KontodiebstÀhle, Handynummern

KontodiebstÀhle: 66% recycelter Handynummern noch mit fremden Konten

Veröffentlicht am: 13.06.2026 um 18:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Cyber-Versicherer verlangen Mehr-Faktor-Authentifizierung fĂŒr Policen. Neue Studien zeigen Risiken durch recycelte Handynummern und ungeschĂŒtzte IoT-GerĂ€te.

MFA-Pflicht: Versicherer fordern mehr Sicherheit bei ZugÀngen
A close-up of a smartphone screen showing a two-factor authentication prompt, with a blurred background of digital security elements. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts automatisierter KontodiebstĂ€hle und immer raffinierterer Phishing-Kampagnen fordern Versicherer, Technologiehersteller und Forschungseinrichtungen einhellig: Passwörter allein sind kein ausreichender Schutz mehr – weder fĂŒr Unternehmen noch fĂŒr Privatpersonen.

Versicherungen treiben Sicherheitswende voran

Cyber-Versicherer haben ihre Auflagen fĂŒr Policen-VerlĂ€ngerungen im Jahr 2026 drastisch verschĂ€rft. Branchenbeobachter berichten, dass viele Anbieter inzwischen die Implementierung von MFA fĂŒr sĂ€mtliche privilegierten und Remote-Mail-ZugĂ€nge verlangen. Wer die entsprechenden Nachweise nicht erbringt, riskiert die Ablehnung des Versicherungsschutzes.

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Doch damit nicht genug: Die Versicherungskonzerne fordern von Unternehmen zudem verpflichtende Phishing-Schulungen fĂŒr alle Mitarbeiter. Der Hintergrund: Immer mehr Unternehmen kalkulieren die finanziellen Folgen von Cyber-AusfĂ€llen – die meisten Policen decken inzwischen Betriebsunterbrechungen von drei bis fĂŒnf Tagen ab.

Besonders alarmierend sind die Zahlen zu sogenannten Non-Human Identities (NHIs) – also Service-Konten und Maschinen-IdentitĂ€ten. Aktuelle Analysen zeigen: 80 Prozent aller identitĂ€tsbezogenen Sicherheitsverletzungen betreffen kompromittierte NHIs. Dabei haben nur 5,7 Prozent der Organisationen vollstĂ€ndige Transparenz ĂŒber ihre Service-Konten, und 71 Prozent dieser IdentitĂ€ten werden nicht fristgerecht rotiert.

SMS als Sicherheitsrisiko: Recycling alter Handynummern

Zwei-Faktor-Authentifizierung gilt als Standard – doch die SMS-Variante hat gravierende SchwĂ€chen. Eine aktuelle Studie der Princeton University belegt: 66 Prozent der recycelten Telefonnummern waren noch mit den Online-Konten der Vorbesitzer verknĂŒpft.

Telekommunikationsanbieter vergeben alte Nummern in der Regel nach 45 bis 90 Tagen neu. Das eröffnet ein gefĂ€hrliches Schlupfloch: Neue Besitzer können potenziell Einmal-Passwörter und Passwort-ZurĂŒcksetzungs-Codes fĂŒr fremde Konten empfangen. Die Folgen sind gravierend – 29 Prozent aller Internetnutzer haben bereits KontodiebstĂ€hle erlebt. Allein US-HĂ€ndler verzeichneten 2023 Verluste von umgerechnet rund 35 Milliarden Euro durch Betrug, bis 2028 könnte diese Summe auf ĂŒber 85 Milliarden Euro steigen.

Sicherheitsexperten raten daher: Weg vom SMS-Verfahren, hin zu zeitbasierten Einmal-Passwörtern (TOTP) aus Authenticator-Apps, Hardware-SicherheitsschlĂŒsseln oder phishing-resistenten Passkeys.

Technologie-Riesen rĂŒsten auf

Die großen Player der Branche reagieren mit integrierten Sicherheitslösungen:

IBM hat sein PowerVC-System aktualisiert: Version 2.3.3 bietet nun TOTP-basierte Zwei-Faktor-Authentifizierung. Voraussetzung ist ein TLS-fĂ€higer Mail-Server, unterstĂŒtzt werden Authenticator-Apps wie IBM Verify und Google Authenticator.

Apple setzt auf GerĂ€teschutz: Die „Stolen Device Protection“ verlangt biometrische Authentifizierung fĂŒr kritische Aktionen und fĂŒhrt eine einstĂŒndige Sicherheitsverzögerung fĂŒr bestimmte Einstellungen ein – ein wirksamer Schutz gegen SIM-Swapping und physischen Diebstahl.

OneSpan nutzt KI-gestĂŒtzte IdentitĂ€tsverifikation und FIDO-basierte Passkeys fĂŒr digitale Signaturen und unterstĂŒtzt in rund 30 US-Bundesstaaten die notarielle Beglaubigung aus der Ferne.

Der Juni-Patchday von Microsoft brachte es zudem auf 206 geschlossene SicherheitslĂŒcken. Drei öffentlich bekannte Schwachstellen (CVE-2026-45586, CVE-2026-49160, CVE-2026-50507) waren darunter. Zwar wurde bislang keine aktive Ausnutzung gemeldet, doch Administratoren sollten Updates fĂŒr Windows, Office und Exchange priorisieren.

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IoT: Tausende Kameras ungeschĂŒtzt im Netz

Auch im Internet der Dinge klaffen SicherheitslĂŒcken. Technische Berichte vom 12. Juni identifizierten 21.786 private Überwachungskameras, die ohne jeden Passwortschutz öffentlich zugĂ€nglich waren. Die Live-Streams ließen sich ĂŒber spezielle Suchmaschinen finden – ein alarmierender Hinweis auf mangelnde Sicherheitsstandards bei Herstellern und Nutzern.

HPE hat unterdessen eine neue Cyber-Resilience-Architektur fĂŒr das Alletra Storage MP B10000 vorgestellt. Das System erkennt Ransomware-VerschlĂŒsselung innerhalb von fĂŒnf Minuten und setzt auf unverĂ€nderliche Snapshots, die eine Datenwiederherstellung selbst bei kompromittierten Administrator-Konten ermöglichen.

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