KI-Spionage: US-Behörden werfen sechs chinesischen Firmen Modell-Diebstahl vor
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 02:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einem gemeinsamen Sicherheits-Advisory haben die US-Behörden NSA, FBI und CISA schwerwiegende Vorwürfe gegen sechs führende chinesische KI-Unternehmen erhoben. Demnach sollen DeepSeek, Moonshot AI, Alibaba, MiniMax, StepFun und Z.AI seit mindestens Ende 2024 systematisch geistiges Eigentum aus US-amerikanischen Sprachmodellen wie Claude, GPT, Gemini und Grok extrahiert haben.
Dieser Prozess der sogenannten „malicious distillation“ (böswillige Destillation) sei laut dem Advisory AA26-251A wahrscheinlich mit Kenntnis der chinesischen Regierung erfolgt.
Vorwürfe der gezielten Modell-Extraktion
Die US-Behörden werfen den betroffenen Firmen vor, durch den massiven Missbrauch von Schnittstellen und Nutzerzugängen Daten gewonnen zu haben, um eigene Modelle zu trainieren. DeepSeek wird in diesem Zusammenhang vorgeworfen, die Modelle R1 und V3 mit Daten aus mindestens einem Dutzend US-Modellen entwickelt zu haben.
Dazu zählen laut dem Bericht Claude-Varianten von Version 3.7 bis Opus 4.1 sowie Modelle von Gemini, GPT und Grok 4. Die von DeepSeek öffentlich kommunizierten Trainingskosten in Höhe von 5,6 Mio. US-Dollar werden in dem Behördenbericht als irreführend eingestuft.
Auch bei Moonshot AI und Alibaba sehen die Behörden deutliche Belege für Extraktionen. Moonshot AI habe demnach Claude Fable 5 genutzt, um das Modell Kimi-K3 zu entwickeln, während GPT-4o als Datenquelle für Kimi-K2 gedient habe. Alibaba wird vorgeworfen, über seine Qwen-Modellreihe gezielt Informationen aus Claude-4 und GPT-5 bezogen zu haben.
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Ausmaß und technische Vorgehensweise
Der Umfang der Datenextraktion wird als beispiellos beschrieben. Z.AI soll bis Mitte 2026 Milliarden von Tokens aus den Modellen GPT-5.5 und Claude Opus 4.8 extrahiert haben.
MiniMax wird vorgeworfen, mittels Prompt-Injections über das Werkzeug „Claude Code“ Daten abgegriffen zu haben. Dabei seien Anfragen oft innerhalb von nur 24 Stunden nach der Veröffentlichung eines neuen US-Modells umgeleitet worden, was unter anderem das Modell M2 von MiniMax betreffe. StepFun habe in ähnlicher Weise Daten für sein Modell Step 4 gewonnen.
Um diese Mengen an Daten zu generieren, griffen die Unternehmen laut Advisory auf komplexe Methoden zurück. Es seien gefälschte Accounts, Massen-Abonnements sowie sogenannte „Transfer Stations“ genutzt worden, um die Herkunft der Anfragen zu verschleiern.
Im Fall des Entwicklers Anthropic identifizierten Ermittler rund 24.000 gefälschte Accounts, die für insgesamt 16 Mio. Interaktionen mit dem Modell Claude verantwortlich waren. Die Google Threat Intelligence Group (GTIG) registrierte in diesem Kontext sogar über 100 Mio. verdächtige Prompts.
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Geopolitische Einordnung und Reaktionen
Die Vorwürfe verschärfen die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den USA und China im Bereich der Hochtechnologie und Exportkontrolle. Die chinesische Regierung wies die Anschuldigungen bereits zurück. Mao Ning, Sprecherin des Außenministeriums, bezeichnete die Vorwürfe als unbegründet.
Auch das chinesische Handelsministerium wies die Darstellungen zurück und stellte Gegenmaßnahmen in Aussicht. Die betroffenen Unternehmen selbst bestreiten die Vorwürfe ebenfalls und betonen, ihre KI-Lösungen basierten auf eigenständigen Entwicklungen.
Als Reaktion auf die Extraktionsversuche empfiehlt das Advisory den US-Technologieanbietern neue Schutzmaßnahmen. Verdächtige Accounts könnten demnach verdeckt sanktioniert werden, indem sie etwa mit degradierten oder unauffällig manipulierten Antworten bedient werden, um den Nutzwert für die Destillation zu senken.
Die Veröffentlichung des Berichts erfolgt kurz vor einem geplanten Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Washington am 24. September 2026, bei dem auch ein Treffen mit Donald Trump vorgesehen ist.
