Knie-Arthrose: INSPIRE-Studie findet weniger Schmerzen mit 20 g Inulin tÀglich
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 03:35 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine tĂ€gliche Gabe des löslichen Ballaststoffs Inulin kann Beschwerden bei Knie-Arthrose verringern. Zu diesem Ergebnis kommt die sogenannte INSPIRE-Studie der UniversitĂ€t Nottingham, die im Fachjournal Nutrients veröffentlicht wurde. Die randomisierte Untersuchung ĂŒber sechs Wochen untersuchte den Einfluss einer NahrungsergĂ€nzung mit 20 g Inulin tĂ€glich auf Schmerzen und funktionelle Parameter bei Betroffenen im Vergleich zu einer Placebogruppe.
Ergebnisse der INSPIRE-Studie im Detail
An der Untersuchung der UniversitĂ€t Nottingham nahmen 136 randomisierte Probanden teil, von denen 117 ausgewertet wurden. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt circa 67 bis 68 Jahre alt, wiesen einen durchschnittlichen Body-Mass-Index von 29,5 kg/mÂČ auf und bestanden zu 58 Prozent aus Frauen.
Das Studiendesign umfasste vier Gruppen: eine Gabe von 20 g Inulin pro Tag, digitale Physiotherapie, eine Kombination aus beiden MaĂnahmen sowie ein Placebo auf Basis von Maltodextrin.
Auf einer zehnteiligen Skala reduzierte sich der Knieschmerz im Vergleich zur Placebogruppe bei der alleinigen Einnahme von Inulin um 1,11 Punkte. Die digitale Physiotherapie erreichte ein Minus von 1,55 Punkten, wĂ€hrend die Kombination beider AnsĂ€tze zu einer Verringerung um 1,67 Punkte fĂŒhrte.
Zudem erzielten die Probanden der Inulin-Gruppe bei der Griffkraft ein Plus von 4,62 kg im Vergleich zu Placebo und zeigten eine geringere Empfindlichkeit gegenĂŒber Druckschmerz. Dieser spezifische Effekt zeigte sich bei alleiniger Physiotherapie nicht. Bei funktionellen Aufsteh- und Gehtests schnitt die Physiotherapie hingegen besser ab als das BallaststoffprĂ€parat.
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Die Therapietreue unterschied sich deutlich zwischen den AnsĂ€tzen: Die Abbruchquote lag in der Inulin-Gruppe bei 3,6 Prozent, wĂ€hrend sie in der Physiotherapie-Gruppe 21 Prozent betrug. Bei 23 von 50 Teilnehmern der Inulin-Gruppe traten leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Gase und BlĂ€hungen auf, fĂŒhrten jedoch zu keinen StudienabbrĂŒchen.
Mögliche Mechanismen und methodische Grenzen
Hinsichtlich der biologischen Mechanismen beobachteten die Forscher der UniversitÀt Nottingham, dass Inulin die Spiegel von Butyrat sowie GLP-1 erhöhte. Ein höherer Wert des Signalstoffs GLP-1 war dabei mit einer besseren Griffkraft assoziiert. Die Autoren ordnen diese Ergebnisse als explorativ ein; ein Kausalnachweis liegt damit nicht vor, und es handelte sich nicht um ein GLP-1-Medikament.
Zudem betonen die Autoren die Grenzen der Aussagekraft: Die Untersuchung war mit einer Dauer von sechs Wochen kurz angelegt und wies eine kleine Teilnehmerzahl auf. GröĂere Studien seien notwendig.
Das NahrungsergĂ€nzungsmittel könne Bewegung und die medizinische Standardtherapie nicht ersetzen und regeneriere keinen Knorpel. Ăberdies zeigte die Kombination aus Inulin und Physiotherapie nach bestimmten Berichten keinen nachgewiesenen Zusatzeffekt gegenĂŒber den jeweiligen EinzelmaĂnahmen.
Arthroselast und Bedeutung der Ballaststoffzufuhr
Gelenkerkrankungen schrÀnken den Alltag vieler Menschen massiv ein. Nach Angaben der Organisation Arthritis UK leben sechs von zehn Patienten mit Arthrose mit stÀndigen oder fast stÀndigen Schmerzen.
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Die allgemeine Ballaststoffaufnahme bleibt in der Bevölkerung hĂ€ufig hinter den Empfehlungen zurĂŒck. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung empfiehlt einen Richtwert von mindestens 30 g Ballaststoffen pro Tag.
Laut der Nationalen Verzehrsstudie erreichen Erwachsene in Deutschland diesen Wert im Schnitt nicht: Frauen verzehren durchschnittlich 18 g tĂ€glich, MĂ€nner kommen auf 19 g pro Tag. Dabei zeigt eine Auswertung von 64 Beobachtungsstudien mit mehr als 3,5 Millionen Menschen aus dem Jahr 2024 im Fachjournal Clinical Nutrition, dass die höchste Ballaststoffzufuhr mit einem 23 Prozent geringeren Risiko fĂŒr einen frĂŒhen Tod und einem 26 Prozent geringeren Risiko fĂŒr kardiovaskulĂ€ren Tod einherging.
Gleichzeitig weisen ErnĂ€hrungsexperten darauf hin, dass mit Ballaststoffen angereicherte Produkte keinen Ersatz fĂŒr eine ausgewogene ErnĂ€hrung darstellen. Solche Erzeugnisse seien teils hochverarbeitet und enthalten mitunter Zucker oder SĂŒĂstoffe.
Hohe Mengen können zudem kurzfristig BlÀhungen und Beschwerden im Magen-Darm-Trakt hervorrufen. Laut dem Fachportal Keedia liegen die in Studien wirksamen Ballaststoffmengen meist bei 10 bis 20 g tÀglich, wobei Effekte auf das Mikrobiom nach vier bis acht Wochen einsetzen.
GĂ€ngige PrĂ€parate wie Inulin, Flohsamenschalen oder Akazienfaser kosten typischerweise unter 20 Euro pro Monat. Eine Ăbertragbarkeit solcher Effekte auf gesunde Leistungssportler ist laut dem Fachportal bislang nicht belegt.
