KiQuNu-Studie: 31 Prozent der Erwachsenen zeigen problematische Internetnutzung
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der gesundheitspolitischen Debatte rücken präventive Ansätze für das seelische Wohlbefinden zunehmend in den Mittelpunkt. Neben etablierten regionalen Bildungsprogrammen wie Recovery Colleges gewinnen technologische Instrumente und künstliche Intelligenz (KI) an Bedeutung.
Fachleute und politische Entscheidungsträger diskutieren, wie niedrigschwellige Lernorte und datengestützte Systeme kombiniert werden können, um psychische Belastungen früher abzufangen.
Potenziale und Hürden technologiegestützter Früherkennung
Technologische Werkzeuge bieten neue Möglichkeiten, Gefährdungen vor dem Auftreten akuter Symptome zu erkennen. Ricardo Baptista Leite, Geschäftsführer der Organisation HealthAI, wies darauf hin, dass Algorithmen Risikopersonen frühzeitig identifizieren könnten.
Technologie allein reiche jedoch nicht aus, da Systeme ineffizient blieben, wenn grundlegende Versorgungsstrukturen und Finanzierungsanreize nicht von Behandlung auf Prävention umgestellt würden. HealthAI kooperiert mit Aufsichtsbehörden in zehn Ländern an einem globalen Frühwarnsystem.
Gleichzeitig besteht international ein Regulierungsdefizit: Nach Angaben von Hans Henri P. Kluge, Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation für Europa, nutzen zwar zwei Drittel der 53 Länder in der Region KI-Diagnostik und die Hälfte KI-Chatbots, doch nur eines von zwölf Ländern verfüge über entsprechende Regulierungsstrategien.
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Dass digitale Gewohnheiten selbst gesundheitliche Folgen haben, verdeutlicht die KiQuNu-Studie des OFFIS – Instituts für Informatik und der detoxi Health GmbH. Bei einer Erhebung zwischen Mai und Juni 2026 unter 1.285 Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren wiesen 31 Prozent einen auffälligen Wert auf der Skala für problematische Internetnutzung auf.
In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen lag der Anteil bei 55 Prozent, bei den 30- bis 39-Jährigen bei 40 Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen bei 34 Prozent und bei den 60- bis 65-Jährigen bei 15 Prozent. Die durchschnittliche tägliche Bildschirmzeit betrug 4,25 Stunden, wobei rund ein Fünftel der Befragten Beeinträchtigungen von Konzentration und Gesundheit angab.
Digitale Interventionen und Gamification bei jungen Zielgruppen
Ergänzend zu Analyse-Tools entstehen spielerische Anwendungen. Das Universitätsklinikum Würzburg erprobt mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention sowie weiteren Forschungspartnern das Smartphone-Spiel X-CAN zur Cannabisprävention.
Die Begleitstudie für Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren umfasst mehrere Befragungen mit Nachbeobachtungen über bis zu zwölf Monate bei einer Aufwandsentschädigung von rund 40 Euro. Eine Version zielt auf Jugendliche mit Symptomen wie ADHS oder emotionaler Instabilität ab.
Wie das Deutsche Schulbarometer ausweist, zeigt jedes vierte Kind zwischen acht und 17 Jahren Anzeichen hoher psychischer Belastung. Auf digitale Methoden setzt auch das Regensburger Start-up Brainjo, das eine Virtual-Reality-Therapie für Kinder mit ADHS entwickelt hat.
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Kommunale Bildungskonzepte und regionale Vernetzung
Parallel zu digitalen Werkzeugen setzen Kommunen auf persönliche Bildungsformate. In Speyer startete am 29. September 2026 das Projekt „Kommunale Gesundheitslotsen“ in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse und der eco-partner GmbH, um ehrenamtliche Brückenbauer auszubilden. Bürgermeister Prof. Dr. Alexander Schubert hob hervor, dass Gesundheit im Alltag entstehe und nicht erst in der medizinischen Versorgung.
Am 10. Oktober 2026 befasste sich zudem die 5. Bildungskonferenz der Stadt Minden mit der Stärkung junger Menschen, Resilienz und Smartphonegewohnheiten. Auf Landesebene verknüpft Mecklenburg-Vorpommern Prävention und Wirtschaft: Das Land fördert ein Koordinierungsprojekt mit 500.000 Euro.
Gesundheitsministerin Stefanie Drese bezifferte den wirtschaftlichen Nutzen jedes in betriebliche Gesundheitsförderung investierten Euros auf durchschnittlich 2,70 Euro. Geplant ist unter anderem eine digitale Präventionslandkarte, die Bewegungsförderung, psychische Gesundheit und Gesundheitskompetenz bündelt.
