Kisunla, Schwedische

Kisunla: Schwedische Behörde zweifelt an Wirtschaftlichkeit des Alzheimer-Mittels

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 22:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schwedens TLV sieht bei Kisunla höhere QALY-Kosten als der Hersteller und verweist auf Unsicherheiten bei Langzeitnutzen und Klinikaufwand.

Kisunla-Bewertung in Schweden: Hohe QALY-Kosten und offene Fragen
Ein klinisches Labor mit medizinischen GerÀten und GlasflÀschchen auf einer sauberen EdelstahloberflÀche. Illustration mit AI erstellt.

Die schwedische Behörde fĂŒr zahnĂ€rztliche und pharmazeutische Leistungen, TLV, hat eine gesundheitsökonomische Bewertung fĂŒr das Alzheimer-PrĂ€parat Kisunla mit dem Wirkstoff Donanemab vorgelegt. Die Analyse wurde fĂŒr die schwedischen Regionen erstellt und an das zustĂ€ndige Gremium NT-RĂ„det ĂŒbergeben, wie aus Berichten vom 22. September 2026 hervorgeht.

Das Medikament ist fĂŒr Erwachsene mit leichten kognitiven Störungen sowie leichter Demenz infolge einer frĂŒhen Alzheimer-Erkrankung zugelassen. Die Bewertung verdeutlicht jedoch gravierende Unsicherheiten hinsichtlich der zugrunde liegenden Daten und der langfristigen Wirtschaftlichkeit der Therapie.

Erhebliche Diskrepanz bei den geschÀtzten Behandlungskosten

Ein zentraler Streitpunkt liegt in den berechneten Kosten pro gewonnenem qualitĂ€tsadjustiertem Lebensjahr (QALY). In den Analysen der TLV bewegen sich diese Kosten in einer Spanne zwischen ca. 1,6 und 4,5 Mio. SEK. Hersteller Eli Lilly geht demgegenĂŒber von deutlich geringeren Ausgaben aus und beziffert die Kosten pro QALY auf 670.000 SEK. Diese SchĂ€tzung stuft die TLV jedoch als zu niedrig ein.

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Nach EinschĂ€tzung der Behörde stĂŒtzt sich die Argumentation des Pharmaunternehmens weitgehend auf theoretische Annahmen zu Biomarker-Effekten und weniger auf belastbare klinische Daten.

Martin Moberg, Einheitsleiter bei der TLV, verwies zudem auf erhebliche Unklarheiten bezĂŒglich des Nutzens nach Abschluss einer Behandlung sowie bei den Kosten fĂŒr die Verabreichung im Krankenhaus. Linus Jönsson, Professor fĂŒr Gesundheitsökonomie am Karolinska Institutet, merkte mit Blick auf die Verhandlungen an, dass die Situation nicht völlig aussichtslos sei.

Klinischer Nutzen und offene Fragen zur Langzeitwirkung

Kisunla hatte im September 2025 die Zulassung durch die EuropÀische Arzneimittel-Agentur (EMA) erhalten. Wie bei dem ebenfalls zugelassenen PrÀparat Leqembi handelt es sich um einen monoklonalen Antikörper. Klinische Studien belegen, dass Donanemab Amyloid-beta-Plaques im Gehirn reduziert und das Fortschreiten des kognitiven Verfalls verlangsamt.

Die TLV bescheinigt dem Wirkstoff eine bessere Wirkung als der bisherigen Standardbehandlung im frĂŒhen Krankheitsstadium. Dies gilt zumindest fĂŒr Patientengruppen, die keine oder lediglich eine Kopie der genetischen Risikovariante ApoE ?4 tragen.

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Dennoch bleiben wesentliche Fragen offen. Vorliegende Daten zur anhaltenden Wirkung nach einem Behandlungsende decken bislang lediglich einen Zeitraum von 6–12 Monaten ab. UngeklĂ€rt ist demnach, wie dauerhaft die erzielten Effekte tatsĂ€chlich sind.

Henrik Zetterberg, Professor fĂŒr klinische Neurochemie an der UniversitĂ€t Göteborg und am Sahlgrenska-UniversitĂ€tskrankenhaus, betonte laut einem Bericht vom 21. September 2026 anlĂ€sslich des Welt-Alzheimertags die Chancen einer frĂŒhen Diagnose, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, sofern keine ausgeprĂ€gten GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen vorliegen.

Ein Vorteil von Donanemab bestehe darin, dass das Mittel seltener verabreicht werden mĂŒsse und die Therapie nach einer ausreichenden Entfernung der Amyloid-Ablagerungen beendet werden könne.

VersorgungsrealitÀt und therapeutische Perspektiven

In Schweden leben schÀtzungsweise 100.000 Menschen mit einer Alzheimer-Diagnose. Trotz der Zulassungen gestaltet sich der breite Einsatz neuer Antikörpertherapien schwierig. Bereits im April 2026 hatte NT-RÄdet von einer Anwendung des Antikörpers Leqembi (Lecanemab) abgeraten. Parallel zu den bestehenden Antikörpern wird an weiteren BehandlungsansÀtzen geforscht.

So bildet die Grundlagenforschung der UniversitĂ€t Göteborg die Basis fĂŒr einen aktiven Alzheimer-Impfstoff, der gegenwĂ€rtig von einem Göteborger Unternehmen in klinischen Studien erprobt wird. Die Empfehlung von NT-RĂ„det zu Kisunla steht nach der nun ĂŒbermittelten Bewertung der TLV noch aus.

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