KI-Sicherheit, Session-Hijacking-AnschlÀge

KI-Sicherheit: Session-Hijacking-AnschlÀge steigen um 127%

22.06.2026 - 19:08:30 | boerse-global.de

Studie zeigt: 94% der Firmen ĂŒberschĂ€tzen ihre Zugriffssperren, wĂ€hrend KI-Agenten neue SicherheitslĂŒcken öffnen.

IdentitĂ€tsmanagement: Große Kluft zwischen KI-Euphorie und SicherheitsrealitĂ€t
KI-Sicherheit - A shadowy figure in a suit stands before a complex, glowing digital network with AI symbols, representing enterprise identity security gaps and vulnerabilities. 22.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

WĂ€hrend Firmen massiv auf KĂŒnstliche Intelligenz setzen, bleiben ihre Sicherheitsstrukturen auf der Strecke.

Der trĂŒgerische Glaube an schnelle Zugriffssperren

Eine aktuelle Studie von FIDO Alliance und HID zeigt ein erschreckendes MissverhÀltnis: 94 Prozent der befragten Unternehmen glauben, sie könnten den Zugriff eines kompromittierten oder ausgeschiedenen Mitarbeiters innerhalb von 24 Stunden sperren. Doch die RealitÀt sieht anders aus: Rund 35 Prozent der Organisationen erlebten in den vergangenen zwei Jahren erhebliche Verzögerungen oder sogar AusfÀlle bei diesem Prozess.

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Die Forschungsergebnisse belegen zudem, dass 70 Prozent der Unternehmen mindestens einen identitĂ€tsbezogenen Sicherheitsvorfall erlitten haben. Trotz der bekannten Risiken traditioneller Passwörter bleibt die EinfĂŒhrung sichererer Alternativen schleppend: Nur 13 Prozent der Firmen haben Passkeys in nennenswertem Umfang implementiert. Diese ZurĂŒckhaltung zeigt sich auch im Verbraucherbereich: Ein Projekt der Sicherheitsforscher Scott Helme und Troy Hunt ergab, dass 28 Prozent der meistbesuchten Websites weltweit noch immer keine Passkeys unterstĂŒtzen – darunter bekannte Plattformen wie Instagram, Netflix und Spotify.

KI-Agenten: Die neuen Angriffsziele

WĂ€hrend Unternehmen KI in ihre ArbeitsablĂ€ufe integrieren, schlagen Sicherheitsanbieter Alarm ĂŒber die mangelnde Kontrolle nicht-menschlicher EntitĂ€ten. Laut aktuellen Daten von Okta nutzen 92 Prozent der FĂŒhrungskrĂ€fte KI-Agenten, doch nur 34 Prozent wenden auf diese dieselben Sicherheitskontrollen an wie auf menschliche Mitarbeiter. Diese LĂŒcke hat zu einem Anstieg von Session-Hijacking-Angriffen um 127 Prozent im Jahresvergleich gefĂŒhrt.

Um diesen neuen Risiken zu begegnen, haben Okta und Google Cloud ihre Partnerschaft ausgeweitet. Die Zusammenarbeit zielt darauf ab, KI-Agenten durch die Integration der Okta-IdentitĂ€tsplattform mit der Google-Gemini-Enterprise-Agent-Plattform abzusichern. Branchenexperten auf der Identiverse 2026 in Las Vegas betonten, dass KI-Agenten kĂŒnftig als „IdentitĂ€ten erster Klasse" mit eigenen ĂŒberprĂŒfbaren Anmeldedaten, Lebenszykluskontrollen und spezifischen Verantwortlichen behandelt werden mĂŒssen.

Weitere Sicherheitsanbieter drĂ€ngen mit spezialisierten Werkzeugen in diese LĂŒcke. Saviynt fĂŒhrte eine intent-basierte Laufzeitautorisierung ein, die die Aktionen von KI-Agenten in Echtzeit ĂŒberwacht und steuert. Zscaler prĂ€sentierte auf seiner Zenith-Live-Veranstaltung Mitte Juni seinen KI-Broker und eine Agentenregistrierung und positioniert Zero Trust als notwendige Kontrollebene fĂŒr die Sicherheitsrisiken autonomer KI-Agenten.

Schatten-KI und veraltete Zugangsdaten

Die rasche EinfĂŒhrung von KI treibt auch das PhĂ€nomen der „Schatten-KI" voran – Mitarbeiter nutzen nicht autorisierte Tools ohne IT-Aufsicht. Eine Umfrage von Thomson Reuters ergab, dass 34 Prozent der FachkrĂ€fte in 62 LĂ€ndern nicht genehmigte KI-Tools fĂŒr die Arbeit verwenden. Dieser Trend birgt erhebliche rechtliche und regulatorische Risiken, da mit solchen Tools geteilte Daten ihren rechtlichen Schutz verlieren oder gegen Datenschutzstandards verstoßen können.

Die Folgen unzureichender IdentitĂ€tssicherheit zeigte ein aktueller Vorfall bei der Marktforschungsplattform Klue. Die CyberkriminalitĂ€tsgruppe Icarus erbeutete erfolgreich Daten mehrerer großer Cybersicherheitsfirmen, darunter Snyk, Recorded Future und Tanium. Der Einbruch Mitte Juni erfolgte ĂŒber kompromittierte Legacy-Zugangsdaten in einem Integrationstool – ein Beweis dafĂŒr, dass selbst hochspezialisierte Sicherheitsorganisationen anfĂ€llig fĂŒr fundamentale IdentitĂ€tsmanagement-Fehler bleiben.

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Governance und Transparenz als Herausforderung

IdentitĂ€tsmanagement-Experten stehen zunehmend unter Druck, Transparenz ĂŒber fragmentierte Umgebungen hinweg zu schaffen. Eine aktuelle SANS-SOC-Umfrage identifiziert mangelnde unternehmensweite Transparenz als das grĂ¶ĂŸte Hindernis fĂŒr effektive Sicherheitsoperationen – 24 Prozent der Cybersicherheitsverantwortlichen nennen dies als Hauptproblem.

Branchenanalysten von Gartner stellen fest, dass nur 17 Prozent der Organisationen ein hohes Maß an KI-Reife erreicht haben. Die meisten kĂ€mpfen noch mit den steigenden Kosten und der KomplexitĂ€t agentischer Systeme. Die Experten auf der Identiverse 2026 zogen einen klaren Schluss: Unternehmen mĂŒssen ihre grundlegenden IdentitĂ€tsstrukturen reparieren – jede menschliche und maschinelle EntitĂ€t muss erfasst sein – bevor sie sicher autonome KI-Agenten skalieren können.

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