KI-Phishing: Betrugsversuche steigen um 500 Prozent in einem Jahr
23.06.2026 - 23:29:19 | boerse-global.de
Am 22. Juni wurde in Osnabrück die Zentralstelle Cybercrime Niedersachsen eingeweiht. Sie baut auf der bestehenden Schwerpunktbehörde der Staatsanwaltschaft auf und soll den Vollbetrieb noch 2026 erreichen. Die Dringlichkeit zeigt sich in aktuellen Millionenschäden und neuen Betrugsmaschen.
Kompetenzen gebündelt
Die neue Zentralstelle koordiniert komplexe Ermittlungen, die über Landkreisgrenzen hinausgehen. Zum Vergleich: Bundesweit leiteten vergleichbare Stellen 2023 bereits über 18.000 Verfahren ein. Die Eröffnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Fallzahlen rasant steigen.
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In Nordrhein-Westfalen und Thüringen melden Polizeidienststellen eine Zunahme von Online-Anlagebetrug. In Bonn registrierte das Kriminalkommissariat mehrere Fälle von Cybertrading-Fraud. Die Masche: Täter kontaktieren Opfer über soziale Medien, locken mit angeblichen Gewinnen von 250 bis 500 Euro und führen sie auf manipulierte Plattformen. Ein Bonner verlor so sein gesamtes Investment – die Plattform war nach der Einzahlung nicht mehr erreichbar.
250.000 Euro Schaden in Altenburg
Die wirtschaftlichen Dimensionen sind enorm. In Altenburg erstattete ein 59-Jähriger
Doch die Täter werden immer raffinierter. In Sankt Augustin wurde ein Fall von „Quishing“ bekannt – Betrug via QR-Code. Eine 41-Jährige scannte auf einem Verkaufsportal einen manipulierten Code, gab ihre Bankdaten ein und verlor 1.500 Euro. Die Angriffe werden zunehmend durch KI unterstützt. Branchenbeobachter melden einen Anstieg KI-gestützter Phishing-Versuche um 500 Prozent innerhalb eines Jahres. Die Erfolgsquote: 54 Prozent – deutlich höher als bei klassischen Methoden.
Gefahr beim Online-Shopping
Besonders heikel wird es bei großen Rabattaktionen wie dem Prime Day. Sicherheitsforscher von Check Point Research identifizierten allein im April und Mai 2026 über 2.700 neue Domains mit Bezug zu großen Online-Händlern. Ein signifikanter Teil davon war bösartig. Beim sogenannten Domain-Squatting locken Täter Nutzer auf gefälschte Login-Seiten.
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Auch im Zahlungsverkehr gibt es neue Muster. Verbraucherschützer warnen vor Kleinstüberweisungen im Cent-Bereich aus dem Ausland. Diese dienen als Testlauf, bevor unberechtigte Lastschriften im zweistelligen Euro-Bereich folgen.
Rechtliche Lage und Schutz
Der Gesamtschaden durch Cyberangriffe lag 2025 laut Branchenverbänden bei rund 289 Milliarden Euro. Doch die Rechtsprechung stärkt Verbraucher: Gemäß § 675u BGB haften Kreditinstitute für nicht autorisierte Zahlungen – es sei denn, dem Kunden ist grobe Fahrlässigkeit nachzuweisen. Mehrere BGH-Urteile von 2025 haben diese Position gefestigt.
Die Polizei rät: Vor Investitionen die BaFin-Datenbank prüfen, keine Fernwartungssoftware für Transaktionen zulassen. Unberechtigte Lastschriften lassen sich bis zu 13 Monate zurückbuchen. Die neue Zentralstelle in Osnabrück soll nicht nur verfolgen, sondern auch präventiv wirken.
