KonsonantenprÀferenz, Hunde

KonsonantenprÀferenz: 20 Hunde und 20 Menschen zeigen Àhnliche Hirnreaktionen

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 10:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

EEG-Messungen belegen bei Hunden und Menschen eine stÀrkere Hirnsynchronisation bei konsonantenbasierten Silbenfolgen.

Hunde erkennen Sprachmuster: Studie zeigt Vorliebe fĂŒr Konsonanten
Minimalistisches Holzlabor mit sanftem Lichteinfall und abstrakten, rhythmischen Lichtmustern auf einer ArbeitsflÀche. Illustration mit AI erstellt.

Die FÀhigkeit, aus einem kontinuierlichen Redefluss einzelne Einheiten herauszufiltern, galt lange als eine Besonderheit des menschlichen Spracherwerbs. Eine am 27. September 2026 in der Fachzeitschrift Science erschienene Untersuchung eines Forschungsteams um Boglårka Morvai und Kinga G. Tóth von der Eötvös-Lorånd-UniversitÀt (ELTE) in Budapest liefert nun neue Einblicke in diese Mechanismen.

Die Wissenschaftler wiesen erstmals nach, dass auch Hunde eine sogenannte KonsonantenprĂ€ferenz aufweisen, wenn sie Sprachmuster analysieren. FĂŒr diese kognitive Ausrichtung ist demnach keine menschenĂ€hnliche SprachfĂ€higkeit erforderlich.

Synchrone Hirnströme bei kontinuierlichen Sprachströmen

FĂŒr das Experiment analysierte das Studienteam der ELTE die Hirnströme von 20 Menschen sowie 20 Hunden mittels Elektroenzephalografie (EEG). Den Probanden beider Spezies wurden kontinuierliche, unsegmentierte Silben- und Sprachströme ohne Pausen vorgespielt. Das Audiomaterial war in drei Varianten aufgebaut: konsonantenstrukturierte Dreisilber, vokalstrukturierte Dreisilber sowie eine Zufallskontrolle ohne wiederkehrende Muster.

Die Messungen zeigten, dass sich die Hirnströme beider Arten deutlich stÀrker mit dem Rhythmus der Wörter synchronisierten, sobald Konsonanten die Struktur der dreisilbigen Einheiten bestimmten.

Bei vokalstrukturierten Folgen oder zufĂ€lligen Lautabfolgen trat dieser Effekt nicht in vergleichbarem Maße auf. Zudem unterschied sich die elektrische Hirnantwort rund 400 Millisekunden nach Beginn jeder Einheit ausschließlich in den Konsonanten-Bedingungen.

Dieser Effekt wurde im Zeitfenster von etwa 350 bis 550 Millisekunden nachgewiesen, das mit Prozessen der Wortverarbeitung assoziiert ist. Wie das Team darlegt, lĂ€sst sich das PhĂ€nomen nicht auf eine abweichende akustische IntensitĂ€t der Vokale zurĂŒckfĂŒhren.

Anzeige

Wer sich mit der Verarbeitung akustischer Signale und der geistigen LeistungsfĂ€higkeit befasst, erkennt schnell die Bedeutung eines aktiven Gehirntrainings. Dieser kostenlose Ratgeber bietet Ihnen gezielte Übungen, um Ihre Konzentration und mentale Fitness nachhaltig zu stĂ€rken. 11 praktische Gehirn-Jogging-Übungen kostenlos sichern

Unterschiede in der Verarbeitungstiefe

Trotz der gemeinsamen PrĂ€ferenz zeigten sich im Detail deutliche artspezifische Differenzen. WĂ€hrend das menschliche Gehirn auch vokalstrukturierte Wörter registrierte – wenngleich schwĂ€cher als konsonantenbasierte –, gelang Hunden diese Erkennung bei vokalstrukturierten Mustern nicht.

DarĂŒber hinaus synchronisierte sich ausschließlich das menschliche Gehirn mit dem Takt einzelner Sprachlaute. Hunde hingegen verarbeiteten die dargebotenen akustischen Signale primĂ€r auf Silbenebene.

Ein weiteres Ergebnis betrifft die Rolle frĂŒher Spracherfahrungen: Hunde, die ihre ersten drei Lebensmonate auf der Straße oder in einem Tierheim verbrachten, wiesen einen ebenso ausgeprĂ€gten Bias auf wie Tiere, die von Beginn an in einem sprachreichen hĂ€uslichen Umfeld lebten. Ein signifikanter Unterschied zwischen diesen Gruppen ließ sich nicht feststellen.

Andics Attila von der ELTE ordnete ein, dass bereits das regelmĂ€ĂŸige Hören von Sprache fĂŒr die Ausbildung dieser PrĂ€ferenz ausreiche. Der Befund spreche fĂŒr eine gemeinsame Lernstrategie, bedeute jedoch nicht, dass die Sprachverarbeitung ohne ein vorkonfiguriertes Gehirn auskomme.

Anzeige

Ein gesundes Gehör ist eine wesentliche Voraussetzung dafĂŒr, dass unser Gehirn Sprachmuster optimal verarbeiten und geistig fit bleiben kann. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie durch einfache Hör-Übungen fĂŒr zuhause Ihr GedĂ€chtnis aktiv unterstĂŒtzen können. Kostenlosen PDF-Report zum Hörtraining herunterladen

Herkunft der PrÀferenz und offene Fragen

Die Autoren betonen, dass die Resultate kein inhaltliches WortverstĂ€ndnis bei Hunden belegen. UngeklĂ€rt bleibt bislang, auf welchen evolutionĂ€ren Ursprung die Beobachtung zurĂŒckgeht.

Das Team erwÀgt, dass das Muster sowohl auf Domestikationseffekte und den stÀndigen Kontakt mit menschlicher Sprache als auch auf eine bereits vor der Domestikation vorhandene, breitere auditive und kognitive FÀhigkeit hindeuten könnte.

Um festzustellen, ob die Domestikation der entscheidende Treiber war, halten die Wissenschaftler kĂŒnftige Vergleichsstudien mit Wölfen fĂŒr notwendig, die in einem sprachreichen Umfeld aufgewachsen sind.

EinschrÀnkend verweist das Studienteam auf methodische Limitationen der Untersuchung. Neben der relativ kleinen Stichprobe von jeweils 20 Hunden und Menschen war bei den beteiligten Vierbeinern die individuelle Vorgeschichte teils nur unvollstÀndig dokumentiert.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70196973 |