Kiefernekrosen, Risiko

Kiefernekrosen: Risiko steigt bei Denosumab ab 13 Monaten auf 12,20 Prozent

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Beobachtungsstudie findet nach mehr als zwölf Monaten häufiger Kiefernekrosen, aber keinen zusätzlichen Schutz vor Knochenbrüchen.
Ein steriler, unbesetzter Behandlungsraum in einer Zahnarztpraxis mit einem Röntgengerät vor einer schlichten Wand. Illustration mit AI erstellt.

Bei fortgeschrittenem, kastrationsresistentem Prostatakrebs mit Knochenmetastasen gehört der Wirkstoff Denosumab zur gängigen Behandlung, um skelettbezogene Komplikationen abzuwehren.

Eine am 21. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlichte Untersuchung zeigt jedoch, dass eine Verabreichung des Präparats über einen Zeitraum von zwölf Monaten hinaus mit einem spürbar erhöhten Risiko für Kieferknochenschäden einhergeht. Gleichzeitig ließ sich kein zusätzlicher Nutzen bei der Vermeidung von Knochenbrüchen feststellen.

Deutlicher Anstieg von Kiefernekrosen bei Langzeitgabe

Die Forschungsarbeit analysierte die Verläufe von 3307 Männern in Südkorea, die an kastrationsresistentem Prostatakrebs mit Knochenmetastasen litten und mit Denosumab in einer Dosierung von 120 mg behandelt wurden. Die Datenbasis der Untersuchung bildeten Registerdaten der südkoreanischen Krankenversicherung HIRA. Das Durchschnittsalter der untersuchten Patienten lag bei 72,6 Jahren, während die mediane Nachbeobachtungszeit 42,6 Monate betrug.

Im Zentrum der Analyse stand das Auftreten von Kiefernekrosen, medizinisch als Osteonekrose des Kiefers bezeichnet. Die Auswertung zeigte dabei einen klaren Zusammenhang mit der Behandlungsdauer:
- Bei einer Verabreichungsdauer von bis zu 6 Monaten lag das kumulative 3-Jahres-Risiko für eine Kiefernekrose bei 1,47 %.
- Bei einer Therapiedauer zwischen 7 und 12 Monaten stieg dieser Wert auf 3,28 %.
- Bei einer Gabe von 13 Monaten oder länger kletterte das Risiko auf 12,20 %.

Damit ergab sich beim Vergleich der Langzeitgabe von mindestens 13 Monaten gegenüber dem Intervall von 7 bis 12 Monaten ein sprunghafter Anstieg um 8,93 Prozentpunkte. Ein zusätzlicher Risikofaktor zeigte sich zudem bei zahnmedizinischen Eingriffen: Eine Zahnextraktion vor Beginn der Therapie war mit einem um 66 % höheren Risiko für das Auftreten einer Kiefernekrose verbunden.

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Fehlender Zusatznutzen bei der Frakturprävention

Während die Rate schwerer Nebenwirkungen am Kiefer bei längerer Verabreichung drastisch zunahm, zeigte sich hinsichtlich der Schutzwirkung für das Skelett ein Plateau. Das Auftreten skelettaler Ereignisse wie Knochenkomplikationen und Frakturen betrug:
- 5,76 % bei einer Therapiedauer von bis zu 6 Monaten,
- 3,82 % bei einer Gabe von 7 bis 12 Monaten,
- 3,99 % bei einer Behandlungsdauer ab 13 Monaten.

Aus diesen Daten leiteten die Autoren ab, dass eine Fortführung der Therapie über das erste Jahr hinaus keinen nachweisbaren zusätzlichen Schutz vor Knochenbrüchen bot, während die Rate an Kieferknochenschäden parallel deutlich anstieg.

Empfehlung zur individuellen Neubewertung der Therapie

Angesichts dieser Ergebnisse raten die Studienautoren dazu, die Fortsetzung der Behandlung nach etwa einem Jahr individuell neu zu bewerten. Dabei sollten behandelnde Ärzte das bestehende Knochenbruchrisiko sorgfältig gegen die individuellen dentalen Risikofaktoren abwägen.

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Gleichzeitig wird ausdrücklich davor gewarnt, Denosumab eigenmächtig abzusetzen. Ein abruptes und unbegleitetes Beenden der Medikation birgt die Gefahr eines sogenannten Rebound-Effekts, der zu einem raschen Knochendichteabfall und vermehrten Frakturen führen kann.

Einschränkend weisen die Autoren darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang lässt sich durch das gewählte Studiendesign formal nicht abschließend belegen. Dennoch liefern die Ergebnisse wichtige Anhaltspunkte für die künftige Gestaltung und Dauer osteoprotektiver Therapiestrategien in der Onkologie.

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