KI-Machtwechsel, Chinesische

KI-Machtwechsel: Chinesische Modelle verdrängen OpenAI und Google

20.06.2026 - 16:25:23 | boerse-global.de

Chinesische KI-Modelle führen die globale Token-Nutzung an, während US-Anbieter wie OpenAI und Google zurückfallen. Auch technisch und bei Hardware schließen chinesische Entwickler auf.

KI-Wandel: Chinesische Modelle überholen US-Anbieter bei Nutzung
KI-Machtwechsel - A stylized image of a data center with glowing blue and purple lights, representing AI processing and global data flow. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein neuer Meilenstein in der künstlichen Intelligenz: Chinesische Modelle haben die etablierten US-Anbieter bei der weltweiten Nutzung überholt. Aktuelle Daten von OpenRouter zeigen, dass chinesische KI-Modelle die Rangliste der Token-Nutzung anführen, während prominente US-Angebote von OpenAI und Google aus den Top Ten gefallen sind.

Dominanz bei der Token-Nutzung

Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Vier der fünf Spitzenplätze bei der Token-Nutzung gehen an chinesische Entwickler. DeepSeek V4 Flash führt den Markt mit 4,63 Billionen Tokens an, gefolgt von MiniMax M3 mit 4,13 Billionen und Xiaomi MiMo-V2.5 mit 3,8 Billionen. Anthropic ist das einzige US-Unternehmen, das sich noch in den Top fünf behaupten kann.

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Die einstigen Platzhirsche aus den USA sind dagegen abgerutscht. Googles Gemini 3 und OpenAIs GPT-5.5 landeten auf den Plätzen 12 und 13. In der Woche bis zum 15. Juni 2026 erreichte der weltweite Token-Verbrauch insgesamt 47,1 Billionen. Analysten von Goldman Sachs prognostizieren, dass der Aufstieg autonomer KI-Agenten diesen Verbrauch bis 2030 um das 24-Fache steigern könnte.

Der Aufschwung chinesischer Modelle hat auch mit Kostendruck zu tun. US-Konzerne wie Amazon, Meta, Microsoft, Uber und Walmart haben offenbar Token-Limits eingeführt oder die Nutzung teurerer Modelle gedrosselt, um steigende Betriebskosten in den Griff zu bekommen.

Leistungssprung bei Code und Open Source

Auch technisch holen chinesische Entwickler auf. Mitte Juni 2026 veröffentlichte Z.ai – früher bekannt als Zhipu AI – das Modell GLM-5.2 mit 753 Milliarden Parametern. Es wurde unter der MIT-Lizenz veröffentlicht und soll OpenAIs GPT-5.5 bei Programmieraufgaben übertreffen.

Interne Tests zeigen: GLM-5.2 erreichte 62,1 Punkte auf dem SWE-bench Pro, während GPT-5.5 nur auf 58,6 kam. Beim FrontierSWE-Benchmark erzielte das chinesische Modell 74,4 Prozent – der US-Konkurrent blieb bei 72,6 Prozent. Besonders bemerkenswert: Diese Leistung wurde zu etwa einem Sechstel der Inferenzkosten des US-Modells erzielt. OpenAI reagierte prompt und senkte die Preise für GPT-5.5 um 20 Prozent.

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US-Unternehmen setzen auf chinesische KI

Die Übernahme chinesischer KI in der US-Wirtschaft beschleunigt sich. DeepSeek erreichte im Juni 2026 die Spitze des Ramp-Index für Unternehmensausgaben in den USA. Ein rasanter Aufstieg: Im April 2026 hatte das Unternehmen noch gerade einmal 0,1 Prozent dieser Ausgaben auf sich vereint. Analysten beobachten einen trend weg von selbst gehosteten Modellen hin zu Diensten, die direkt von DeepSeek bereitgestellt werden.

Geopolitische Faktoren treiben die Entwicklung zusätzlich an. Am 13. Juni 2026 verhängte die US-Regierung Exportkontrollen gegen Anthropics Modell Fable 5 – aus Sicherheitsbedenken, nur drei Tage nach dessen Veröffentlichung am 10. Juni. Anthropic zog daraufhin sowohl Fable 5 als auch Mythos 5 vom globalen Markt zurück. Branchenbeobachter sehen darin ein Vakuum, das chinesische Anbieter nun füllen.

Hardware-Durchbruch mit heimischen Chips

Nicht nur bei der Software, auch bei der Hardware machen chinesische Firmen Fortschritte. Einem Forschungsteam gelang mit Huawei Ascend 910C-Chips das vollständige Post-Training des Modells DeepSeek-V4-Pro mit 1,6 Billionen Parametern.

Zum Einsatz kam ein Cluster mit über 1.000 Chips. Mehr als 1.500 Iterationen wurden fehlerfrei durchlaufen. Es ist der erste dokumentierte Fall, dass chinesische Halbleiter ein Modell dieser Komplexität erfolgreich trainieren konnten. Die Lücke zu hochwertigen US-Halbleitern schließt sich.

Marktforscher beobachten, dass sich die Leistungsunterschiede zwischen den zehn führenden KI-Labors weltweit auf nur noch 44 Punkte auf der Arena-Elo-Skala verringert haben. Der Wettbewerb verschiebt sich zunehmend weg von reiner Rechenleistung – hin zu Kosteneffizienz, Latenz und Spezialisierung der Modelle.

de | wissenschaft | 69591017 |