Kniearthrose, Individuelles

Kniearthrose: Individuelles Gangtraining lindert Schmerzen bei 91 Prozent

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Einjähriges Biofeedback-Training verringerte Beschwerden stärker als ein Scheintraining, reparierte den Knorpel jedoch nicht.
Ein heller, leerer Therapieraum mit Holzboden und einfallendem Tageslicht in einer medizinischen Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Die gezielte Anpassung des Gangbildes rückt zunehmend in den Fokus der konservativen Therapie bei Kniegelenkarthrose. Wie ein US-Forscherteam in einer randomisierten, placebokontrollierten Untersuchung über ein Jahr zeigte, kann eine individuell abgestimmte Gangschulung Beschwerden bei Patienten mit medialer Kniegelenkarthrose messbar lindern. Im Rahmen der Untersuchung wurden 68 Patienten mit leichter bis mittelschwerer Ausprägung der Erkrankung begleitet.

Klinische Resultate des Biofeedback-Trainings

In der US-Studie ermittelten die Wissenschaftler die optimale Fußrotation von 5° oder 10° nach innen oder nach außen individuell über ein Sensorenlaufband. Dieser Ansatz wurde mit einem Scheintraining verglichen. Die Teilnehmer beider Gruppen absolvierten über sechs Wochen ein wöchentliches Biofeedback-Training und führten zudem täglich mindestens 20 Minuten Übung durch.

Nach einem Jahr zeigte sich in der Interventionsgruppe eine Schmerzverbesserung von 2,5 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10, während die Kontrollgruppe einen Rückgang um 1,3 Punkte verzeichnete.

Einen klinisch bedeutsamen Grad der Schmerzlinderung erreichten 91 % der Patienten in der Interventionsgruppe, verglichen mit etwa 66 % in der Kontrollgruppe. Bei der Knorpelgesundheit im medialen Bereich wies die Interventionsgruppe anhand des T1rho-Werts zudem eine langsamere Verschlechterung auf.

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Gleichzeitig verweist die Untersuchung auf klare Grenzen des Verfahrens. Eine Knorpelreparatur konnte nicht nachgewiesen werden, und das Fortschreiten der Erkrankung ließ sich durch das Training nicht stoppen. Fachleute betonen zudem die Notwendigkeit exakt bestimmter Winkel, da eine biomechanisch unpassende Fußrotation die Gelenkbelastung im Knie sogar verstärken kann.

Biomechanische Wirkmechanismen und Evidenzlage

Ergänzende biomechanische Analysen liefern differenzierte Einblicke in die Kräfteverteilung während der Bewegung. Eine Meta-Analyse über 16 Studien stellte fest, dass ein nach innen gerichtetes Gehen bei Gesunden den vorderen Peak des Knie-Adduktionsmoments sowie das Kraftintegral senkte, während ein nach außen gerichtetes Gehen den hinteren Peak reduzierte.

Bei Patienten mit Kniearthrose, von denen über 85 % einen Kellgren-Lawrence-Grad von II bis IV aufwiesen, verringerte das nach außen gerichtete Gehen den hinteren Peak mit einer standardisierten Mittelwertdifferenz von -0,53 (95%-Konfidenzintervall -0,75 bis -0,31) und das Kraftintegral um -0,26 (95%-Konfidenzintervall -0,49 bis -0,03). Eine Innenrotation der Füße zeigte bei Arthrose-Patienten in dieser Auswertung hingegen keinen messbaren Entlastungseffekt.

Eine zweite Meta-Analyse, die 17 Studien und 362 Erwachsene mit medialer Kniearthrose erfasste, kam zu ähnlichen Ergebnissen bezüglich der Kraftspitzen: Das Gehen nach außen senkte den hinteren Peak mit einer Effektstärke von -0,42 (95%-Konfidenzintervall -0,73 bis -0,11), blieb jedoch ohne Effekt auf den vorderen Peak.

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Ein nach innen gerichtetes Gangmuster reduzierte zwar den vorderen Peak um -0,51, führte aber zu einem Anstieg des hinteren Peaks um +0,44. Die Evidenzsicherheit für diese Parameter wurde von den Autoren als sehr niedrig bis niedrig eingestuft.

Abweichungen zwischen Biomechanik und Alltagswirkung

Dass eine rein biomechanische Entlastung nicht zwangsläufig zu spürbaren Vorteilen im Alltag führt, unterstreicht eine weitere randomisierte kontrollierte Studie mit 79 Patienten über einen Zeitraum von vier Monaten. Darin wurde ein zusätzliches Gangtraining mit einer Fußaußenrotation von 15° über dem gewohnten Winkel mit einer bloßen Steigerung der Gehaktivität verglichen.

Zwar ergab sich beim hinteren Knie-Adduktionsmoment ein signifikanter Gruppenunterschied von -0,26 %BW*ht (95%-Konfidenzintervall -0,39 bis -0,12), bezüglich Schmerzintensität, Gelenkfunktion und der Bewältigung von Treppenstufen traten zwischen den beiden Gruppen jedoch keine Unterschiede auf.

Die Daten verdeutlichen, dass biomechanische Anpassungen präzise auf den Einzelfall zugeschnitten sein müssen, um über reine Kraftmessungen hinaus therapeutische Relevanz zu entfalten.

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