Kinderimpfung, Impfquoten

Kinder-Impfquoten in EU sinken – Deutschland betroffen

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 02:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In vielen EU-LĂ€ndern sind die Impfquoten bei Kindern zuletzt gestiegenen Erwartungen zufolge nicht weiter gewachsen, sondern stagnierten oder gingen zurĂŒck. Deutschland gehört laut einer neuen Studie zu den stĂ€rker betroffenen Staaten.

  • Die Impfquoten bei Kindern sinken in vielen EU-LĂ€ndern. - Bild: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
    Die Impfquoten bei Kindern sinken in vielen EU-LĂ€ndern. - Bild: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
  • Als mögliche Faktoren werden unter anderem VerĂ€nderungen im Vertrauen in Impfstoffe und Fehlinformationen genannt. - Bild: Marius Becker/dpa
    Als mögliche Faktoren werden unter anderem VerÀnderungen im Vertrauen in Impfstoffe und Fehlinformationen genannt. - Bild: Marius Becker/dpa
  • In den USA, wo die Impfquoten ebenfalls sinken, gab es bereits wieder grĂ¶ĂŸere Masern-AusbrĂŒche. - Bild: Julio Cortez/AP/dpa
    In den USA, wo die Impfquoten ebenfalls sinken, gab es bereits wieder grĂ¶ĂŸere Masern-AusbrĂŒche. - Bild: Julio Cortez/AP/dpa
  • Bangladesch erlebt 2026 einen schweren Masernausbruch mit ĂŒber 1.000 TodesfĂ€llen. Die WHO nennt sinkende Impfquoten als einen Grund. - Bild: Md Rafayat Haque Khan/ZUMA Press Wire/dpa
    Bangladesch erlebt 2026 einen schweren Masernausbruch mit ĂŒber 1.000 TodesfĂ€llen. Die WHO nennt sinkende Impfquoten als einen Grund. - Bild: Md Rafayat Haque Khan/ZUMA Press Wire/dpa
Die Impfquoten bei Kindern sinken in vielen EU-LĂ€ndern. - Bild: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa Als mögliche Faktoren werden unter anderem VerĂ€nderungen im Vertrauen in Impfstoffe und Fehlinformationen genannt. - Bild: Marius Becker/dpa In den USA, wo die Impfquoten ebenfalls sinken, gab es bereits wieder grĂ¶ĂŸere Masern-AusbrĂŒche. - Bild: Julio Cortez/AP/dpa Bangladesch erlebt 2026 einen schweren Masernausbruch mit ĂŒber 1.000 TodesfĂ€llen. Die WHO nennt sinkende Impfquoten als einen Grund. - Bild: Md Rafayat Haque Khan/ZUMA Press Wire/dpa

Eine Studie sieht bei Kinderimpfungen in vielen EU-LĂ€ndern zuletzt ĂŒberwiegend stagnierende oder rĂŒcklĂ€ufige Trends. Auch Deutschland ist demnach betroffen.

EU-weit mehr RĂŒckgĂ€nge als Fortschritte

Das Expertenteam wertete WHO- und Unicef-Daten von 1980 bis 2024 aus und betrachtete sieben routinemĂ€ĂŸige Impfungen oder Impfserien. Nach den Ergebnissen zeigten 16 von 27 EU-LĂ€ndern zuletzt bei mindestens vier der sieben Indikatoren RĂŒckgĂ€nge.

FĂŒr Deutschland beschreibt die Analyse rĂŒcklĂ€ufige Entwicklungen bei fĂŒnf der sieben Impfungen. Nur bei Hepatitis B und der ersten Masern-Impfung zeigten die Daten noch leicht steigende Trends.

Besonders betroffen sind einzelne Schutzimpfungen

Am deutlichsten fielen die RĂŒckgĂ€nge bei Hib- und Polio-Impfungen aus. In jeweils 20 EU-LĂ€ndern wurden hier zuletzt sinkende Trends beobachtet. Auch bei Hepatitis B, DTP-3 und Pneumokokken meldet die Studie in vielen Staaten nachlassende Entwicklungstendenzen.

95-Prozent-Marke nur selten erreicht

Luxemburg und Portugal erreichten bei allen sieben Indikatoren eine Durchimpfungsrate von mindestens 95 Prozent. In Deutschland lag dieser Wert 2024 bei fĂŒnf Indikatoren darunter. Die Forschenden warnen, dass unterhalb solcher Schwellen vermeidbare Krankheiten wieder leichter zirkulieren und lokale AusbrĂŒche entstehen können.

Einordnung

Die Studie ordnet einen Trend ein, der ĂŒber die Pandemie hinausreicht: Nach Jahren steigender Kinder-Impfquoten zeigen viele EU-Staaten zuletzt Stagnation oder RĂŒckgĂ€nge. Besonders relevant ist, dass die Forschenden nicht nur einzelne LĂ€nder, sondern mehrere Standardimpfungen ĂŒber einen langen Zeitraum verglichen haben. Dadurch wird sichtbar, dass es sich nicht um ein lokales AusreißerphĂ€nomen handelt, sondern um eine breitere Entwicklung in Europa.

FĂŒr Deutschland ist der Befund politisch und gesundheitlich bedeutsam, weil die Bundesrepublik laut Analyse bei fĂŒnf von sieben untersuchten Impfungen zuletzt unter der oft als Zielmarke genutzten 95-Prozent-Schwelle lag. Das erhöht das Risiko von VersorgungslĂŒcken und regionalen AusbrĂŒchen, auch wenn die nationalen Werte auf den ersten Blick noch vergleichsweise stabil wirken können. Gerade bei Kinderkrankheiten entscheidet nicht nur der Durchschnitt, sondern auch die Verteilung innerhalb einzelner Regionen und Bevölkerungsgruppen.

Die mögliche Ursache liegt nach der Studie unter anderem in verĂ€nderten Vertrauenslagen und Fehlinformationen. Das passt zu einem grĂ¶ĂŸeren europĂ€ischen Muster, in dem Gesundheitsbehörden seit Jahren versuchen, Impfskepsis, Nachholbedarf nach der Pandemie und organisatorische HĂŒrden zugleich zu adressieren. FĂŒr Leser ist der Befund vor allem deshalb relevant, weil er den Blick von der individuellen Impfentscheidung auf die kollektive Schutzwirkung lenkt: Sinkt sie, werden Krankheiten wie Masern, Polio oder Keuchhusten wieder leichter zum Risiko fĂŒr besonders verletzliche Gruppen.

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de | wissenschaft | 70121071 |