Umsatz, Gesetzesentwurf

KI steigert Umsatz um 72 Prozent: Wie Unternehmen profitieren

25.06.2026 - 04:42:00 | boerse-global.de

Ein Gesetzesentwurf plant flexible Arbeitszeiten nur fĂŒr Tarifgebundene. BranchenverbĂ€nde kritisieren die EinschrĂ€nkung scharf.

Chronoworking und KI: Neues Arbeitszeitgesetz im Fokus
Umsatz - Eine stilisierte Uhr mit ZahnrĂ€dern und Schaltkreisen, die biologische Rhythmen und technologische Innovation symbolisiert. 25.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

WĂ€hrend Chronoworking die innere Uhr der Mitarbeiter in den Fokus rĂŒckt, treibt KI die ProduktivitĂ€t in die Höhe. Ein neuer Gesetzesentwurf soll beides in geordnete Bahnen lenken – und stĂ¶ĂŸt auf Kritik.

Chronoworking: Arbeit nach der inneren Uhr

Chronoworking heißt das Zauberwort: Arbeitszeit, die sich am individuellen Biorhythmus orientiert. Die bayerische Klinik Wartenberg macht es vor und analysiert Haarwurzeln ihrer Mitarbeiter, um deren Chronotyp zu bestimmen. Das Ziel: zufriedenere und fittere Belegschaften.

Die Wissenschaft liefert Argumente fĂŒr solche Modelle. Eine japanische Studie mit ĂŒber 8.150 Teilnehmern zeigt: Menschen mit spĂ€tem Chronotyp leiden hĂ€ufiger unter PrĂ€sentismus – sie kommen krank zur Arbeit. Schuld sind oft Schlafstörungen.

Doch Vorsicht, mahnt die Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Zu viel FlexibilitĂ€t kann die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen lassen.

KI treibt Umsatz pro Mitarbeiter in die Höhe

WĂ€hrend die einen ĂŒber die ideale Arbeitszeit diskutieren, legen andere bereits Zahlen vor. FrĂŒhphasen-Unternehmen aus dem B2B-SaaS-Bereich steigerten ihren Umsatz pro Mitarbeiter um 72 Prozent – binnen zwei Jahren. Das zeigt eine Analyse von Insight Partners unter rund 1.368 Firmen.

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Der Treiber: kĂŒnstliche Intelligenz. Bending Spoons machte im ersten Quartal 2026 stolze 2,6 Millionen Euro Umsatz pro Mitarbeiter. Laut Gartner liefert jeder investierte Euro in KI durchschnittlich 3,70 Euro zurĂŒck. Allerdings erfĂŒllen derzeit nur 28 Prozent der AnwendungsfĂ€lle die Erwartungen.

Neue Regeln: FlexibilitĂ€t nur fĂŒr Tarifgebundene

Der Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums vom Juni 2026 setzt die Leitplanken. Die werktĂ€gliche Höchstarbeitszeit bleibt bei acht Stunden – mit Ausnahme auf zehn Stunden bei Ausgleich. Wer mehr will, etwa eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden im Zwölf-Monats-Schnitt, braucht einen Tarifvertrag.

Genau daran entzĂŒndet sich die Kritik. Nur 24 Prozent aller Betriebe sind tarifgebunden. Das Institut fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beziffert den Anteil der Betriebe, die sowohl tarifgebunden sind als auch Flexibilisierung brauchen, auf mickrige 9 Prozent.

„Moderne ArbeitszeitspielrĂ€ume bleiben an ein schrumpfendes Tarifsystem gebunden“, kritisiert Experte Guido Zander.

Gastronomie und Mittelstand rebellieren

Die BranchenverbĂ€nde laufen Sturm. Markus Suchert vom Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) wirft dem Ministerium vor, hinter den Koalitionsvertrag zurĂŒckzufallen. Dabei erwirtschaftete die Systemgastronomie 2025 stolze 36 Milliarden Euro Umsatz – bei nur 23 Prozent Tarifbindung.

DEHOGA-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Jana Schimke spricht von einer „EnttĂ€uschung fĂŒr den Mittelstand“.

Elektronische Zeiterfassung: Teure Umstellung mit Sparpotenzial

Die Novelle sieht eine verpflichtende, taggleiche elektronische Zeiterfassung vor. Die Kosten: einmalig 76,7 Millionen Euro fĂŒr die Umstellung. Die jĂ€hrlichen Einsparungen sollen bei 168,6 Millionen Euro liegen.

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Kleinstbetriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern sind dauerhaft ausgenommen. GrĂ¶ĂŸere Unternehmen bekommen Übergangsfristen von zwei bis fĂŒnf Jahren.

Hohes Arbeitsvolumen, viele unbezahlte Überstunden

Der Hintergrund: Das Arbeitsvolumen in Deutschland erreichte 2023 mit knapp 55 Milliarden Stunden einen Höchststand. 2024 kamen rund 638 Millionen unbezahlte Überstunden hinzu.

IAB-Forscher Enzo Weber schlĂ€gt einen Ausweg vor: Flexibilisierung auch fĂŒr nicht tarifgebundene Unternehmen – aber mit verpflichtendem Gesundheitsmonitoring fĂŒr die BeschĂ€ftigten.

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