Knochendichte, Gehirn

Knochendichte und Gehirn: Studie zeigt Zusammenhang mit kognitivem Abbau

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Johns-Hopkins-Studie verbindet geringere Wirbelknochendichte mit schnellerem Kognitionsverlust und Veränderungen der weißen Hirnsubstanz.

Studie verknüpft Wirbelknochendichte mit geistigem Abbau
Detailaufnahme der porösen Struktur eines Wirbelknochens in Schwarz-Weiß-Optik. Illustration mit AI erstellt.

Eine im Fachjournal Radiology veröffentlichte Studie eines Teams der Johns Hopkins University bringt zwei auf den ersten Blick unabhängige Alterserscheinungen zusammen: den Verlust an Knochendichte und den kognitiven Abbau.

Wie ein Bericht von eurekalert.org festhielt, fanden die Forschenden einen Zusammenhang zwischen geringerer Knochendichte der Wirbelsäule und einem schnelleren geistigen Abbau sowie einer beschleunigten altersbedingten Schädigung der weißen Hirnsubstanz.

Datengrundlage aus der MESA-Kohorte

Die Analyse stützt sich auf Daten der sogenannten MESA-Studie. Ursprünglich wurden 2.086 Teilnehmende per Thorax-CT untersucht, aus denen eine finale Kohorte von 715 Personen gebildet wurde, für die sowohl Werte zur volumetrischen Knochendichte (vBMD) als auch MRT-Aufnahmen und Kognitionstests vorlagen.

Für Longitudinaldaten standen 408 Teilnehmende zur Auswertung der weißen Hirnsubstanz (WMH) und 405 für die sogenannte fraktionale Anisotropie (FA) zur Verfügung, wie eurekalert.org berichtete.

Laut earth.com wurden insgesamt 2.167 ältere Erwachsene aus MESA per Thorax-CT untersucht, mit einem Medianalter von 69 Jahren in der finalen Gruppe von 715 Personen; Teilnehmende mit Demenz- oder Schlaganfalldiagnose waren ausgeschlossen. Die Beobachtung erstreckte sich über rund fünf Jahre.

Konkrete Befunde zu Kognition und weißer Substanz

Den Ergebnissen zufolge war eine geringere vBMD mit einem schnelleren Rückgang der globalen Kognition verbunden, mit einer Zunahme von Läsionen der weißen Substanz (WMH) im Corpus callosum sowie mit einem stärkeren Rückgang der fraktionalen Anisotropie im vorderen Schenkel der Capsula interna.

Anzeige

Wer sich mit dem Erhalt seiner geistigen Leistungsfähigkeit befasst, findet in diesem Ratgeber 11 praktische Alltagsübungen, um das Gehirn fit zu halten und Demenz aktiv vorzubeugen. Kostenlosen Gehirntraining-Ratgeber jetzt herunterladen

Laut earth.com sank der globale Kognitionswert pro 0,1 g/cm³ geringerer Knochendichte zusätzlich um 0,025 Standardabweichungen jährlich, was sich über den gesamten Beobachtungszeitraum von etwa fünf Jahren auf rund 0,15 Standardabweichungen summierte.

Im Corpus callosum nahmen die WMH-Läsionen pro 0,1 g/cm³ geringerer Knochendichte um 12,8 Prozent schneller pro Jahr zu. Bemerkenswert ist dabei ein Unterschied nach Diabetesstatus: Bei Teilnehmenden mit Diabetes lag die zusätzliche jährlich WMH-Zunahme bei 4,99 Prozent, während sie bei Teilnehmenden ohne Diabetes praktisch bei 0,04 Prozent verharrte.

Keine Kausalität, aber gemeinsame Treiber vermutet

Das Forschungsteam um Dr. Sara Momtazmanesh betonte laut einem Bericht von larazon.es, dass die Studie keinen Kausalitätsnachweis liefert. Vermutet werden stattdessen gemeinsame metabolische Treiber, die sowohl Knochen- als auch Hirngesundheit beeinflussen könnten, etwa Insulinresistenz, Dyslipidämie oder Veränderungen im Zuge der Menopause.

Anzeige

Da metabolische Faktoren und Vitalstoffwerte eine zentrale Rolle für die langfristige Gesundheit spielen, hilft dieser Report dabei, die eigenen Laborwerte besser zu verstehen und Defizite frühzeitig zu erkennen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier anfordern

Für die Berechnung der Wirbelknochendichte kam laut nautil.us ein Deep-Learning-Algorithmus zum Einsatz, der die Werte aus Thorax-CTs von über 2.000 Patienten ableitete. Damit ergibt sich die Perspektive, ohnehin durchgeführte Routine-CTs künftig als eine Art Frühwarnsystem für kognitive Risiken zu nutzen. Ein Bericht von carbonchemist.com dämpfte allerdings die Erwartungen: Eine Anwendung in der medizinischen Routine sei noch nicht in Sicht.

Einordnung: Supplemente offenbar kein Allheilmittel

Parallel zu diesen Erkenntnissen zur Knochen-Hirn-Verbindung liefert eine Auswertung, die sich auf Daten von über 153.000 Erwachsenen stützt, Hinweise darauf, dass Calcium- und Vitamin-D-Präparate – einzeln oder kombiniert eingenommen – bei der Mehrheit gesunder älterer Menschen keine nennenswerte Wirkung auf die Reduktion von Frakturen oder Stürzen zeigen.

Die Autoren der Review empfehlen stattdessen Gleichgewichts- und Krafttraining sowie Anpassungen im Wohnumfeld als wirksamere Maßnahmen. Ausgenommen seien Subgruppen wie Personen mit schwerem Vitamin-D-Mangel oder diagnostizierter Osteoporose, für die die Studienlage nicht abschließend sei und die individuelle ärztliche Abklärung benötigten.

Zudem verwiesen die Autoren auf mögliche Risiken hoher Dosierungen, darunter Nierensteine, Hyperkalzämie und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Beide Forschungsstränge deuten in eine ähnliche Richtung: Knochengesundheit im Alter lässt sich offenbar nicht isoliert betrachten, sondern steht in einem komplexeren Zusammenhang mit Stoffwechsel und Gehirn, dessen einzelne Bausteine erst allmählich sichtbar werden.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70160917 |