Koffein bei Kindern: Studie findet Auffälligkeiten in 22 Hirnregionen
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 15:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer regelmäßige Konsum koffeinhaltiger Getränke steht bei Kindern im Grundschul- und frühen Jugendalter im Zusammenhang mit messbaren strukturellen Besonderheiten des Gehirns. Das zeigt eine Untersuchung des King's College London, die auf Daten der US-amerikanischen Langzeitstudie ABCD (Adolescent Brain Cognitive Development) basiert.
Die Forschenden analysierten die Datensätze von 9.632 Kindern im Alter von 9 bis 11 Jahren und stellten fest, dass Koffeinkonsum mit einer geringeren kortikalen Gesamtoberfläche in 22 Regionen über alle vier Hirnlappen hinweg assoziiert ist.
Dieser Effekt zeigte sich unabhängig von sozioökonomischen Faktoren und trat bereits bei einem Schwellenwert von rund 90 mg Koffein pro Woche auf, was etwa dem Konsum von einem koffeinhaltigen Getränk wöchentlich entspricht. Als primäre Koffeinquelle machten die Wissenschaftler Softdrinks aus.
Strukturelle Auffälligkeiten im MRT und Schlafmangel
In den Magnetresonanztomografien (MRT) der beteiligten Kinder beobachteten die Forschenden des Institute of Psychiatry, Psychology & Neuroscience (IoPPN) am King's College London signifikante Unterschiede in der Gehirnstruktur.
Während Softdrinks insbesondere mit einer verringerten kortikalen Oberfläche in 22 Arealen korrelierten, ging der Konsum von Kaffee oder Espresso mit einer geringeren kortikalen Dicke einher. Bei Kaffee zeigte sich dabei jedoch kein statistischer Zusammenhang mit verkürzten Schlafzeiten.
Ganz anders stellte sich das Bild bei Softdrinks dar: Ein höherer Konsum dieser Getränke war zugleich mit weniger Schlaf verbunden. In der in der Fachzeitschrift Biological Psychiatry Cognitive Neuroscience and Neuroimaging veröffentlichten Untersuchung äußerten die Forschenden die Vermutung, dass Schlafmangel ein wesentlicher Erklärungsansatz für die beobachteten Hirnveränderungen sein könnte. Laut anderen im Kontext herangezogenen Erhebungen trinken bereits fast zwei Drittel der Teenager wöchentlich koffeinhaltige Getränke.
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Psychische Symptome und methodische Grenzen
Die Auswertung der Verlaufsdaten verdeutlichte zudem Zusammenhänge mit dem Verhalten der Kinder. Nach einem Zeitraum von sechs Monaten waren weniger Schlaf sowie eine geringere kortikale Oberfläche teilweise mit psychischen Symptomen verknüpft, die sich auf Aufmerksamkeit, Stimmung und Verhalten bezogen.
Bei einer Nachbeobachtung nach 18 Monaten bestand der Zusammenhang mit den Verhaltensauffälligkeiten hingegen nur noch für die verringerte kortikale Gesamtoberfläche fort.
Trotz der deutlichen Befunde betonen die Forschenden die methodischen Grenzen der Untersuchung: Eine direkte Kausalität lässt sich aus den Beobachtungsdaten nicht ableiten. Zudem konnte der potenzielle Effekt von beigemischtem Zucker nicht isoliert vom Koffein analysiert werden. Ebenso wenig lagen exakte Aufzeichnungen über die genaue Koffeinmenge oder die Tageszeit des Konsums vor.
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Steigender Konsum und Richtwerte im internationalen Vergleich
Die gesundheitliche Bewertung von Koffein bei Heranwachsenden beschäftigt Fachbehörden weltweit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stuft eine tägliche Zufuhr von bis zu 3 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht als akzeptabel ein. Bei einem Kind mit einem Körpergewicht von 33 kg entspricht dies rund 100 mg Koffein pro Tag.
Gleichzeitig verzeichnen Untersuchungen eine zunehmende Verbreitung: Laut dem Präventionsradar von DAK-Gesundheit und IFT-Nord haben im Schuljahr 2025/26 bereits 46 Prozent der unter 13-Jährigen und 72 Prozent der 13- bis 15-Jährigen koffeinhaltige Produkte probiert – im Schuljahr 2020/21 lagen diese Werte noch bei 30 Prozent beziehungsweise 60 Prozent.
Ein Drittel der Jugendlichen greift demnach mindestens einmal im Monat zu Energydrinks, wobei eine handelsübliche 500-ml-Dose oft rund 160 mg Koffein enthält.
Auch internationale Erhebungen spiegeln diesen Trend wider. Eine Untersuchung des finnischen Instituts für Gesundheit und Wohlfahrt (THL) ergab, dass 67 Prozent der 12- bis 20-Jährigen zumindest gelegentlich Energydrinks konsumieren. 42 Prozent trinken diese mindestens einmal wöchentlich, 15 Prozent an drei bis fünf Tagen und 6 Prozent täglich oder fast täglich.
Da Energydrinks auf heranwachsende Gehirne intensiver wirken als auf Erwachsene und zudem Zahnschmelzschäden begünstigen, befürwortet die finnische Behörde ein Verkaufsverbot an Personen unter 18 Jahren.
In Südkorea legte das Ministerium für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (MFDS) Richtwerte von 2,5 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht für Kinder und Jugendliche fest (125 mg bei 50 kg, 150 mg bei 60 kg und 175 mg bei 70 kg), während für Erwachsene 400 mg und Schwangere 300 mg gelten. Im Oktober zählte die Behörde dort 104 hochkoffeinhaltige Produkte für junge Konsumenten, darunter 75 kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke.
Der Anteil der südkoreanischen Jugendlichen, die mindestens dreimal wöchentlich Energydrinks konsumieren, kletterte von 12,2 Prozent im Jahr 2019 auf 21,5 Prozent im Vorjahr; in der zwölften Schulstufe lag er bei 33 Prozent. Zudem gaben 11,2 Prozent der Jugendlichen an, ihren gewohnten Alltag ohne Koffeinzufuhr kaum noch bewältigen zu können.
