KI-Schulden-Tsunami: Tech-Konzerne begeben 224 Mrd. Euro Anleihen
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 06:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Stehen die Milliarden-Investitionen in Künstliche Intelligenz noch im Verhältnis zu den Risiken? Alphabet und Tesla legen am 22. Juli 2026 ihre Zahlen vor – und die Blicke richten sich auf die explodierenden Schuldenberge der Branche.
KreditwĂĽrdigkeit unter Druck
Die finanzielle Belastung des Wettrüstens um KI-Infrastruktur hinterlässt deutliche Spuren in den Bilanzen. Die Ratingagentur S&P Global stufte die Kreditwürdigkeit von Oracle am 9. Juli auf BBB- herab – nur eine Stufe über Ramschniveau. Grund ist ein massiver Investitionsrausch in Rechenzentren, der größtenteils über Anleihen financed wird. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Geschäftsjahr 2026 verbuchte Oracle einen negativen freien Cashflow von 21,8 Milliarden Euro bei Investitionsausgaben von 51,2 Milliarden Euro. Das Verhältnis von Gesamtverschuldung zu Gewinn (EBITDA) kletterte auf das 5,6-Fache.
Doch Oracle ist kein Einzelfall. Die Investmentbank Goldman Sachs warnt vor einem „Schulden-Tsunami": Allein die sechs größten KI-Investoren haben 2026 Anleihen im Wert von 224 Milliarden Euro begeben – ein 14-facher Anstieg gegenüber 2024. Die Verschuldungsquote der Hyperscaler hat sich innerhalb eines halben Jahres auf das 1,8-Fache verdoppelt. Gleichzeitig steigen die Kreditausfallversicherungen, ein klares Signal für wachsende Risikowahrnehmung der Geldgeber.
Investitionspläne jenseits aller Maßstäbe
Das geplante Ausgabenvolumen der kommenden Jahre erreicht Dimensionen, die Branchenkenner als „geliehene Zukunft" bezeichnen. Fünf Tech-Schwergewichte – Oracle, Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta – werden 2026 voraussichtlich mehr als 735 Milliarden Euro in KI stecken. Für 2027 prognostiziert Morgan Stanley sogar über 1,1 Billionen Euro.
Die Einzelpläne verdeutlichen die Intensität des Wettlaufs:
- Amazon: Rund 184 Milliarden Euro Investitionsausgaben fĂĽr 2026 erwartet
- Microsoft: Geschätzte 175 Milliarden Euro im laufenden Geschäftsjahr
- Alphabet: Zwischen 161 und 170 Milliarden Euro, in Einzelschätzungen sogar bis zu 172 Milliarden
- Meta: Prognose auf 115 bis 133 Milliarden Euro angehoben
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Während Amazon argumentiert, die Investitionen basierten nicht auf bloßer Spekulation – der Umsatz mit den hauseigenen Trainium-Chips liege bei über 18 Milliarden Euro –, sehen andere Konzerne die Liquidität schwinden. Die Bank of America stellt fest, dass die KI-Investitionen bei mehreren Großunternehmen inzwischen den freien Cashflow übersteigen.
Börsen reagieren mit Kurseinbrüchen
Die aggressive Ausgabenpolitik hat heftige Marktreaktionen ausgelöst. Der Philadelphia-Halbleiterindex verlor vergangene Woche zehn Prozent – der stärkste Einbruch seit April 2025. Auch der technologie-lastige Nasdaq-100 gab am 17. Juli um zwei Prozent nach.
Besonders hart traf es einzelne Werte: Die Oracle-Aktie fiel bis zum 17. Juli um mehr als 35 Prozent auf ein Jahrestief von rund 112 Euro. IBM erlebte den schlechtesten Handelstag seiner Geschichte, nachdem Umsatzeinbußen auf die Umschichtung von Budgets in KI-Infrastruktur zurückgeführt wurden. Und SpaceX-Aktien notierten am 17. Juli bei 112 Euro – unter dem Emissionspreis von 124 Euro. Der Börsenwert des Raumfahrtunternehmens schrumpfte seit dem Börsengang um rund 920 Milliarden Euro.
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Infrastruktur-Engpässe bremsen Expansion
Doch nicht nur finanzielle HĂĽrden trĂĽben die Aussichten. Auch physische und regulatorische Grenzen werden sichtbar. In den USA hat der Bundesstaat New York Baugenehmigungen fĂĽr Rechenzentren mit mehr als 50 Megawatt Leistung gestoppt. Amsterdam verbietet sogar neue Rechenzentren bis 2030.
Branchenforscher schätzen, dass in den USA zwischen neun und zwölf Gigawatt an Projekten aufgrund dieser Beschränkungen gefährdet sind. Hinzu kommen gestiegene Baukosten: Morgan Stanley beziffert den Anstieg pro Gigawatt auf 20 Prozent. All das setzt die Renditeerwartungen der größten Investoren weiter unter Druck.
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