Kniearthrose, Gangtraining

Kniearthrose: Gangtraining wirkt so gut wie NSAR und Opioide

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studie zeigt: Gangtraining lindert Kniearthrose-Schmerzen ähnlich gut wie Medikamente. Gentherapie fällt im Test durch, während Colchicin und Grüntee-Extrakt Hoffnung machen.

Kniearthrose: Gangtraining überrascht, Gentherapie enttäuscht
Eine ältere Person bei einer Physiotherapieeinheit in einer modernen Klinik zur Behandlung von Kniegelenkschmerzen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Behandlung von Kniearthrose bleibt ein zweischneidiges Schwert. Während einfache Methoden wie Gangtraining überraschend gut wirken, scheitert eine hochmoderne Gentherapie in der entscheidenden Phase.

Gangtraining schlägt Medikamente?

Eine aktuelle Studie im Fachjournal Lancet Rheumatology zeigt Erstaunliches. Schon das Anpassen des Fußwinkels beim Gehen kann Schmerzen so stark reduzieren wie NSAR oder Opioide. 34 Teilnehmer trainierten ein Jahr lang ihren Gang – und verlangsamten zudem den Knorpelabbau.

Colchicin: Gichtmittel hilft gegen Gelenkersatz

Eine niederländische Untersuchung mit 5.500 Patienten liefert weitere gute Nachrichten. Das Gichtmedikament Colchicin senkt die Zahl der notwendigen Knie- oder Hüftoperationen. In der Placebogruppe brauchten 3,5 Prozent einen Eingriff, in der Colchicin-Gruppe nur 2,5 Prozent. Besonders Männer profitieren von der täglichen Dosis von 0,5 Milligramm.

Grüner Tee als Schmerzmittel?

Auch Ernährungswissenschaftler sehen Potenzial. Der Inhaltsstoff EGCG aus grünem Tee soll Entzündungen bremsen und den Knorpel schützen. Erste Studien zeigen eine Schmerzlinderung nach vierwöchiger Einnahme von Grüntee-Extrakt.

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Gentherapie scheitert an Placebo-Effekt

Doch nicht alles läuft rund. Die Firma Kolon TissueGene gab bekannt, dass ihre Zell- und Gentherapie TG-C in der Phase-3-Studie ACTiVION-II durchgefallen ist. Weder bei Schmerzreduktion noch Gelenkfunktion gab es nach zwölf Monaten signifikante Unterschiede zur Placebogruppe. Das Unternehmen schiebt die Schuld auf eine ungewöhnlich hohe Placebo-Reaktion. Ergebnisse einer Parallelstudie sollen im Oktober folgen.

Rückruf von 370.000 Flaschen

Ein weiterer Rückschlag: Die Firmen Towa Pharmaceutical und Breckenridge Pharmaceutical rufen rund 370.000 Flaschen Duloxetin zurück. Das Antidepressivum wird auch gegen chronische Schmerzen eingesetzt. Grund ist eine Verunreinigung mit dem Krebsrisiko-Stoff N-Nitroso-Duloxetin. Patienten sollen die Medikation nicht eigenmächtig absetzen, sondern ihren Arzt kontaktieren.

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Schneckengift als Schmerzkiller der Zukunft?

Forscher der MedUni Wien verfolgen einen ungewöhnlichen Ansatz. Sie untersuchen das Peptid AoIA aus dem Gift einer Kegelschnecke. Im Mausmodell hemmt es selektiv den Noradrenalin-Transporter und wirkt gegen entzündliche Schmerzen – ohne sedative Effekte oder Opioid-Mechanismen. Bis zur Anwendung am Menschen sind aber noch weitere Studien nötig.

Gericht stärkt Schwerbehinderte mit Arthrose

Das Bundessozialgericht entschied im Juni: Eine Adipositas permagna in Kombination mit weiteren Beeinträchtigungen kann das Merkzeichen G begründen. Im konkreten Fall schaffte der Kläger nur noch 200 bis 300 Meter. Das Gericht betont aber: Es gibt keinen Automatismus, jeder Fall wird einzeln geprüft.

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