Kniearthrose, Hydrogel-Injektion

Kniearthrose: Hydrogel-Injektion lindert Schmerzen laut Studie noch nach fünf Jahren

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Langzeitdaten zu Arthrosamid zeigen anhaltende Verbesserungen; Zelltherapien und weitere Verfahren werden klinisch untersucht.
Ein steriler, modern eingerichteter Behandlungsraum in einer orthopädischen Klinik mit sanftem, hellem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Weltweit suchen Mediziner nach Wegen, den fortschreitenden Gelenkverschleiß aufzuhalten oder Betroffenen operative Eingriffe zu ersparen. Internationale Expertengruppen und Orthopäden diskutieren neue Behandlungsstrategien bei Kniearthrose, darunter vor allem Hydrogel-Injektionen zur langfristigen Schmerzlinderung.

Der Handlungsdruck wächst: Ein im Oktober 2026 in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichter Bericht beziffert die weltweite Zahl der Betroffenen auf 600 Millionen Menschen und prognostiziert einen Anstieg auf eine Milliarde bis zum Jahr 2050. Allein in Deutschland leiden rund zwei Millionen Menschen unter täglichen Schmerzen durch Arthrose. Während im Jahr 2024 hierzulande rund 250.000 künstliche Kniegelenke eingesetzt wurden, rücken nun minimalinvasive Optionen verstärkt in den Fokus.

Dauerhafte Dämpfung durch Polyacrylamid-Hydrogele

Zu den viel diskutierten Ansätzen gehört das Präparat Arthrosamid, das aus 2,5 Prozent vernetztem Polyacrylamid-Hydrogel und 97,5 Prozent Wasser besteht. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hyaluronsäure-Präparaten wird dieses Gel im Gelenk nicht abgebaut, sondern integriert sich dauerhaft in das Gewebe der Gelenkinnenhaut.

Ergebnisse einer aktuellen Studie weisen darauf hin, dass Schmerzen und Beweglichkeit noch fünf Jahre nach einer einzigen Injektion gebessert blieben, wenngleich die Patientenzahlen in den Langzeitbeobachtungen bislang überschaubar sind.

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Aus der Praxis liegen Erfahrungen mit rund 200 behandelten Patienten vor; das Infektionsrisiko liegt bei korrekter steriler Applikation bei etwa 1 zu 50.000. Das Verfahren kommt für moderate bis fortgeschrittene symptomatische Kniearthrosen infrage, wenn konservative Maßnahmen erschöpft sind und eine Operation vermieden werden soll.

Allerdings baut das Gel verloren gegangenen Knorpel nicht wieder auf und ist bei akuten Gelenkinfektionen sowie ausgeprägten Fehlstellungen oder Instabilitäten ungeeignet.

Zelltherapien und Hydrogel-Träger in der klinischen Prüfung

Über rein mechanisch wirkende Gele hinaus verbinden mehrere biopharmazeutische Entwicklungen Hydrogele mit regenerativen Wirkstoffen:

  • Anterogen: Das Unternehmen beantragte bei der südkoreanischen Zulassungsbehörde eine Phase-2-Studie für das Prüfpräparat ANT-301. Dabei handelt es sich um allogene adipose mesenchymale Stammzellen in einem Hydrogel-Scaffold von etwa einem Millimeter Größe. Eine vorangegangene offene Phase-1-Studie an sechs Patienten ergab einen Rückgang der Schmerzskala (VAS) um 55,3 Prozent sowie Funktionsverbesserungen.
  • Kangstem Biotech: Das Unternehmen legte den finalen Studienbericht seiner 24-wöchigen Phase-1/2a-Studie zu FURESTEM-OA Kit Inj. mit 113 Patienten vor. Bei den Schmerzwerten (KOOS-Pain) erzielten die mittlere Dosis (Anstieg um 26,88) und die hohe Dosis (26,67) statistisch signifikante Verbesserungen gegenüber Placebo (6,94). Unerwünschte Ereignisse traten bei 48,67 Prozent der Probanden auf, schwerwiegende Reaktionen blieben jedoch aus.
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Parallel dazu erforscht das südkoreanische Unternehmen ICM die Gentherapie ICM-203, die über einen AAV-Vektor das Nkx3.2-D2-Gen direkt in den Gelenkraum einbringt. In einer australischen Phase-1/2a-Studie mit zwölf Patienten zeigten sich erste Signale für funktionelle und strukturelle Verbesserungen im MRT.

Ergänzende Verfahren und Forschungsinitiativen

Neben Injektionen gewinnen weitere interventionelle Ansätze an Bedeutung. Bei der genikulären Arterienembolisation (GAE) werden überschüssige Blutgefäße im Knie vorübergehend mit rasch resorbierbaren Gelatine-Mikropartikeln verschlossen, was Entzündungsreize verringern soll.

An der Beta Klinik Bonn wird zudem die Kniedistraktion mittels Fixateur mit einer Übertragung von Eigenfett kombiniert; rund die Hälfte der Patienten mit fortgeschrittener Arthrose besaß dort auch zehn Jahre nach dem Eingriff noch das eigene Gelenk.

Groß angelegte Forschungsprogramme, wie die von US-Gesundheitsbehörden finanzierte Initiative NITRO, untersuchen parallel dazu intelligente Zellsysteme und biologisch abbaubare Implantate, um Knorpeldefekte künftig gezielter zu regenerieren.

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