Knochen, Gehirn

Knochen und Gehirn: 0,1 g/ cm³ weniger geht mit 12,8 Prozent mehr Hirnveränderungen einher

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 10:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeituntersuchung verknüpft niedrigere Wirbelknochendichte mit stärkerem kognitivem Rückgang, belegt jedoch keine direkte Ursache.
Nahaufnahme einer porösen Knochenstruktur unter einem Mikroskop zur Veranschaulichung der Knochenmineraldichte. Illustration mit AI erstellt.

Eine Untersuchung der Johns Hopkins University in Baltimore liefert neue Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen dem Skelettsystem und der Gehirngesundheit im Alter.

Laut einer im Fachjournal Radiology veröffentlichten Auswertung von Daten der sogenannten MESA-Kohorte aus den Jahren 2016 bis 2024 geht eine verringerte Knochenmineraldichte der Brustwirbelsäule mit einem beschleunigten kognitiven Verfall einher.

Für die Erhebung wurden Daten von 715 Personen im Alter zwischen 60 und 95 Jahren herangezogen, deren Knochendichte mithilfe künstlicher Intelligenz aus kontrastmittelfreien Thorax-Computertomografien ermittelt worden war.

Kognitiver Verlauf und Veränderungen der weißen Substanz

Die untersuchten 715 älteren Erwachsenen wiesen zu Beginn ein Durchschnittsalter von rund 69 Jahren auf und hatten keine Vorgeschichte von Schlaganfällen oder Demenzerkrankungen. Kognitive Tests sowie Magnetresonanztomografien (MRT) erfolgten an zwei Messzeitpunkten im Abstand von etwa fünf Jahren.

Bei 639 Probanden zeigte sich über die rund fünfjährige Beobachtungszeit hinweg ein messbar schnellerer kognitiver Abbau bei Personen mit geringerer Knochendichte. Dieser Zusammenhang blieb auch nach statistischer Bereinigung um Einflussfaktoren wie Alter, körperliche Bewegung und Diabetes bestehen.

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Noch deutlichere Muster ergaben sich bei 408 Teilnehmenden, bei denen MRT-Verlaufskontrollen vorlagen: Pro 0,1 g/cm³ geringerer Knochendichte fiel der jährliche relative Anstieg von White-Matter-Hyperintensitäten im Corpus callosum um 12,8 Prozent höher aus. Zudem zeigte sich eine schnellere Verschlechterung der Gesamtkognition.

Bei vorliegendem Diabetes lag die Zunahme der Hyperintensitäten in einer ergänzenden Auswertung um rund 5 Prozent höher, was auf eine stärkere Verbindung zwischen Knochenabbau und Schädigungen der weißen Substanz bei stoffwechselerkrankten Personen hindeutet.

KI-gestützte Bildauswertung und neuronale Leitungsbahnen

Die Knochenmineraldichte wurde über einen Deep-Learning-Algorithmus aus Aufnahmen von mehr als 2.000 Teilnehmenden der MESA-Studie automatisiert erfasst. Dabei zeigte sich, dass eine niedrigere Knochendichte zu Beginn nicht nur mit einem beschleunigten kognitiven Leistungsverlust, sondern auch mit einem stärkeren Rückgang der fraktionalen Anisotropie in der vorderen Capsula interna einherging.

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Der Radiologe Shadpour Demehri ordnete die Ergebnisse als die erste longitudinale Sekundäranalyse ein, die einen direkten Zusammenhang zwischen der anfänglichen Knochendichte und dem späteren Auftreten von White-Matter-Hyperintensitäten aufzeigt.

Gemeinsame Risikofaktoren statt direkter Kausalität

Das Forschungsteam betont, dass die Daten keinen Nachweis für ein direktes Ursache-Wirkungs-Verhältnis liefern. Zudem wurde im Rahmen der Studie nicht untersucht, ob die beobachteten Veränderungen tatsächlich zum Neuauftreten von Demenzerkrankungen führten.

Stattdessen verweisen die Autoren auf gemeinsame systemische Treiber, die beide Abbauprozesse parallel begünstigen könnten. Als mögliche gemeinsame Faktoren gelten chronische Entzündungsprozesse, Stoffwechselstörungen wie Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie), mangelnde körperliche Bewegung sowie hormonelle Umstellungen während der Menopause.

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