KI-SouverÀnitÀt, Merz

KI-SouverÀnitÀt: Merz setzt Deutschland ein Ziel bis 2030

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 09:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Abschlussbericht setzt fĂŒr 2030 Ziele bei KI-Nutzung, RechenkapazitĂ€t und Start-ups; Finanzentscheidungen zu den Initiativen sind noch offen.
Moderne Glasarchitektur eines RegierungsgebÀudes in Berlin in der DÀmmerung. Illustration mit AI erstellt.

Auf dem zweitĂ€gigen Digitalgipfel in Berlin haben Bundeskanzler Friedrich Merz und Digitalminister Karsten Wildberger eine deutliche Verringerung der AbhĂ€ngigkeit von auslĂ€ndischen Anbietern kĂŒnstlicher Intelligenz angemahnt.

Die Konferenz, die unter dem Leitmotiv einer sicheren, souverÀnen und wettbewerbsfÀhigen Gestaltung von KI stand, versammelte mehr als 1.000 GÀste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, darunter Branchenvertreter, europÀische Digitalminister sowie Delegierte aus Kanada und der EuropÀischen Kommission.

Merz bezeichnete die digitale EigenstĂ€ndigkeit im Bereich der SchlĂŒsseltechnologien als eine existenzielle Zukunftsfrage fĂŒr den Wirtschaftsstandort. Deutschland mĂŒsse um jeden Preis verhindern, sich bei Entwicklung und Einsatz von KI vollstĂ€ndig an Drittstaaten zu binden.

Ziel sei es, Systeme entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Hardware bis zur Software selbstbestimmt und sicher steuern zu können, ohne dabei eine vollstÀndige Autarkie anzustreben. Zugleich forderte der Kanzler raschere Umsetzungen sowie mutige Entscheidungen bei Investitionen und der Energieinfrastruktur.

Die technologische Entwicklung mĂŒsse dabei fest an ethischen GrundsĂ€tzen ausgerichtet bleiben; unter Verweis auf Papst Leo XIV. mahnte Merz, KI-Systemen nicht zu viel Verantwortung zu ĂŒbertragen und die MenschenwĂŒrde stets ins Zentrum zu rĂŒcken.

Digitalminister Wildberger warnte seinerseits vor Zögerlichkeit. Das grĂ¶ĂŸte Risiko bestehe darin, das Tempo der weltweiten UmbrĂŒche zu unterschĂ€tzen. Er sprach sich fĂŒr weniger regulatorische HĂŒrden, verringerte bĂŒrokratische Vorgaben und eine breitere gesellschaftliche Offenheit gegenĂŒber KI-Lösungen aus.

Abschlussbericht der KI-Taskforce setzt ehrgeizige Ziele bis 2030

Im Rahmen der Veranstaltung prĂ€sentierte die im Sommer 2026 vom Nationalen Sicherheitsrat eingesetzte und vom Digitalministerium geleitete KI-Taskforce ihren Abschlussbericht. Demnach strebt die Bundesregierung an, Deutschland bis zum Jahr 2030 zu einer souverĂ€nen KI-Nation aufzubauen. FĂŒr die Schließung der bestehenden RĂŒckstĂ€nde seien die kommenden 12 bis 18 Monate ausschlaggebend.

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Der Bericht definiert 18 ressortĂŒbergreifende SchlĂŒsselinitiativen, darunter den Ausbau von Recheninfrastrukturen und die StĂ€rkung von Halbleiterketten. Der Staat soll dabei ĂŒber öffentliche AuftrĂ€ge als Ankerkunde fungieren; Finanzentscheidungen zu den Vorhaben sind nach Berichten vom Beginn des Monats jedoch noch offen.

Die Vorgaben fĂŒr 2030 sehen vor, dass mindestens 80 Prozent der Großunternehmen und 55 Prozent der kleinen und mittleren Betriebe KI einsetzen. Bei Bundesbehörden soll die Quote fĂŒr Kernaufgaben bei 90 Prozent liegen.

Zudem sollen sich die Zahl der KI-Start-ups verdreifachen, der KI-Anteil an der Wirtschaftsleistung auf ĂŒber 10 Prozent steigen und die KI-RechenzentrumskapazitĂ€ten im Vergleich zu 2025 um 300 Prozent wachsen.

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Wildberger formulierte das Ziel, die GesamtrechenkapazitÀt bis 2030 zu verdoppeln und die spezifische KI-Rechenleistung zu vervierfachen. Dazu passend plant der Bundestag die Verabschiedung eines Energieeffizienzgesetzes mit gelockerten Anforderungen an Rechenzentren.

Internationale Kooperationen und strukturelle Bremsen

Strategisch verfolgt die Bundesregierung einen zweigleisigen Ansatz: Neben der kurzfristigen Etablierung industrieller Anwendungen wird die Erforschung physischer KI-Systeme vorangetrieben. Zur Verringerung einseitiger Bindungen setzt Berlin auf Partnerschaften mit LĂ€ndern wie Frankreich, Finnland, Polen und Kanada.

Mit Kanada ist unter anderem der Aufbau eines Sicherheitsinstituts fĂŒr kĂŒnstliche Intelligenz in Deutschland geplant. Parallel dazu vereinbarten das kanadische Unternehmen Cohere und die Heidelberger firma Aleph Alpha eine Zusammenarbeit bei Unternehmens- und Behördenlösungen.

Dass Technologiepartnerschaften pragmatisch interpretiert werden, verdeutlichte Merz mit Blick auf eine geplante Offline-Cloud fĂŒr deutsche Sicherheitsbehörden in Kooperation mit Google: Da der US-Konzern massiv in Europa investiere, lasse sich europĂ€ische Infrastruktur auch gemeinsam mit amerikanischen Dienstleistern realisieren.

Der Weg zur technologischen EigenstÀndigkeit trifft jedoch auf Skepsis. Das Ifo-Institut wies darauf hin, dass Deutschland wegen eines vergleichsweise kleinen Hightech-Sektors, Defiziten bei der Verwaltungsdigitalisierung sowie FachkrÀftemangels noch unzureichend aufgestellt sei.

Laut einer Erhebung des Branchenverbands Bitkom wĂŒnschen sich hiesige Unternehmen zwar vorrangig heimische KI-Angebote, 64 Prozent von ihnen lehnen jedoch funktionale Nachteile oder höhere Preise dafĂŒr ab.

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