Korallenriffe, IUCN

Korallenriffe: IUCN stuft 96 Prozent als bedroht ein

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 14:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Weltnaturschutzunion stuft 96 Prozent der weltweit untersuchten Flachwasser-Korallenriffe als vom Aussterben bedroht ein. Neben der Erwärmung verschärfen Überfischung, Küstenbebauung und Verschmutzung die Lage.

Riffschutz umfasst 127 Systeme

  • Die IUCN nahm die untersuchten Flachwasser-Korallenriffe in die Rote Liste der Ökosysteme auf.
  • Vier der 127 Riffe konnten wegen fehlender Daten nicht bewertet werden.
  • Der Bericht wurde bei der COP17 im armenischen Eriwan vorgestellt.
  • Korallenriffe sind Lebensraum für ein Viertel der Meeresbewohner. (Archivbild) - Bild: Sam Mcneil/AP/dpa
  • Hitze ist der größte Feind der Korallenriffe (Archivbild) - Bild: Dita Alangkara/AP/dpa
Korallenriffe sind Lebensraum für ein Viertel der Meeresbewohner. (Archivbild) - Bild: Sam Mcneil/AP/dpa Hitze ist der größte Feind der Korallenriffe (Archivbild) - Bild: Dita Alangkara/AP/dpa

IUCN bewertet 96 Prozent der Korallenriffe als bedroht

Bei der ersten systematischen Untersuchung aller 127 Flachwasser-Korallenriffe weltweit sind 96 Prozent als vom Aussterben bedroht eingestuft worden. Die Weltnaturschutzunion IUCN stellte die Bewertung bei der Weltnaturkonferenz COP17 im armenischen Eriwan vor.

Riffe bis 40 Meter Tiefe betroffen

Untersucht wurden die bekannten Korallenriffe bis etwa 40 Meter Wassertiefe, darunter Teile des Great Barrier Reef, des Korallendreiecks im westlichen Pazifik und in Südostasien, des mesoamerikanischen Riffsystems sowie der Riffe im Roten Meer. Für vier Riffe fehlten ausreichende Daten.

Die IUCN führt die Systeme auf ihrer 2014 eingerichteten Roten Liste der Ökosysteme. Dort bewertet sie das Risiko, dass Lebensräume zusammenbrechen; bislang sind mehr als 4.000 Ökosysteme erfasst.

Meereshitze setzt Korallen unter Druck

Korallen vertragen nur geringe Temperaturschwankungen. Wird das Wasser zu warm, stoßen sie die Mikroalgen ab, die in ihrem Gewebe leben und sie ernähren. Die Korallen bleichen aus und sterben häufig.

Für die Bewertung legten die IUCN-Experten das mittlere Klimaszenario des Weltklimarats IPCC zugrunde. Es geht von einer Erwärmung der Atmosphäre bis zum Ende des Jahrhunderts um rund 2,7 Grad aus.

Überfischung erschwert Erholung

Auch Überfischung belastet die Riffe, unter anderem in Ostasien, der Karibik und Brasilien. Papageienfische und Zackenbarsche halten Algen in Schach; fehlen sie, können sich Riffe nach Hitzestress schlechter erholen.

Zunehmende Küstenbebauung, Verschmutzung und zu viel Tourismus verschärfen die Belastung. Kollabiert ein Riff, verschwinden harte Korallen weitgehend, während sich Algen und Schwämme ausbreiten.

IUCN fordert entschlossenen Klimaschutz

Mit dem Verlust der Korallen verarmt das Ökosystem und kann viele dort heimische Tiere nicht mehr versorgen, darunter Rifffische, Meeresschildkröten und Haie. IUCN-Generaldirektorin Grethel Aguilar erklärte, Korallenriffe zeigten besonders deutlich, wie gesund Ozeane seien.

Nach ihren Worten hätten die Riffe noch eine Chance auf Erholung. Dafür brauche es entschlossenen Klimaschutz und eine Begrenzung der weiteren Erwärmung der Ozeane.

Die Einstufung der Flachwasser-Korallenriffe betrifft Ökosysteme, die zugleich besonders artenreich und besonders empfindlich gegenüber Erwärmung sind. Korallen leben in enger Verbindung mit Mikroalgen; überschreitet die Wassertemperatur ihre Toleranz, verlieren sie diese Lebensgemeinschaft, bleichen aus und können absterben.

Die Gefährdung entsteht nicht allein durch einzelne Hitzewellen. Dauerhaft höhere Meerestemperaturen verkürzen die Erholungsphasen zwischen den Belastungen. Überfischung, Verschmutzung, Küstenbau und intensiver Tourismus schwächen zusätzlich die Tiere und die ökologischen Funktionen des Riffs.

Folgen für Meere und Küsten

Ein Zusammenbruch würde nicht nur die Vielfalt unter Wasser verringern. Riffe bieten zahlreichen Meeresarten Nahrung und Schutz und wirken vielerorts als natürlicher Küstenschutz. Ihr Verlust kann deshalb Fischerei, Tourismus und die Widerstandsfähigkeit von Küstenregionen beeinträchtigen.

Die Einordnung macht zwei Handlungsebenen sichtbar: Der Schutz vor lokaler Überfischung und Verschmutzung kann die Regeneration fördern, ersetzt aber keine Begrenzung der globalen Erwärmung. Entscheidend bleibt, ob die Ozeane künftig weniger stark und seltener Hitzestress ausgesetzt sind.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70393693 |