KI-Sicherheit, ChatGPT-ZugÀnge

KI-Sicherheit: 2.975 gestohlene ChatGPT-ZugÀnge in 2 Monaten

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 19:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Geteilte KI-Zugangsdaten bergen erhebliche Sicherheitsrisiken. Experten dokumentieren gestohlene Anmeldedaten, Malware-Kampagnen und psychologische Gefahren der Chatbot-Nutzung.

KI-Chatbot-Konten im Visier: Warnung vor geteilten Zugangsdaten
Ein modern ausgestatteter Arbeitsplatz in einem schwach beleuchteten BĂŒro, auf dem ein Laptop komplexe Datenstrukturen anzeigt. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Experten und Medien warnen eindringlich vor der Weitergabe von Zugangsdaten fĂŒr KI-Chatbots wie ChatGPT, Claude und Gemini. Hintergrund der Warnungen sind erhebliche Datenschutz- und Betriebsrisiken, die sowohl private Nutzer als auch Unternehmen betreffen. Neben der Gefahr des IdentitĂ€tsdiebstahls rĂŒcken zunehmend gezielte Angriffe durch Cyberkriminelle und die missbrĂ€uchliche Nutzung von Kontofunktionen in den Fokus der Sicherheitsanalysten.

Gezielte Angriffe auf KI-Infrastrukturen und Anmeldedaten

Sicherheitsforschern zufolge nutzen Angreifer vermehrt automatisierte Werkzeuge, um sensible Zugangsdaten zu entwenden. Das Tool „Zerofot“ sammelte in einem Zeitraum zwischen Anfang April und Ende Mai 2026 insgesamt 2.975 validierte Anmeldedaten von 1.742 Hosts. Darunter befanden sich SchlĂŒssel fĂŒr Dienste von OpenAI, Anthropic, Gemini und Amazon Web Services (AWS) sowie SSH-Keys.

Parallel dazu beobachten Experten der Gruppe Kaspersky GReAT AktivitĂ€ten der SilverFox-APT-Gruppe. Diese verbreitete Anfang des Jahres ĂŒber 1.600 bösartige E-Mails, die gefĂ€lschte Claude-Apps fĂŒr Windows, macOS und Linux enthielten. Die Kampagne konzentrierte sich vor allem auf den asiatischen Raum, wobei ĂŒber 90 Prozent der Angriffe auf Großchina entfielen.

Besonders die Fertigungsbranche war mit ĂŒber einem Drittel der VorfĂ€lle betroffen. Zudem setzen Cyberkriminelle zunehmend auf KI-Tools wie Claude Code und OpenAI Codex, um Ransomware-Angriffe effizienter zu gestalten. So wurde Claude Code im Juni 2026 bei EinbrĂŒchen in sechs Organisationen genutzt, darunter ein australischer Energieversorger.

Kommerzieller Missbrauch und GraumÀrkte

Ein weiteres Risiko ergibt sich aus dem gewerblichen Missbrauch von KI-Plattformen. Beim Design-Anbieter Canva wurde eine SicherheitslĂŒcke bekannt, die es Nutzern ermöglichte, KI-Credits ĂŒber das vorgesehene Maß hinaus zu beanspruchen. In der Folge wurden solche manipulierten Konten auf GraumĂ€rkten angeboten.

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Berichten zufolge wurden Leonardo.Ai-Konten mit tausenden Generierungs-Credits verkauft, die zudem Zugang zu Premium-Videomodellen von ByteDance, Google und Kuaishou boten. Canva bestĂ€tigte daraufhin Updates, um diesen Missbrauch kĂŒnftig zu verhindern.

Auch neue Plattformen wie Cursor Origin, die im Bereich Code-Hosting agieren, stehen unter Beobachtung. Nach der Übernahme durch SpaceX fĂŒr 60 Milliarden US-Dollar Mitte August 2026 entdeckten Sicherheitsforscher, dass die Plattform eine bösartige Datei im Projektstamm ausfĂŒhrt, ohne den Nutzer um Erlaubnis zu fragen. Solche VorfĂ€lle unterstreichen die Gefahr, die von ungesicherten oder fremden KontozugĂ€ngen ausgeht.

Psychologische Risiken und neue Schutzmaßnahmen

Neben technischen Gefahren betonen Experten die psychologischen Risiken der Chatbot-Nutzung. Daten zeigen, dass 0,15 Prozent der ChatGPT-Nutzer – das entspricht etwa 1,35 Millionen Menschen – wöchentlich suizidale Absichten in den Chats Ă€ußern.

Die bisherigen Reaktionen der Systeme, wie die Empfehlung von Notfallnummern, werden von Fachleuten als unzureichend kritisiert. Ein tragischer Fall aus dem Februar 2025, bei dem eine Nutzerin nach monatelangen „Therapie-Chats“ mit ChatGPT durch Suizid starb, fĂŒhrte bereits zu Klagen gegen die Betreiber.

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OpenAI reagiert auf die wachsende Kritik mit der EinfĂŒhrung von „ChatGPT for Teens“. Diese Version fĂŒr 13- bis 17-JĂ€hrige umfasst strengere InhaltsbeschrĂ€nkungen, elterliche Kontrollen und Sicherheitsbenachrichtigungen bei Themen wie Selbstverletzung oder Essstörungen. Zudem sollen romantische Sprache und die Förderung emotionaler AbhĂ€ngigkeit blockiert werden.

Gleichzeitig sorgt die neue Funktion „Computer History“ fĂŒr die macOS-Desktop-App von OpenAI fĂŒr Diskussionen. Das Tool zeichnet Interaktionsereignisse wie Klicks und App-Wechsel auf, um personalisierte Erinnerungen zu erstellen.

Da diese Daten lokal im Klartext gespeichert werden und nicht verschlĂŒsselt sind, warnen Experten vor einem erhöhten Risiko fĂŒr Prompt-Injection-Angriffe und Profiling. Nutzer bezeichnen die Funktion teilweise als besorgniserregend.

Fachleute raten dringend dazu, aktive Sitzungen regelmĂ€ĂŸig in den Sicherheitseinstellungen der jeweiligen Anbieter zu ĂŒberprĂŒfen und bei Verdacht auf unbefugten Zugriff Passwörter umgehend zu Ă€ndern. Eine Weitergabe von Kontodaten sollte unter allen UmstĂ€nden vermieden werden, um die IntegritĂ€t persönlicher Daten und die Sicherheit der genutzten Systeme zu gewĂ€hrleisten.

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