Kopf-Hals-Tumoren: Neue ADC-Therapie zeigt 94-Prozent-Kontrolle
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 02:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der onkologischen Forschung gewinnt die Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) zunehmend an Bedeutung. Branchenanalysen zufolge könnte das weltweite Marktpotenzial für diese Wirkstoffklasse bis zum Jahr 2030 auf ein Volumen von 100 bis 110 Milliarden US-Dollar ansteigen. Vor diesem Hintergrund intensivieren führende Pharmaunternehmen ihre Bemühungen, ADCs als tragende Säule in der Krebstherapie zu etablieren.
Klinische Pipeline und Marktentwicklungen bei Merck
Das Unternehmen Merck fokussiert sich gegenwärtig auf die Erprobung verschiedener ADCs in Kombination mit seiner Immuntherapie Keytruda. Im Fokus stehen dabei Wirkstoffe wie sac-TMT, Ifinatamab Deruxtecan, Patritumab Deruxtecan und Raludotatug Deruxtecan. Diese werden insbesondere bei der Behandlung von Brustkrebs sowie gynäkologischen Tumoren untersucht. Nach Unternehmensangaben umfasst das klinische Programm über 20 Studien, an denen rund 20.000 Patienten teilnehmen.
Ein wesentlicher Erfolg wurde in einer Phase-3-Studie bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom erzielt, in der der Wirkstoff sac-TMT die primären Endpunkte erreichte.
Parallel dazu verdeutlichen strategische Investitionen die Ambitionen des Konzerns: In den vergangenen Monaten flossen Milliardensummen in Kooperationen, darunter 9,2 Milliarden US-Dollar im Bereich Cidara und 6,7 Milliarden US-Dollar bei Terns.
Diese Schritte erfolgen vor dem Hintergrund einer erwarteten Konkurrenz durch Biosimilars für Keytruda ab Dezember 2028. Keytruda erwirtschaftete im Jahr 2025 einen Umsatz von 31,7 Milliarden US-Dollar.
Fortschritte bei Brust- und Magenkrebstherapien
Aktuelle Daten aus der ASCENT-04-Studie, die im Rahmen von Fachberichten im September 2026 thematisiert wurden, untersuchten die Kombination von Sacituzumab Govitecan und Pembrolizumab bei fortgeschrittenem triple-negativem Brustkrebs.
Die Ergebnisse zeigen eine Risikoreduktion für eine Progression oder den Tod um 33 Prozent im Vergleich zur Standardtherapie. Zudem wurde eine deutliche Verlängerung der Zeit bis zur ersten Folgetherapie beobachtet.
Auch für andere ADC-Therapeutika liegen neue Erkenntnisse vor. Der Wirkstoff Disitamab Vedotin zeigte in Untersuchungen signifikante Verbesserungen der Ansprechrate bei HER2-positivem Brustkrebs mit Lebermetastasen.
Die Ergebnisse der ASCENT-04-Studie sind vielversprechend: Eine Kombination aus Antikörper-Wirkstoff-Konjugat und Immuntherapie senkte das Risiko für Progression oder Tod bei fortgeschrittenem triple-negativem Brustkrebs um 33 Prozent. Für Angehörige ist es wichtig, die neuen Optionen zu verstehen. Unser kostenloser Leitfaden erklärt die Wirkstoffe und hilft, die richtigen Fragen zu stellen. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Ein in einer medizinischen Fachzeitschrift veröffentlichter Fallbericht dokumentierte zudem eine komplette Remission bei einem Patienten mit Magenkrebs und Hirnmetastasen nach einer Kombinationstherapie aus Disitamab Vedotin und Camrelizumab, die über drei Jahre nach Therapieende anhielt.
Innovationen bei AstraZeneca und InnoCare Pharma
AstraZeneca berichtete über positive Ergebnisse der Phase-III-Studie DeLLphi-305. Die Kombination aus Durvalumab und Tarlatamab zeigte in einer Interimsanalyse einen signifikanten Vorteil beim Gesamtüberleben sowie beim progressionsfreien Überleben bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Es handelt sich hierbei um die erste Phase-3-Studie eines bispezifischen T-Zellen-Engagers (BiTE), die einen Überlebensvorteil in dieser Indikation belegt.
Im Bereich der biotechnologischen Neuentwicklungen erhielt InnoCare Pharma die Genehmigung für eine klinische Prüfung des bispezifischen ADCs ICP-B381. Dieser Wirkstoff richtet sich gegen PSMA/STEAP1 und zeigte in präklinischen Modellen eine überlegene Wirkung gegenüber monovalenten Ansätzen.
Parallel dazu präsentierte Pyxis Oncology im September 2026 Daten zu Micvotabart Pelidotin bei Kopf-Hals-Tumoren. Mit einer Krankheitskontrollrate von 94 Prozent und einem medianen progressionsfreien Überleben von 6,2 Monaten plant das Unternehmen den Start einer Phase-3-Studie für Mitte 2027.
Technologische Optimierung und neue Forschungsansätze
Wissenschaftliche Fortschritte an der ETH Zürich deuten zudem auf eine Effizienzsteigerung in der Medikamentenentwicklung hin. Mithilfe einer KI-Methode, die auf 40.000 Antikörpern trainiert wurde, konnten Sequenzen identifiziert werden, die in Bezug auf Stabilität und Verträglichkeit etablierte Standards übertreffen.
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Gleichzeitig arbeiten Kooperationen wie die zwischen YUMAB und ISAR Bioscience an der Überwindung der Blut-Hirn-Schranke mittels spezifischer Antikörper-Shuttles. Diese Technologien zielen darauf ab, onkologische Wirkstoffe gezielter in das zentrale Nervensystem zu schleusen.
In diesem wettbewerbsintensiven Umfeld hat die FDA bereits im September 2026 eine beschleunigte Zulassung für Etcamah in Kombination mit einem CDK4/6-Inhibitor bei bestimmten Formen des Brustkrebses erteilt, was den hohen Bedarf an innovativen Therapieoptionen unterstreicht.
