KI-Kennzeichnung: EU-Kodex regelt Transparenz ab August
20.06.2026 - 14:08:59 | boerse-global.de
Die Europäische Kommission hat am heutigen Samstag einen freiwilligen Verhaltenskodex veröffentlicht, der die Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten regelt. Die Richtlinien bereiten die Industrie auf verbindliche Transparenzregeln vor, die ab dem 2. August 2026 in Kraft treten.
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Technische Standards für mehr Durchblick
Der Kodex empfiehlt konkrete Methoden, damit Verbraucher KI-Inhalte erkennen können. Dazu gehören digitale Wasserzeichen, spezifische Metadaten und eindeutige Kennzeichnungen für Deepfakes. Die EU schafft damit einen einheitlichen Standard, während sich die Regulierung künstlicher Intelligenz weiterentwickelt.
Die Veröffentlichung fällt mit jüngsten Gesetzesanpassungen zusammen. Am 16. Juni stimmte das Europäische Parlament über den sogenannten AI Omnibus ab, der mehrere Umsetzungsfristen verschob. Die Kernvorgaben zur Transparenz bleiben für diesen Sommer bestehen, doch die konkrete Pflicht zur Wasserzeichen-Kennzeichnung wurde auf den 2. Dezember 2026 verschoben.
Einzelhandel fordert Ausnahmen für Werbung
Noch am Freitag meldete sich der Handelsverband Eurocommerce zu Wort. Der Verband, der rund 26.000 Mitglieder wie Amazon, H&M, Ikea und Inditex vertritt, forderte EU-Kommissarin Henna Virkkunen auf, routinemäßige KI-generierte Werbung von den Transparenzregeln auszunehmen.
Die Begründung: Der Einsatz von KI für Standardaufgaben wie Produktbilder oder virtuelle Hintergründe täusche Verbraucher nicht. Eurocommerce-Generaldirektorin Christel Delberghe warnte vor einer „Kennzeichnungsmüdigkeit" – zu viele Labels könnten die Warnungen vor ernsthaften KI-Täuschungen entwerten. Die Branche verweist auf enorme Einsparungen: Zalando etwa senkte seine Content-Produktionskosten durch KI um 90 Prozent.
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Aufgeschobene Fristen für Hochrisiko-Systeme
Die jüngste Abstimmung brachte auch Entlastung für Entwickler von Hochrisiko-KI. Die Compliance-Frist für Systeme unter Anhang III wurde auf den 2. Dezember 2027 verschoben. Für Systeme unter Anhang I gilt nun der 2. August 2028. Parallel dazu treibt die EU eigene KI-Fähigkeiten voran: Am Freitag fiel die Wahl auf das EUROPA-Konsortium unter Führung von Domyn, das ein Open-Source-Modell mit über 400 Milliarden Parametern entwickeln soll.
Nationale Umsetzung und Konsultationen
Erste Mitgliedstaaten ziehen nach. Die irische Regierung veröffentlichte am Freitag ihren Entwurf für ein nationales KI-Gesetz. Geplant ist ein unabhängiges KI-Büro für Irland als nationale Koordinierungsstelle, verbunden mit einem Rahmen für Geldstrafen bei Verstößen.
Die EU-Kommission arbeitet zudem an den finalen Leitlinien zur Einstufung von Hochrisiko-KI. Die Konsultationsphase zu den Klassifizierungsregeln nach Artikel 6 des AI Acts endet noch in diesem Monat.
