KI-Regeln, Colorado

KI-Regeln in Colorado: 11 manuelle Prüfungen pro Minute wären nötig

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 00:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Branchenvertreter sehen Risiken für Kreditprüfungen, Bewerbungen und Gesundheitsdaten; Colorados Generalstaatsanwaltschaft will in zwei Monaten einen finalen Entwurf vorlegen.
Ein minimalistisches, modernes Regierungsgebäude in Colorado bei Dämmerung mit klaren architektonischen Linien und Steinfassade. Illustration mit AI erstellt.

Vertreter aus Wirtschaft, Finanzbranche und Gesundheitswesen schlagen wegen der geplanten Regulierung von Künstlicher Intelligenz im US-Bundesstaat Colorado Alarm.

In Stellungnahmen und bei einer öffentlichen Anhörung am 26. Oktober 2026 forderten Branchenverbände aus dem Technologie- und Bankensektor die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates auf, den vorliegenden Verordnungsentwurf grundlegend zu überarbeiten. Die Frist für das Inkrafttreten der Bestimmungen ist für den 1. Januar angesetzt.

Die Wirtschaftsverbände warnen vor erheblichen Konflikten mit bereits bestehenden Bundesgesetzen sowie vor einem kaum einhaltbaren Zeitplan. Die Generalstaatsanwaltschaft unter Phil Weiser befasst sich derzeit mit den vorläufigen Bestimmungen vom 6. Oktober 2026, die zwei gesetzliche Vorgaben betreffen: das Gesetz über automatisierte Entscheidungsfindungstechnologien (SB 26-189) sowie das Gesetz über dialogorientierte KI-Dienste (HB 26-1263), die unter der Registrierung 4 CCR 904-6 kodifiziert sind.

Kritik an breiten Definitionen und unverhältnismäßigem Kontrollaufwand

Zu den zentralen Kritikpunkten der U.S. Chamber of Commerce gehört die Formulierung der Vorgaben. Michael Blanco von dem Wirtschaftsverband kritisierte, dass die Definition eines wesentlichen Einflusses im aktuellen Entwurf deutlich zu weit gefasst sei.

Zwar verwies die Organisation auf frühere Bedenken vom 4. September 2026 und erkannte jüngste Anpassungen an, sah jedoch weiterhin Nachbesserungsbedarf. Auch Brittany Morris Saunders von der Colorado Technology Association warnte vor negativen Auswirkungen und sieht die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts bedroht.

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Eine Hauptsorge von Wirtschafts- und Finanzgruppen richtet sich gegen Vorgaben zur menschlichen Überprüfung von Entscheidungen, die durch KI beeinflusst werden. Nach Ansicht der Kritiker könnten dadurch aufwendige Kontrollschritte verlangt werden, selbst wenn die eingesetzten Algorithmen dieselben Standards wie menschliche Kreditgeber oder Mediziner anwenden.

Die praktischen Dimensionen verdeutlichte John Pitts vom Finanzdienstleister Affirm: Das Unternehmen treffe jährlich 37,8 Millionen Kreditentscheidungen, von denen etwa 15 Prozent abgelehnt würden. Müsste jede automatisierte Ablehnung einzeln manuell überprüft werden, entspräche dies rechnerisch 11 Überprüfungen pro Minute.

Sorgen um Bewerbungsverfahren und Konflikte mit Gesundheitsgesetzen

Neben dem Kreditsektor sehen auch das Personalwesen und die Gesundheitsbranche Risiken. Ben Picotte von der Colorado Chamber verwies auf beträchtliche operative Belastungen, sollten Unternehmen bei Masseneinstellungen künftig jeden einzelnen Bewerber detailliert benachrichtigen müssen. Es bestehe zudem die Befürchtung, dass landesweit agierende Unternehmen künftig ganz auf Arbeitskräfte aus Colorado verzichten könnten, um den dortigen Aufbewahrungspflichten für Daten zu entgehen.

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Vertreter aus dem Gesundheitswesen machten überdies darauf aufmerksam, dass die vorgeschlagenen Vorschriften mit bestehenden Vorgaben des Bundesgesetzes zum Schutz von Patientendaten (HIPAA) kollidieren könnten.

Auch auf Bundesebene dringt die Finanzwirtschaft auf klare Grenzen regionaler Regeln. Die Consumer Bankers Association betonte gegenüber Abgeordneten des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, dass bestehende Regulierungsrahmen ausreichten und staatliche Einzelgesetze verdrängt werden sollten, während Banken frühzeitigen Zugang zu Modellen der nächsten Generation benötigten.

Die Generalstaatsanwaltschaft von Colorado hat angekündigt, in zwei Monaten einen finalen Entwurf der Regelungen vorzulegen, bevor die Vorgaben bindend werden.

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