Kniearthrose, Meta-Analyse

Kniearthrose: Meta-Analyse findet keine konsistenten Strukturvorteile durch PRP

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwölf Studien zeigen uneinheitliche Gewebeeffekte; die Evidenz für einen krankheitsverändernden Nutzen bleibt schwach.
Ein steriler, leerer Untersuchungsraum in einer orthopädischen Praxis mit einer weißen Behandlungsliege. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung von Kniegelenksarthrose mit plättchenreichem Plasma (PRP) wird in der orthopädischen Praxis seit Jahren diskutiert. Eine im Fachjournal Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery veröffentlichte Meta-Analyse unter der Leitung von Eric Pasqualotto liefert nun eine differenzierte Auswertung der bisherigen Studienlage.

Die Untersuchung zeigt, dass PRP keine konsistenten strukturellen Vorteile bietet und keine klare Evidenz für eine strukturell krankheitsmodifizierende Wirkung bei Kniearthrose vorliegt, wie ein Fachbericht vom 28. Oktober 2026 zusammenfasst.

Für die Meta-Analyse werteten die Forschenden zwölf randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1.200 Patientinnen und Patienten aus, die an Kniearthrose litten. Von diesen Probanden erhielten 572 Personen (47,7 %) eine PRP-Behandlung. Das mittlere Alter der Teilnehmenden lag bei 59,4 Jahren.

Inkonsistente Ergebnisse bei bildgebenden strukturellen Endpunkten

Die Auswertung der bildgebenden Verfahren ergab insgesamt nur begrenzte und ungleiche Effekte auf strukturelle Gewebeveränderungen im Kniegelenk. Zwar zeigte sich beim patellofemoralen Knorpel ein positiver Effekt mit einer standardisierten Mittelwertdifferenz (SMD) von 0,94 (95 %-KI 0,53–1,34; p<0,01; I2=0 %) und auch beim Knochenmarködem fiel das Ergebnis mit einer SMD von ?0,40 (95 %-KI ?0,71 bis ?0,09; p=0,01) statistisch positiv aus. Bei der Synovitis ergab sich zudem eine SMD von ?0,22 (95 %-KI ?0,43 bis 0,00; p=0,05).

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Demgegenüber standen jedoch zahlreiche Parameter, bei denen sich kein statistisch signifikanter Nutzen nachweisen ließ. Beim medialen Tibiaknorpel lag die SMD bei 0,47 (95 %-KI ?0,57 bis 1,52; p=0,37; I2=92 %). Auf das Fortschreiten von Knorpeldefekten hatte die Behandlung keinen messbaren Einfluss, was ein relatives Risiko (RR) von 1,06 (95 %-KI 0,47–2,38; p=0,89) belegt.

Ebenso blieb der Effekt auf Osteophyten nach dem WORMS-Score mit einer mittleren Differenz (MD) von ?0,11 (95 %-KI ?0,70 bis 0,47; p=0,70) bedeutungslos. Auch bei subchondralen Zysten im WORMS-Score zeigte sich mit einer MD von ?0,64 (95 %-KI ?2,15 bis 0,88; p=0,41) kein signifikanter Unterschied.

Eingeschränkte Evidenzqualität und Leitlinienempfehlungen

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Neben den uneinheitlichen Daten im MRT und Röntgen bewerteten die Autoren auch die Qualität der zugrundeliegenden Nachweise nach dem standardisierten GRADE-System. Diese methodische Überprüfung ergab für fünf der untersuchten Zielgrößen eine niedrige Qualität und für zwei weitere Endpunkte sogar eine sehr niedrige Qualität.

Die Befunde decken sich mit den Positionen internationaler Fachgesellschaften. Sowohl das American College of Rheumatology (ACR) als auch die Osteoarthritis Research Society International (OARSI) sprechen sich in ihren Leitlinien gegen den Routinegebrauch von PRP bei Kniearthrose aus. Die Analyse bestätigt, dass belastbare Nachweise für einen krankheitsverzögernden oder knorpelaufbauenden Effekt im Kniegelenk weiterhin fehlen.

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