KI-Regulierung: Trump-Regierung setzt auf Freiwilligkeit statt FDA
Veröffentlicht: 05.07.2026 um 17:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die US-Regierung setzt bei Künstlicher Intelligenz auf Freiwilligkeit statt staatlicher Kontrolle – und sorgt damit für Debatte.
Kein FDA-Modell für KI
Die Trump-Administration hat sich endgültig gegen die Schaffung einer zentralen Bundesbehörde zur Regulierung Künstlicher Intelligenz entschieden. Stattdessen setzt Washington auf einen Rahmen aus freiwilliger Zusammenarbeit und nationalen Sicherheitsprüfungen. Der scheidende KI-Berater Sriram Krishnan machte Anfang Juli 2026 klar: Eine Behörde nach Vorbild der US-Arzneimittelaufsicht FDA wird es nicht geben. Die Strategie setzt stattdessen auf Cybersicherheit und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Freiwillige Kontrolle statt Zulassungspflicht
In Erklärungen vom 3. und 5. Juli betonte Krishnan, dass das Weiße Haus keine zentrale Zulassungsstelle für KI-Entwickler schaffen wolle. Diese Linie ist bereits in einer Verfügung vom Juni 2026 verankert. Sie setzt auf klassifizierte Sicherheitstests und Cyber-Kooperation statt verpflichtender Vorabgenehmigungen für KI-Modelle. Unternehmen müssen zwar weiterhin mit komplexen Exportkontrollen rechnen, doch der Grundton ist auf freiwillige Zusammenarbeit ausgelegt.
Eine neue Verfügung, die bereits in der ersten Juli-Woche erwartet wird, soll die Parameter weiter präzisieren. Sie enthält angeblich einen freiwilligen Rahmen: KI-Entwickler könnten ihre Modelle 90 Tage vor der Veröffentlichung der Regierung vorlegen. Der Fokus liegt auf „abgedeckten Spitzenmodellen“ – ohne bürokratische Schwerfälligkeit.
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Hin und Her bei Anthropic und OpenAI
Die Haltung der Regierung zu konkreten Hochleistungsmodellen zeigt in diesen Tagen deutliche Bewegung. Am 5. Juli kippte das US-Handelsministerium eine Verfügung vom 12. Juni, die den Export von Anthropics „Mythos 5“ und „Fable 5“ eingeschränkt hatte. Handelsminister Howard Lutnick erlaubte nun die Freigabe für ausgewählte Bundesbehörden und Privatunternehmen – inklusive internationaler Partner.
Gleichzeitig schraubt Washington bei OpenAI den Zugang zurück. Die neuesten GPT-5.6-Modelle – intern „Sol“, „Terra“ und „Luna“ genannt – sind seit dem 5. Juli nur noch für eine kleine Gruppe staatlich genehmigter Partner zugänglich. Grund sind nationale Sicherheitsbedenken. Die ständig wechselnden Beschränkungen spiegeln den Wettlauf mit internationalen Rivalen wider, insbesondere mit chinesischen Labors wie DeepSeek und Qwen, die den Markt für offene KI-Modelle dominieren.
Staatsbeteiligung an OpenAI im Gespräch
OpenAI hat Berichten zufolge einen ungewöhnlichen Vorschlag auf den Tisch gelegt: Die US-Regierung soll fünf Prozent der Unternehmensanteile erhalten. Das Modell erinnert an den Alaska Permanent Fund, einen Staatsfonds, der Öleinnahmen an die Bevölkerung ausschüttet. Die Idee: KI-generierte Gewinne sollen der Allgemeinheit zugutekommen.
Bei einer aktuellen Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar (rund 800 Milliarden Euro) wäre ein Fünf-Prozent-Anteil etwa 42,6 Milliarden US-Dollar wert. Krishnan zeigte sich offen für den Gedanken, dass KI-Firmen Anteile an die Öffentlichkeit abgeben. Allerdings bräuchte ein solcher Schritt ein Gesetz des Kongresses. Kritiker warnen vor Interessenkonflikten und einer Schwächung künftiger Regulierungsbemühungen.
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Scharfe Kritik an der KI-Branche
Die Anleitung einer zentralen Regulierungsbehörde geht mit deutlicher Kritik an der KI-Industrie einher. Krishnan erklärte am 5. Juli, die Branche habe es versäumt, den Nutzen der Technologie zu vermitteln. Statt praktischer Anwendungen hätten führende Köpfe mit düsteren Zukunftsszenarien Ängste geschürt.
Intern zeigt sich zudem ein Spannungsfeld zwischen Sicherheitsbefürwortern und Verfechtern schneller Entwicklung. Ein durchgesickerter Verfügungsentwurf aus dem Jahr 2025 deutet an, dass die Regierung erwog, Sonderberater David Sacks mit Bundesmitteln und rechtlichen Schritten auszustatten, um einzelne Bundesstaaten an eigenen KI-Gesetzen zu hindern. Private Großprojekte haben derweil mit Problemen zu kämpfen: Das KI-Rechenzentrum „Fermi America“ (Projektname „Matador“) stockt nach dem Abgang seines CEOs und massiven Kursverlusten.
