Kognitive, FrĂŒherkennung

Kognitive FrĂŒherkennung: Fahrverhalten erreicht bis zu 87 Prozent Genauigkeit

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fahrdaten, Sprache, Netzhautbilder und MRT liefern ForschungsansÀtze zur Erkennung kognitiver VerÀnderungen und möglicher Demenzrisiken.

FrĂŒherkennung kognitiver VerĂ€nderungen: Neue digitale und medizinische AnsĂ€tze
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Wohnraum mit einem leeren Sessel vor einem Fenster, der eine friedliche hÀusliche AtmosphÀre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die rechtzeitige Erkennung kognitiver VerĂ€nderungen rĂŒckt zunehmend in den Mittelpunkt der neurologischen Forschung. Aktuelle Studien und wissenschaftliche Initiativen untersuchen, wie sich kognitive BeeintrĂ€chtigungen durch die Analyse von Gesundheitsdaten, alltĂ€glichen VerhaltensĂ€nderungen wie Apathie und technischen Biomarkern frĂŒher identifizieren lassen, bevor schwerwiegende funktionelle Einbußen auftreten.

Digitale Biomarker und VerhaltensÀnderungen im Alltag

Neue methodische AnsĂ€tze greifen auf digitale Sensoren und alltĂ€gliches Verhalten zurĂŒck, um beginnende Defizite abzubilden. Eine Untersuchung der Washington University School of Medicine in St. Louis begleitete 298 Teilnehmende mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren ĂŒber einen Zeitraum von 40 Monaten mittels GPS-Datenloggern.

Von ihnen waren 242 kognitiv gesund und 56 von einer leichten kognitiven BeeintrĂ€chtigung betroffen. Personen mit nachlassender kognitiver LeistungsfĂ€higkeit fuhren seltener Auto, wĂ€hlten kĂŒrzere Strecken, mieden Nachtfahrten und zeigten ein vorsichtigeres Fahrverhalten.

Entsprechende Vorhersagemodelle erreichten eine Genauigkeit von rund 82 Prozent, in Verbindung mit demografischen Merkmalen wie Alter und Geschlecht bis zu 87 Prozent.

Verhaltensmerkmale spielen auch bei neurodegenerativen Erkrankungen eine zentrale Rolle. Eine Untersuchung des UCSF Memory and Aging Center und der Aristoteles-UniversitĂ€t Thessaloniki an 146 Patienten mit Verhaltensvariante der frontotemporalen Demenz ergab, dass Apathie und verringerte Gewissenhaftigkeit die stĂ€rksten PrĂ€diktoren fĂŒr funktionelle BeeintrĂ€chtigungen im Alltag darstellten. Die Forschenden hoben hervor, dass rein kognitive Screeningverfahren solche VerĂ€nderungen oft nicht ausreichend abbilden.

Analyse von Sprache, Netzhaut und Bildgebung

Auch sprachliche und physiologische Merkmale liefern Hinweise auf den Zustand des Nervensystems. Eine im Fachjournal Science Advances veröffentlichte Untersuchung unter Leitung von Forschenden der Universidad de San AndrĂ©s analysierte eine KI-gestĂŒtzte Methode an 2.928 spanischsprachigen Teilnehmern.

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Das System schĂ€tzte das Lebensalter anhand von mehr als 700 Merkmalen aus vier-minĂŒtigen Sprachproben. Bei Personen mit Demenz zeigte sich eine grĂ¶ĂŸere Abweichung zwischen chronologischem und sprachlichem Alter. Bei Betroffenen mit Alzheimer korrelierte diese Sprach-AlterslĂŒcke zudem mit höheren Werten des Blutbiomarkers p-Tau217.

Am UniversitÀtsklinikum Bonn und der UniversitÀt Bonn widmet sich eine Nachwuchsforschungsgruppe der Netzhaut als Untersuchungsfenster zum zentralen Nervensystem.

Das Vorhaben RE-DEFINE kombiniert optische KohĂ€renztomographie, Sehfunktionstests, MRT-Aufnahmen und molekulare Analysen mit maschinellem Lernen, um entzĂŒndliche Hirnerkrankungen wie Multiple Sklerose von vaskulĂ€ren SchĂ€digungen kleiner HirngefĂ€ĂŸe abzugrenzen.

Am Luxembourg Institute of Health arbeitet die Forschungsgruppe BraINE im Vorhaben BrainEXP an einer Softwareplattform, die routinemĂ€ĂŸige MRT-Daten nutzt, um Hinweise auf Alzheimer-Biomarker abzuleiten.

Internationale Kooperationen und PrÀventionsansÀtze

Um Screening- und Vorsorgemodelle breiter in die Versorgung einzubinden, formieren sich globale BĂŒndnisse. Die neu gegrĂŒndete International Brain Health Coalition hat mit der Initiative „30×30×50 Brain Challenge“ das Ziel formuliert, bis 2031 in 30 StĂ€dten kognitive Vorsorgeuntersuchungen in der PrimĂ€rversorgung um 50 Prozent zu steigern und SchlaganfĂ€lle um 30 Prozent zu senken. Zu den ersten Pilotstandorten zĂ€hlen London in der kanadischen Provinz Ontario sowie Oslo.

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Hinsichtlich prĂ€ventiver Maßnahmen belegen Langzeitdaten der US-amerikanischen ACTIVE-Studie an ĂŒber 2.000 Teilnehmenden, dass spezifisches kognitives Geschwindigkeitstraining in Verbindung mit Auffrischungssitzungen mit einem statistisch signifikant geringeren Risiko fĂŒr spĂ€tere Demenzerkrankungen einherging.

Umstritten bleiben hingegen isolierte NĂ€hrstoffansĂ€tze: Zwar zeigte eine kleine Querschnittsstudie bei Erwachsenen mit Schlafstörungen positive Assoziationen bei hochdosiertem Vitamin D, Experten verweisen jedoch auf große randomisierte Studien, die keinen allgemeinen kognitiven Nutzen einer solchen Gabe belegen. Eine frĂŒhe und multimodale Erfassung bleibt daher der Schwerpunkt der aktuellen Forschung.

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