KI-Infrastruktur: Google zahlt SpaceX 27 Milliarden Euro bis 2029
20.06.2026 - 16:35:25 | boerse-global.de
Die Nachfrage nach Hochleistungsrechnern für Künstliche Intelligenz treibt Unternehmen weltweit zu beispiellosen Investitionen. Allein in dieser Woche wurden Verträge im Wert von mehreren zehn Milliarden Euro bekannt gegeben.
Kanada setzt auf eigene KI-Infrastruktur
Das kanadische Unternehmen HIVE Digital Technologies sicherte sich am 18. Juni einen Dreijahresvertrag über umgerechnet rund 200 Millionen Euro für GPU-Cloud-Dienste. Der Deal läuft über die Tochtergesellschaft BUZZ HPC und umfasst eine Partnerschaft mit Bell Canada sowie dem KI-Startup Cohere.
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Ziel ist der Aufbau einer souveränen KI-Infrastruktur. Konkret wird HIVE 2.304 NVIDIA Grace Blackwell GPUs in einem Bell-Canada-Rechenzentrum in Merritt, British Columbia, installieren. Die Anlage wird mit Wasserkraft betrieben. Das Unternehmen erwartet ab Ende 2026 oder Anfang 2027 zusätzliche jährliche Einnahmen von rund 65 Millionen Euro.
Die Aktie von HIVE legte nach der Ankündigung um bis zu zwölf Prozent zu. Das Unternehmen peilt bis Ende 2028 einen annualisierten Umsatz von 600 Millionen Euro im HPC-Bereich an. Finanziert wird die Expansion unter anderem aus einer Wandelanleihe über 105 Millionen Euro vom April 2026. Zudem erhielt HIVE die Genehmigung zum Kauf eines 32-Megawatt-Rechenzentrums in Schweden.
Meta und Google setzen auf Partner
Die großen Cloud-Konzerne greifen zunehmend auf spezialisierte Infrastruktur-Dienstleister zurück. Meta schloss in dieser Woche Verträge mit Crusoe Energy über rund 1,6 Gigawatt KI-Rechenkapazität. Die neuen Standorte in Childress, Texas, und Warrenton, Missouri, sind Teil einer massiven Investitionsoffensive: Meta plant 550 Milliarden Euro an Ausgaben über drei Jahre, darunter ein 5-Gigawatt-Campus in Louisiana.
Crusoe Energy zählt auch Microsoft, OpenAI und Google zu seinen Kunden und verwaltet derzeit ein Pipeline-Volumen von über 40 Gigawatt.
Noch spektakulärer ist ein Bericht vom 19. Juni: Google soll SpaceX rund 850 Millionen Euro pro Monat für Rechendienste bis 2029 zahlen. Der Gesamtwert des Vertrags wird auf 27 Milliarden Euro geschätzt. SpaceX, das kürzlich mit xAI integrierte und dessen Colossus-Rechenzentren nutzt, stellt Google Zugang zu 110.000 NVIDIA-GPUs bereit. Der Deal soll eine Kapazitätslücke in Googles eigener Infrastruktur für den Betrieb von Gemini Enterprise schließen.
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Rackspace und AMD zielen auf regulierte Branchen
Rackspace und AMD gaben am 19. Juni eine Partnerschaft zur Errichtung einer 30-Megawatt-KI-Cloud bekannt. Die Plattform richtet sich speziell an Unternehmen in regulierten Sektoren wie dem Gesundheitswesen. Der Rollout erfolgt in Phasen zwischen Ende 2026 und 2028.
Die Infrastruktur setzt auf AMD Instinct GPUs der Modelle MI355X und MI350P sowie EPYC-CPUs. Rackspace plant Dienste wie eine Enterprise Inference Engine und Bare-Metal-Instinct-Lösungen. Partner wie Palantir und Uniphore unterstützen die Entwicklung.
Europäische Souveränität: Deutsche KI-Cloud nimmt Gestalt an
Während nordamerikanische Firmen auf massive Hardware-Installationen setzen, fokussieren sich europäische Initiativen auf digitale Souveränität. Bereits am 21. Mai 2026 vergab die Bundesregierung einen 230-Millionen-Euro-Auftrag für den Aufbau einer Federal AI Cloud.
Den Zuschlag erhielt ein Konsortium unter Führung von T-Systems und SAP, das 70 Prozent der Anteile hält. Die restlichen 30 Prozent teilen sich SVA, Schwarz Digits und Codesphere. Die Plattform wird als souveräne Platform-as-a-Service (PaaS) konzipiert – US-Hyperscaler sind ausgeschlossen. Vorgeschrieben sind Zero-Trust-Architektur, BSI-C5-Standards und Open-Source-Vorgaben.
Das Projekt zeigt: Europa setzt beim Milliarden-Rennen um KI-Rechenleistung bewusst auf eigene Wege. Ob der Ansatz langfristig gegen die schiere Größe der US-Wettbewerber bestehen kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
