Kliniken-Entlastung, Milliarden

Kliniken-Entlastung: Bis zu 15 Milliarden Euro durch 25 Deregulierungsmaßnahmen

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Beim Krankenhausgipfel wurden weniger Bürokratie und neue Prüfquoten skizziert. Zugleich warnen Kassen vor einer Lockerung verbindlicher Qualitätsstandards.

Krankenhausgipfel: Neue Prüfquoten sollen Kliniken entlasten
Ein heller, moderner Krankenhausflur mit einfallendem Tageslicht und klaren architektonischen Linien. Illustration mit AI erstellt.

Auf dem Krankenhausgipfel der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) in Berlin wurden im September 2026 weitreichende Pläne zur Neugestaltung der administrativen und finanziellen Rahmenbedingungen für deutsche Kliniken vorgestellt.

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) skizzierte dabei Vorhaben, die insbesondere auf einen Abbau bürokratischer Hürden und eine stärkere Vertrauenskultur im Gesundheitswesen abzielen. Im Zentrum steht dabei eine grundlegende Änderung der Prüfquoten für Abrechnungen, die eine Abkehr von der bisherigen, durch das GKV-Stabilisierungsgesetz verschärften Praxis markieren soll.

Neue Prüfquotenregelung und digitaler Bürokratieabbau

Die angekündigte Neuregelung sieht vor, dass Krankenhäuser, die eine hohe Abrechnungsqualität nachweisen, signifikant entlastet werden. Konkret sollen Kliniken, bei denen mindestens 90 % der Rechnungen aus Sicht der Krankenkassen korrekt sind, künftig nur noch einer Prüfquote von 1 % unterliegen.

Minister Linnemann betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit eines Wandels von einer Misstrauens- hin zu einer Vertrauenskultur. Kontrollen durch die Krankenkassen und den Medizinischen Dienst sollen künftig stärker risikoorientiert erfolgen, um die Eigenverantwortung der Einrichtungen zu stärken.

Parallel dazu plant das Bundesgesundheitsministerium die Einführung eines Bürokratierückbaugesetzes, dessen Entwurf noch im Jahr 2026 vorgelegt werden soll. Ein weiterer Baustein dieser Initiative ist ein Forschungsauftrag zur Pflegedokumentation, der unmittelbar erteilt werden soll.

Ziel ist es, die Ergebnisse bereits Anfang 2027 in die Gesetzgebung einfließen zu lassen. Linnemann unterstrich, dass Strukturreformen und Digitalisierung notwendig seien, damit Zeit und Geld dort ankommen, wo die eigentliche Behandlung und Pflege stattfindet.

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Wirtschaftliche Lage und personelle Kapazitäten der Krankenhäuser

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) verdeutlichte auf dem Gipfel den massiven Druck, unter dem die Branche steht. Nach Schätzungen der DKG binden Nachweise, Prüfungen und Dokumentationspflichten derzeit die Arbeitskraft von etwa 176.000 Vollzeitkräften in deutschen Kliniken. DKG-Chef Gerald Gaß forderte daher eine konsequente Deregulierung und eine Orientierung am Behandlungsergebnis statt an kleinteiliger Detailsteuerung.

Um die Kliniken kurzfristig von unnötigen Kosten zu befreien, hat die DKG einen Katalog mit 25 Maßnahmen zur Deregulierung vorgelegt. Diese könnten die Krankenhäuser laut Berechnungen des Verbandes um bis zu 15 Mrd. Euro jährlich entlasten. Die Notwendigkeit dieser Schritte wird auch durch den DKG-Fachkräftemonitor unterstrichen, wonach bis zum Jahr 2035 rund 300.000 Beschäftigte altersbedingt aus dem Krankenhausdienst ausscheiden werden.

Kontroverse Debatte um Qualitätsvorgaben und Strukturvorgaben

Die vorgeschlagenen Erleichterungen stoßen bei den Kostenträgern auf Vorbehalte. Der GKV-Spitzenverband warnte davor, verbindliche Qualitätsvorgaben aufzuweichen. Stefanie Stoff-Ahnis vom GKV-Spitzenverband betonte, dass eine belastbare Bewertung der Ergebnisqualität gerade bei kleinen Fallzahlen statistisch oft nicht möglich sei.

Als Beispiel nannte der Verband den Hüftgelenkersatz, bei dem ein datengestütztes Qualitätssicherungsverfahren im Vorjahr bei etwa 5 % der Kliniken relevante Defizite aufgezeigt habe.

Dr. Carola Reimann vom AOK-Bundesverband verwies zudem auf die WiZen-Studie aus dem Jahr 2022, die höhere Überlebensraten bei Krebserkrankungen in zertifizierten Zentren belege. Dies sei maßgeblich auf verbindliche Prozess- und Strukturvorgaben zurückzuführen.

Zudem wies die AOK darauf hin, dass die Kliniken bereits durch Erlössteigerungen und den Wegfall bestimmter Regelungen, wie der Pflegepersonalregelung 2.0, entlastet würden. Gegenüber dem laufenden Jahr ergebe sich ein Plus von mehr als 8 Mrd. Euro. Die Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Klinikbereich werden für 2027 auf mehr als 120 Mrd. Euro prognostiziert.

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Gesetzliche Maßnahmen zur Notfallversorgung und zum Arbeitsschutz

Neben der Bürokratie steht die Finanzierung der Notfallreform im Fokus. An diese Reform ist die Auszahlung von 550 Mio. Euro an Zusatzmitteln gekoppelt, die ursprünglich in einer Protokollnotiz zum GKV-Stabilisierungsgesetz verankert wurden. Eine Verabschiedung der Reform wird noch für 2026 angestrebt, sodass die Mittel ab Anfang 2027 fließen könnten.

Zudem beabsichtigt das Ministerium, den Schutz von Klinikbeschäftigten vor Gewalt zu verbessern. Ein geplantes Gesundheitssicherstellungsgesetz, das eine Verschärfung des Strafrechts vorsieht, befinde sich laut Linnemann bereits in der finalen Abstimmung.

Ergänzend dazu forderten Vertreterinnen der Pflegeverbände und des Patientenschutzes, Patienten stärker in die Qualitätsbewertung einzubeziehen und digitale Werkzeuge wie die elektronische Patientenakte (ePA) sowie elektronische Medikationspläne flächendeckend zu nutzen.

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