KI-Wahlempfehlungen, GPT

KI-Wahlempfehlungen: GPT bevorzugt Demokraten, Grok Republikaner

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung von 479 US-Wahlrennen zeigt gegensĂ€tzliche Empfehlungen der KI-Modelle und unterschiedliche Quellen fĂŒr ihre Antworten.
Zwei Monitore auf einem Schreibtisch zeigen abstrakte blaue und rote Datenvisualisierungen in einem modernen BĂŒro. Illustration mit AI erstellt.

Große Sprachmodelle zeigen bei politischen Wahlempfehlungen erhebliche parteipolitische Tendenzen. Das geht aus einer Untersuchung der Organisation Convovo unter der Leitung von Cornell-Professor Tapan Parikh hervor.

Bei standardisierten API-Abfragen im Vorfeld der US-Midterm-Wahlen empfahl das Modell GPT-6.1 Sol von OpenAI in 97 Prozent der FĂ€lle den demokratischen Kandidaten. Das Konkurrenzmodell Grok 4.7 des Anbieters xAI sprach sich hingegen in 92 Prozent der FĂ€lle fĂŒr den republikanischen Bewerber aus.

Grundlage dieser Prozentwerte bildeten diejenigen Antworten, in denen sich die Systeme tatsĂ€chlich auf eine Person festlegten. Von 1.111 verwertbaren Antworten des OpenAI-Modells entfielen 1.082 auf demokratische Politiker. Bei Grok votierten 952 von 1.038 Antworten fĂŒr Kandidaten der Republikaner. In weniger als 10 Prozent der analysierten Rennen stimmten die Empfehlungen beider Systeme ĂŒberein.

Systematischer Test ĂŒber Hunderte Wahlkreise

Der Testaufbau umfasste am 21. Oktober 2026 insgesamt 479 politische Rennen fĂŒr die anstehenden Wahlen zum ReprĂ€sentantenhaus, zum Senat sowie zu Gouverneursposten. Darunter fielen 410 Mandate im ReprĂ€sentantenhaus, 35 Gouverneurswahlen und 34 Senatssitze.

Die Forscher riefen fĂŒr jedes Rennen drei Antworten ĂŒber die Programmierschnittstellen der Systeme unter Einbindung einer Websuche ab. Die Eingabeaufforderung forderte die Modelle ausdrĂŒcklich dazu auf, ohne Ausweichmanöver genau einen Kandidaten zu benennen.

Nicht jede Anfrage fĂŒhrte zu einer Empfehlung: GPT verweigerte bei 313 von 1.437 Antworten die Auskunft, wĂ€hrend Grok 375 Anfragen ablehnte. Andere Modelle zeigten sich noch zurĂŒckhaltender; so verweigerten Claude Sonnet 5.5 und Gemini 3.8 Flash in Stichproben von zehn Senatsrennen jede Nennung eines Kandidaten.

Die frei zugÀnglichen Consumer-Anwendungen von OpenAI und xAI blockierten direkte Wahlempfehlungen im Gegensatz zu den Programmierschnittstellen ebenfalls.

Wurde eine Empfehlung generiert, wich diese oft diametral von den lokalen MehrheitsverhĂ€ltnissen ab. In stark republikanisch geprĂ€gten Wahlkreisen entschied sich GPT in 57 von 67 FĂ€llen fĂŒr die demokratische Option. Umgekehrt sprach sich Grok in stark demokratischen Distrikten in 47 von 72 FĂ€llen fĂŒr die Republikaner aus.

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Ursachenforschung bei Datenquellen und Modellgewichten

Die GrĂŒnde fĂŒr die gegensĂ€tzlichen Tendenzen sind laut Parikh auf unterschiedlichen Ebenen der Systeme zu finden. WĂ€hrend die Schlagseite bei GPT tief in den Modellgewichten verankert sei, entstehe die Ausrichtung von Grok vor allem ĂŒber die gewĂ€hlten Suchbegriffe und Quellen.

Bei Anfragen mit Websuche griff Grok zu 41 Prozent auf BeitrĂ€ge des Netzwerks X zurĂŒck. Zudem stĂŒtzte sich das Modell zu 39 Prozent auf einen christlich-konservativen WĂ€hlerleitfaden und zu 23 Prozent auf Inhalte von Turning Point Action.

Inhaltlich begrĂŒndete das System seine Auswahl in 36 Prozent der FĂ€lle mit Fragen der Einwanderung und zu 30 Prozent mit Steuerthemen. Die Forscher stellten zudem fest, dass die Grok-API-Anfragen rund 1.240 zusĂ€tzliche Input-Token enthielten, die von außen weder einsehbar noch entfernbar waren.

GPT griff im Webabruf hingegen vorrangig auf etablierte Plattformen zurĂŒck: Das Modell nutzte in 93 Prozent der FĂ€lle Wikipedia, in 74 Prozent die Nachrichtenagentur AP sowie darĂŒber hinaus Axios und Reddit. Bei den inhaltlichen BegrĂŒndungen dominierte zu 62 Prozent der Bereich der Gesundheitsversorgung.

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In einem Kontrolltest aus 30 Abfragen gĂ€nzlich ohne Websuche empfahl GPT in 24 FĂ€llen Demokraten, einmal einen Republikaner und verweigerte fĂŒnfmal die Antwort. Grok lehnte ohne Live-Websuche 27 von 30 Anfragen ab und nannte in den verbliebenen drei FĂ€llen demokratische Bewerber.

OpenAI reagierte auf die Ergebnisse mit dem Hinweis, dass die Auswertung ĂŒber Programmierschnittstellen nicht der typischen Nutzungserfahrung der Endanwender-Version von ChatGPT entspreche. Das Unternehmen xAI Ă€ußerte sich nicht zu den Befunden der Untersuchung.

Die Ergebnisse gewinnen vor dem Hintergrund des sich wandelnden Informationsverhaltens an Relevanz. Laut einer Umfrage des Pew-Instituts aus dem Oktober 2026 nutzen bereits 8 Prozent der erwachsenen US-BĂŒrger KI-Chatbots fĂŒr politische Informationen im Vorfeld von UrnengĂ€ngen. Innerhalb dieser Gruppe verwenden 76 Prozent die Werkzeuge, um sich ĂŒber Positionen von Politikern zu informieren, wĂ€hrend 40 Prozent gezielt nach Wahlempfehlungen fragen.

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