KI-Trainingsstreit: New York Times fordert Milliarden von OpenAI
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 08:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rechtsstreit um das Training von KI-Sprachmodellen verlangt The New York Times eine finanzielle Vergütung von OpenAI und Microsoft. Das Verlagshaus argumentiert, eine Entschädigung für Urheber von Inhalten sei bei der Nutzung redaktioneller Daten für künstliche Intelligenz unerlässlich.
Das Medienhaus wirft beiden Technologiekonzernen vor, Millionen urheberrechtlich geschützter Artikel ohne Erlaubnis zum Training ihrer Modelle kopiert zu haben, und fordert Schadensersatz in Milliardenhöhe. Zudem hat der Verlag ein summarisches Urteil beantragt.
Die Vorwürfe stützen sich auf Dokumente, die unter Richter Sidney H. Stein offengelegt wurden. Demnach wirft der Verlag den Technologieunternehmen vor, unzulässige und täuschende Methoden angewandt zu haben, um Bezahlschranken zu umgehen.
Aus den Gerichtsunterlagen geht hervor, dass OpenAI Inhalte aus über 10 Millionen Artikeln extrahiert haben soll, wobei fast ein Drittel davon von The New York Times stamme. In Trainingsdaten für Zwischenschritte sollen sich Zehntausende Kopien des Verlags und anderer Medien befunden haben. Zudem sei intern bei OpenAI über die Entfernung von Urheberrechtshinweisen diskutiert worden.
Interne Kritik und Belastungsmaterial bei den Tech-Konzernen
Die offengelegten Unterlagen belasten auch Microsoft. Direktor Brent Hecht bezeichnete das massenhafte Erfassen von Daten für KI-Modelle intern im Januar 2023 als beispiellosen Diebstahl und möglicherweise größten Diebstahl menschlicher Arbeit in der Geschichte. Die Berufung auf die Rechtsdoktrin der fairen Nutzung stelle einen Hohn dar.
Zudem warnte Hecht damals davor, dass die KI-Strategie und die KI-gestützte Copilot-Antwortfunktion eine Abwärtsspirale in Gang setze, die sowohl der Leistung der eigenen Modelle als auch dem gesamten Web schade. Microsoft-Sprecher Alex Haurek betonte dazu, die Äußerungen von Hecht spiegelten lediglich die persönliche Sichtweise eines einzelnen Mitarbeiters wider.
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Interne Daten von Microsoft belegen unterdessen erhebliche Einbußen bei den Zugriffszahlen von Medienhäusern: Die Klickrate auf Suchergebnisse von The New York Times sank bei KI-gestützten Antworten um 87 Prozent bis 93 Prozent im Vergleich zur herkömmlichen Bing-Suche.
Für Nachrichtenverlage allgemein verzeichnete der Konzern Rückgänge der Klickraten zwischen 83 Prozent und 93 Prozent, während Domains des Medienunternehmens Ziff Davis wie Eurogamer und IGN Einbußen zwischen 51 Prozent und 94 Prozent aufwiesen.
Microsoft-Chef Satya Nadella erklärte in einer Aussage unter Eid, Chatbots lieferten Informationen direkt auf der eigenen Plattform aus, anstatt Nutzer auf die ursprüngliche Quelle zu verweisen. Nach Ansicht von Nadella sollten Bezahlschranken-Inhalte lizenziert werden; hätte er von einem unberechtigten Auslesen solcher Daten gewusst, hätte er ein erneutes Training der Modelle verlangt.
Streit über faire Nutzung und langwieriges Verfahren
Auch bei OpenAI sorgte der Einsatz von Nachrichteninhalten intern für Diskussionen. Der Leiter für ChatGPT, Nick Turley, räumte intern ein, die Modelle wirkten weitgehend ersetzend und stellten eine existenzielle Bedrohung für Verlage dar.
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Mitgründer Greg Brockman wusste laut den Vorwürfen des Verlags von Wegen zur Umgehung der Bezahlschranke, reagierte positiv auf eine entsprechende Umgehungsmöglichkeit und bezeichnete die Modelle intern als exzellent im Umgang mit Nachrichten.
OpenAI, das im Zusammenhang mit den Vorgängen auch ein Projekt namens Project Mango verfolgte, beharrt im Verfahren auf der Rechtsdoktrin der fairen Nutzung.
The New York Times hatte die Klage im Dezember 2023 eingereicht. Elf weitere Medienhäuser, darunter Ziff Davis, Mother Jones und The Intercept, haben sich dem juristischen Vorgehen mittlerweile angeschlossen. Eine gerichtliche Entscheidung wird nicht vor 2027 erwartet.
Politische Resonanz erfährt der Fall auch auf Regierungsebene: Die Trump-Administration vertritt die Auffassung, dass Lizenzierungspflichten die US-amerikanische Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz gegenüber dem Wettbewerber China bremsen könnten.
