KI-Pilotprojekt, US-Gesundheitswesen

KI-Pilotprojekt im US-Gesundheitswesen: 31 Abgeordnete fordern Transparenz

26.06.2026 - 04:50:56 | boerse-global.de

Abgeordnete verlangen Einblick in das KI-Pilotprojekt WISeR der US-Gesundheitsbehörde CMS. Private Firmen treiben derweil die Automatisierung voran.

KI im Gesundheitswesen: US-Kongress fordert Transparenz bei Pilotprojekt
KI-Pilotprojekt - Arzt interagiert mit Tablet zu Gesundheitszahlungen, KI-Netzwerk ĂĽberlagert. 26.06.2026 - Bild: ĂĽber boerse-global.de

Künstliche Intelligenz soll die Abläufe im Gesundheitswesen revolutionieren – doch während private Unternehmen massiv investieren, gerät ein Pilotprojekt der US-Regierung unter Beschuss. Eine Gruppe von 31 demokratischen Abgeordneten fordert nun Transparenz von den Gesundheitsbehörden.

Kongress verlangt Einblick in KI-Pilotprojekt

Am 24. Juni 2026 richtete eine Koalition von Abgeordneten um Suzan DelBene eine formelle Anfrage an das Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS). Konkret geht es um das WISeR-Pilotprogramm (Workflow Investment and Support for Electronic Review), das seit Januar 2026 läuft. Die KI-gestützte Software übernimmt die Vorabgenehmigung für 13 medizinische Leistungen – darunter Epiduralanästhesien und Kyphoplastie – in sechs Bundesstaaten: Arizona, New Jersey, Ohio, Oklahoma, Texas und Washington.

Die Abgeordneten wollen unter anderem wissen, wie schnell die Bearbeitung läuft, wie viele Anträge abgelehnt werden und wie oft Widerspruch eingelegt wird. Der Hintergrund: Der Rechnungshof GAO hatte bereits festgestellt, dass das Programm eigentlich dem Kongress hätte vorgelegt werden müssen. Zudem stimmte der Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses kürzlich dafür, dem Projekt ab 2027 die Finanzierung zu streichen.

Das Pilotprojekt läuft noch bis 2031 – doch es gibt bereits erste disziplinarische Maßnahmen. So musste der Anbieter Virtix im Bundesstaat Washington einen Korrekturplan vorlegen, nachdem das Unternehmen eine verbindliche 72-Stunden-Prüffrist verpasst hatte. CMS betont zwar, dass rund 88 Prozent der Fälle sofort genehmigt werden, wenn ausreichende klinische Daten vorliegen. Doch Ärzte in mehreren Bundesstaaten berichten von erheblichen Zahlungsverzögerungen und Systemfehlern.

Private Anbieter setzen auf KI-Lösungen

Während die öffentliche Hand unter Druck gerät, treiben private Unternehmen die KI-Integration weiter voran. Am 24. Juni 2026 brachte Zelis die Plattform NSA Claim Advantage auf den Markt. Sie soll Versicherern helfen, Streitfälle nach dem No Surprises Act (Gesetz gegen überraschende Arztrechnungen) automatisiert zu bearbeiten. Das Tool verspricht, die Schlichtungsverfahren zu beschleunigen und Kosten vorherzusagen.

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Der Start folgt auf eine neue CMS-Verordnung vom Mai 2026, die unter anderem strenge Fünf-Tage-Fristen für Schlichter vorsieht. Zelis gab bekannt, 2025 bereits umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro an Einsparungen bearbeitet zu haben – nur etwa acht Prozent der Fälle landeten überhaupt im Schlichtungsverfahren.

Auch Start-ups profitieren vom KI-Boom im Gesundheitswesen. Prosper AI sicherte sich am selben Tag eine Series-A-Finanzierung von 27 Millionen Euro, angeführt von der renommierten Risikokapitalfirma Andreessen Horowitz. Das Unternehmen automatisiert Verwaltungsaufgaben wie Terminplanung und Versicherungsprüfung. Seit September 2025 hat sich der Umsatz verfünffacht. Prosper AI betreut 60 Organisationen und verwaltet rund 1,2 Milliarden Euro an Patientenaktivitäten – mit Automatisierungsraten von 60 bis 70 Prozent bei der Terminvergabe.

Gemischte Bilanz in der Praxis

Die Erfahrungen mit KI-Tools fallen je nach Einsatzort unterschiedlich aus. Die First Choice Neurology, eine große Facharztpraxis in Florida, setzt seit Kurzem auf KI von eClinicalWorks für Zusammenfassungen und Abrechnungsprüfung. Ergebnis: Die Außenstände sanken von 27 auf 24 Tage – das entspricht monatlichen Einsparungen zwischen 7.300 und 9.100 Euro.

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Doch in den WISeR-Pilotregionen sieht es anders aus. Dort berichten Ärzte von Zahlungsverzögerungen von sechs bis acht Wochen und technischen Pannen wie fehlenden Tracking-Nummern. In Texas liegt die Genehmigungsquote bei Erstanträgen bei 62 Prozent – nach erneuter Prüfung steigt sie auf 84 Prozent. Ab Juli 2026 können Ärzte mit einer Genehmigungsquote von über 90 Prozent eine sogenannte "Gold Card" erhalten, die sie von bestimmten Nachweispflichten befreit.

Kritiker wie Abgeordnete DelBene bezeichnen die KI-gesteuerten Prüfverfahren als "Black Box", die zu mehr Ablehnungen führen könnte. Branchenexperten warnen: Auch wenn KI die Arbeit erleichtert – Apotheken und Ärzte bleiben rechtlich für ihre Dokumentation verantwortlich, selbst wenn sie auf Drittanbieter-KI setzen.

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