Kollagen-Boom, Wissenschaftler

Kollagen-Boom: Wissenschaftler warnen vor unbelegten Wirkversprechen

26.06.2026 - 07:07:24 | boerse-global.de

Kollagenprodukte erzielen hohe Umsätze, doch die wissenschaftliche Beleglage bleibt laut Experten weiterhin dünn.

Kollagen-Boom: Glow25 und Gelita treiben den Markt an
Kollagen-Boom - Eine Nahaufnahme eines stilisierten, leuchtenden Kollagenmoleküls, das sich mit modernen Schönheits- und Wellnessprodukten vermischt. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Was einst als Nischenzutat für die Lebensmittelindustrie begann, ist heute der Treiber der Beauty- und Wellnessbranche.

Unternehmen wie Glow25 zeigen, wie rasant das Geschäft wächst. Das 2021 gegründete Startup steigerte seinen Umsatz von 35 Millionen Euro im Jahr 2022 auf rund 130 Millionen Euro im Jahr 2025. Die Branche spricht längst von der „Glow-Industrie“.

Etablierte Konzerne stellen sich neu auf

Auch alteingesessene Hersteller reagieren auf den Trend. Der Gelita-Konzern unter Chef Peter Hill fährt die Produktion von Kollagenlösungen für Endverbraucher hoch. Die Strategie: weg von industriellen Anwendungen, hin zu hochpreisigen Supplementen.

Der Einzelhandel unterstützt die Expansion mit aggressiven Rabattaktionen. Ende Juni 2026 gab es etwa Bio-Kollagen-Masken mit Preisnachlässen von bis zu 35 Prozent. Ziel ist eine noch breitere Marktdurchdringung.

Longevity-Boom und Rohstoffknappheit

Der Kollagen-Hype ist Teil eines größeren Trends: Immer mehr Menschen interessieren sich für Longevity-Technologien – Produkte, die die gesunde Lebensspanne verlängern sollen. Die Investitionen sprechen eine klare Sprache.

Im ersten Quartal 2026 flossen rund 3,74 Milliarden US-Dollar in Longevity-Unternehmen – ein Plus von 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt 49 Finanzierungsrunden wurden abgeschlossen. Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert die Branche ein Volumen von bis zu 9 Milliarden US-Dollar.

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Gleichzeitig kämpfen Proteinhersteller mit Lieferengpässen. Molkenprotein gilt als Mangelware, die Preise sind stark gestiegen. Viele Hersteller suchen nach Alternativrezepturen – und stoßen dabei auf Kollagen. Die funktionellen Eigenschaften unterscheiden sich zwar, die Nachfrage als alternative Proteinquelle wächst dennoch.

Die Konsolidierung im Life-Science-Sektor unterstreicht das Vertrauen der Industrie. Merck übernahm den US-Laborausrüster Bio-Techne für rund 11,3 Milliarden US-Dollar. Unter der neuen Führung von Kai Beckmann treibt der Konzern seit Mai 2026 gezielt solche Großinvestitionen voran.

Wissenschaftliche Skepsis bleibt

So beeindruckend die Umsatzzahlen sind – die wissenschaftliche Basis vieler Werbeversprechen ist dünn. Experten und Verbraucherschützer raten zur Vorsicht.

Die Verbraucherzentrale betont: Für die oft beworbene Wirkung auf das Hautbild gibt es keine ausreichenden Belege. Auch bei Gelenkbeschwerden ist Skepsis angebracht. Orthopäde Renkawitz stellt klar: Eine Wirksamkeit von Kollagenpräparaten gegen Arthrose sei nicht nachgewiesen.

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Während die Industrie auf den optischen und gesundheitlichen Nutzen setzt, ordnen Fachleute die Produkte eher als Lifestyle-Phänomen ein. Ein physiologischer Mehrwert über die allgemeine Proteinzufuhr hinaus? Bislang nicht eindeutig belegt.

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