des Re-Identifikationsrisikos wurden bislang nicht veröffentlicht.

Gerade Letzteres dĂŒrfte fĂŒr die weitere Bewertung des Projekts entscheidend sein, da die Erzeugung synthetischer Daten aus realen Patienteninformationen grundsĂ€tzlich das Risiko birgt, dass einzelne Personen indirekt wieder identifizierbar werden könnten.

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Patienten nutzen KI zur Zweitmeinung

Parallel zu solchen institutionellen Entwicklungen zeigt sich, dass auch Patienten selbst zunehmend auf KI-Werkzeuge zurĂŒckgreifen. Ein von businessinsider.de dokumentierter Fall beschreibt, wie die App Healz AI den Ehemann einer Patientin dazu anregte, eine Zweitmeinung am MD Anderson Cancer Center einzuholen. Dort wurde in der Folge ein seltenes T-Zell-Lymphom diagnostiziert.

Im weiteren Verlauf der Behandlung unterstĂŒtzte die App laut dem Bericht auch bei der AbwĂ€gung von Chemotherapieoptionen. Der Nutzer gab jedoch an, dass die Anwendung bei einzelnen Behandlungsdetails gelegentlich falsch lag. Die GrĂŒnder von Healz AI betonen dementsprechend, dass ihr Produkt als ErgĂ€nzung zu Ă€rztlicher Betreuung gedacht sei und nicht als Ersatz.

GeschĂ€ftlich verzeichnet das Unternehmen deutliches Wachstum: Nach Angaben der GrĂŒnder verdoppelten sich die wiederkehrenden Einnahmen zwischen Juni und August monatlich. Anfang September erreichte der annualisierte wiederkehrende Umsatz demnach 100.000 US-dollar. Der Nutzerkreis besteht laut den GrĂŒndern zu 97 Prozent aus Krebspatienten, die monatliche Nutzerbindung liegt bei 70 Prozent.

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Zwei Seiten derselben Entwicklung

Die beiden Beispiele stehen fĂŒr unterschiedliche, aber verwandte Trends im Gesundheitswesen: Auf institutioneller Seite entstehen Dateninfrastrukturen, die Forschung und Versorgung durch KI-gestĂŒtzte Analysen voranbringen sollen, ohne dabei – zumindest dem Anspruch nach – den Datenschutz einzelner Patienten zu gefĂ€hrden. Auf individueller Seite greifen Patienten und Angehörige selbst zu KI-Anwendungen, um medizinische EinschĂ€tzungen zu prĂŒfen oder zu ergĂ€nzen.

Beide Entwicklungen werfen Àhnliche Fragen auf: nach der ZuverlÀssigkeit der eingesetzten Systeme, nach der Rolle, die KI im VerhÀltnis zu Àrztlicher Expertise einnehmen soll, und nach dem Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten. Konkrete regulatorische oder wissenschaftliche Bewertungen dieser neuen Praktiken stehen in beiden FÀllen noch aus.

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