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Klinische Forschung in Indien: 15 Prozent Krankheitslast, nur 4 Prozent Studien

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Indien will mehr klinische Studien und höhere Forschungsausgaben; Europa und Deutschland setzen auf neue Regeln und Investitionen.

Klinische Forschung: Indien baut aus, Europa und Deutschland reagieren
Ein modernes, steriles medizinisches Forschungslabor mit hochwertigen Geräten und Glasfläschchen auf einer sauberen Arbeitsfläche. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich der Premiere des Bharat Life Sciences Award (BLSA) im Vigyan Bhawan betonte der indische Gesundheitsminister Nadda die Notwendigkeit, Innovationen im Bereich der Lebenswissenschaften künftig konsequent patientenzentriert auszurichten. Die von der Industrieorganisation FICCI veranstaltete Premiere der Auszeichnung unterstreicht das Bestreben, medizinische Forschung und Versorgung enger miteinander zu verknüpfen.

Ausbau der Gesundheitsversorgung und klinische Forschung in Indien

In seiner Ansprache verwies Minister Nadda auf das staatliche Programm Ayushman Bharat PM-JAY, das eine jährliche Deckung von 5 Lakh bietet. Dieses System wurde zuletzt auf alle Bürger ab einem Alter von 70 Jahren ausgeweitet, um der demografischen Entwicklung Rechnung zu tragen.

Trotz dieser Fortschritte in der Grundversorgung besteht im Bereich der Forschung erheblicher Nachholbedarf. Pankaj Patel vom Unternehmen Zydus legte dar, dass Indien zwar 15 % der globalen Krankheitslast trage, jedoch lediglich 4 % der weltweiten klinischen Studien im Land durchgeführt würden.

Um diese Lücke zu schließen, strebe die Branche eine Erhöhung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung von derzeit 5 % auf künftig 8 bis 10 % an. Die Premiere des BLSA, für die über 500 Bewerbungen eingingen und die mit einer Förderung von 7 Millionen Rupien (7 crore) dotiert ist, soll hierbei Anreize setzen.

Zu den ersten Preisträgern gehören unter anderem Vamsee Mallajosyula (Ramanujan Arogya Udaan Samman), Pacify Medical Technologies sowie Bharat Serums and Vaccines.

Europa im globalen Wettbewerb um Biotechnologie

Während Indien den Fokus auf den Ausbau der Kapazitäten legt, sieht sich Europa mit einem zunehmenden Rückstand konfrontiert. EU-Kommissar Várhelyi erklärte im Rahmen des informellen EU-Gesundheitsministertreffens Ende September 2026 in Dublin, dass Europa im Wettbewerb um neue Medikamente und wissenschaftliche Exzellenz deutlich hinter die USA und China zurückgefallen sei.

Als zentrale Instrumente zur Stärkung des Standorts nannte er die Medical Device Regulation (MDR) sowie den EU-Biotech-Act. Letzterer sieht öffentliche Investitionen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro vor, die durch 7 Milliarden Euro an privatem Kapital ergänzt werden sollen.

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Indien trägt 15 Prozent der globalen Krankheitslast, führt aber nur 4 Prozent der klinischen Studien durch — und will seine F&E-Ausgaben von 5 auf 8 bis 10 Prozent erhöhen. Während sich Studienkapazitäten nach Asien verschieben, ringt Europa mit MDR und EU-Biotech-Act um Wettbewerbsfähigkeit. Unser kostenloser Report ordnet ein, was das für Studienstandorte in DACH bedeutet. Standort-Report jetzt kostenlos anfordern

In Österreich zeigt sich die Problematik der Wettbewerbsfähigkeit konkret am Rückgang klinischer Forschung. Laut Daten der Fachgesellschaften OeGHO und ABCSG sank die Zahl klinischer Studien zwischen 2021 und 2024 um 28 %. Um die strukturelle Absicherung zu verbessern, ist für den Zeitraum von Oktober 2026 bis Oktober 2027 die Entwicklung einer nationalen onkologischen Studienplattform geplant.

Regulierung und Standortbedingungen in Deutschland

In Deutschland steht die Ausgestaltung der GKV-Reform im Zentrum der industriepolitischen Debatte. Ein Fachgremium unter dem Vorsitz von Michael Vassiliadis legte Empfehlungen für eine sogenannte Standortklausel vor. Demnach soll der Herstellerabschlag ab dem Jahr 2027 zunächst um 8,5 Prozentpunkte auf 15,5 % angehoben werden.

Pharmaunternehmen könnten jedoch Entlastungen erhalten, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu zählt etwa die Verpflichtung, dass mindestens 4 % der Teilnehmer an klinischen Prüfungen der Phasen I bis III in den vorangegangenen drei Jahren in Deutschland ansässig waren.

Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut (Baden-Württemberg) kritisierte in diesem Zusammenhang die geplante Investitionsschwelle von 500 Millionen Euro innerhalb von fünf Jahren. Diese sei für kleine und mittlere Unternehmen kaum erreichbar. Sie forderte daher eine Absenkung dieser Hürde für Unternehmen mit weniger als 750 Beschäftigten sowie eine Gleichstellung von Auftragsforschung mit eigener Forschung und Entwicklung.

Globale Versorgungsinitiativen und Datenökosysteme

Parallel zu nationalen Regulierungen gewinnen globale Verpflichtungen zur Versorgungssicherheit an Bedeutung. Das Unternehmen Lilly kündigte an, bis 2040 in ressourcenarmen Regionen ebenso viele Menschen mit Medikamenten gegen Diabetes und Adipositas zu behandeln wie in Ländern mit hohem Einkommen. Dies ergänzt das Ziel, bis 2030 jährlich 30 Millionen Menschen zu erreichen, wobei im Jahr 2025 bereits rund 40 Millionen Betroffene versorgt werden konnten.

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Österreich verzeichnet zwischen 2021 und 2024 einen Rückgang klinischer Studien um 28 Prozent — und in Deutschland sollen Pharmaunternehmen ab 2027 nur dann beim Herstellerabschlag entlastet werden, wenn ein Mindestanteil der Studienteilnehmer in Deutschland ansässig ist. Wer seine Studienplanung jetzt ausrichtet, verschafft sich einen Vorsprung. Checkliste zur geplanten Standortklausel sichern

Ein entscheidender Faktor für künftige Innovationen bleibt der Zugang zu Gesundheitsdaten. Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit am BfArM verwaltet laut Präsident Broich mittlerweile Daten von rund 74 Millionen gesetzlich Versicherten.

Bis September 2026 wurden dort 109 Datennutzungsanträge registriert, wobei 53 Projekte bereits aktiv im Analyseraum bearbeitet werden. Ziel sei es, medizinische Innovationen schneller und gezielter in die Patientenversorgung zu überführen.

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