Knochenschutz: Krafttraining schlÀgt Calcium- und Vitamin-D-Pillen
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine groĂe Ăbersichtsarbeit im Fachjournal The BMJ stellt den Nutzen von Calcium- und Vitamin-D-PrĂ€paraten zur Vorbeugung von KnochenbrĂŒchen und StĂŒrzen infrage. Ein kanadisches Forschungsteam wertete fĂŒr die Analyse 69 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt rund 154.000 Erwachsenen aus.
Das Ergebnis: Die gÀngigen PrÀparate bieten insgesamt wenig bis keinen klinisch bedeutsamen Schutz. Begleitend zur Studie fordert ein Editorial in derselben Ausgabe, den Fokus stattdessen auf Gleichgewichts- und Krafttraining zu legen.
Differenzierte Ergebnisse je nach PrÀparat
Die Auswertung unterscheidet zwischen den einzelnen Supplementierungsformen. FĂŒr Calcium allein stĂŒtzten sich die Forscher auf elf Studien mit 9.067 Teilnehmern und stuften die Evidenzsicherheit als moderat ein â ein nennenswerter Effekt auf Frakturen lieĂ sich nicht nachweisen.
FĂŒr Vitamin D allein lag mit 36 Studien und 92.045 Teilnehmern eine hohe Evidenzsicherheit vor, auch hier ohne bedeutsamen Nutzen. Die Kombination aus Calcium und Vitamin D wurde in 15 Studien mit 51.126 Teilnehmern ebenfalls mit hoher Evidenzsicherheit untersucht â auch sie zeigte insgesamt wenig bis keinen bedeutsamen Effekt auf Frakturen und StĂŒrze.
Ein Detail relativiert dieses Bild etwas: FĂŒr die Kombination aus Calcium und Vitamin D ergab sich ein um 16 Prozent geringeres relatives Risiko fĂŒr HĂŒftfrakturen, was absolut etwa drei weniger HĂŒftfrakturen je 1.000 behandelte Menschen beziehungsweise eine absolute Risikoreduktion von rund 0,3 Prozentpunkten bedeutet.
FĂŒr BrĂŒche jeglicher Art zeigte sich ein Schutz von 9 Prozent. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass dieser Vorteil wesentlich von einer einzelnen Studie mit besonders gefĂ€hrdeten Ă€lteren Frauen abhing â ein Hinweis darauf, dass sich der Effekt kaum verallgemeinern lĂ€sst.
Editorial rÀt zu Training statt Tabletten
Der eigentliche Fokus der neuen Debatte liegt auf dem begleitenden Editorial des BMJ. Es empfiehlt, statt auf NahrungsergĂ€nzung stĂ€rker auf Gleichgewichts- und Krafttraining zu setzen, um StĂŒrzen und den daraus resultierenden BrĂŒchen vorzubeugen.
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Der Hinweis hat Gewicht: Fast jeder dritte Erwachsene ab 65 Jahren stĂŒrzt der Ăbersicht zufolge jĂ€hrlich mindestens einmal. Bewegungstraining setzt damit an einer der zentralen Ursachen von Frakturen im Alter an, wĂ€hrend Supplemente laut der Analyse offenbar nicht den erhofften Schutz bieten.
Die Studienautoren ziehen daraus ein klares Fazit: Die Evidenz stĂŒtze keine routinemĂ€Ăige Supplementierung mit Calcium oder Vitamin D zur PrĂ€vention von Frakturen und StĂŒrzen. Leitlinien und Zulassungsbehörden sollten ihre bestehenden Empfehlungen entsprechend ĂŒberprĂŒfen.
Zugleich betonen die Forscher, dass ihre Schlussfolgerungen nicht bedeuten, Vitamin D und Calcium spielten grundsĂ€tzlich keine Rolle im Organismus â in bestimmten medizinischen Situationen könne eine Supplementierung weiterhin angezeigt sein, etwa bei Erkrankungen der Knochen oder in Kombination mit Osteoporosemedikamenten.
Einordnung durch die Fachwelt
Die Osteoporose-Expertin Dr. Friederike Thomasius verweist in diesem Zusammenhang auf die geltende Osteoporose-Leitlinie, die eine Kombination aus Calcium und Vitamin D empfiehlt, sofern eine Supplementierung medizinisch erforderlich ist. Calcium oder Vitamin D allein verabreicht, hĂ€tten demnach ohnehin keinen belegten Schutzeffekt â ein Punkt, der sich mit den Ergebnissen der neuen Ăbersichtsarbeit deckt.
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FĂŒr die breite, gesunde Bevölkerung liefert die Analyse damit ein differenziertes Bild: Die pauschale Einnahme von Calcium- oder Vitamin-D-PrĂ€paraten zur Sturz- und FrakturprĂ€vention lĂ€sst sich wissenschaftlich kaum mehr rechtfertigen. Wer sein Frakturrisiko im Alter senken möchte, findet in gezieltem Kraft- und Gleichgewichtstraining laut der aktuellen Fachdiskussion einen vielversprechenderen Ansatzpunkt als in der NahrungsergĂ€nzung.
