KrÀuterpaste mit Sildenafil: Behörden warnen vor bundesweiter Verbreitung
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:25 Uhr | Redaktion boerse-global.deUnzulÀssige Beimischungen synthetischer Arzneistoffe in vermeintlich rein pflanzlichen Produkten stellen den Verbraucherschutz vor anhaltende Herausforderungen.
Wie aus einer am 13. Oktober 2026 ĂŒber das behördliche Portal lebensmittelwarnung.de veröffentlichten Mitteilung des Ministeriums fĂŒr Landwirtschaft und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (MLV NRW) hervorgeht, wurde in einer importierten KrĂ€uterpaste der verschreibungspflichtige Wirkstoff Sildenafil nachgewiesen. Der Fall verdeutlicht die Risiken unregulierter Vertriebswege und die potenziellen Gesundheitsgefahren fĂŒr Konsumenten.
Betroffene Charge und Herstellerangaben
Die behördliche Warnung bezieht sich konkret auf das Produkt âMixed Herbal Blend Pasteâ der Marke âPro Naturious Natural Productsâ in der 240-Gramm-Packung. Betroffen ist die Charge beziehungsweise das Los 20251511 (PSN) mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 15. November 2028 sowie der EAN-Nummer 8 683672 505190.
Als Hersteller wird auf der Kennzeichnung das Unternehmen Atci Gida San. ve Tic. Ltd. ?ti. aus Fatih/Istanbul mit der Registrierungsnummer TR-34-K-024165 aufgefĂŒhrt. Eine in der EuropĂ€ischen Union verantwortliche Person oder Niederlassung ist auf der Verpackung hingegen nicht benannt.
Da die genauen Vertriebswege und ZwischenhĂ€ndler in Deutschland unbekannt sind, gehen die Ăberwachungsbehörden von einer bundesweiten Verbreitung aus; in der Warnung sind alle 16 BundeslĂ€nder gelistet. RĂŒckgabestellen, Kontaktadressen oder ModalitĂ€ten fĂŒr eine Erstattung wurden im Rahmen der Meldung nicht bereitgestellt.
Gesundheitliche Risiken durch undeklariertes Sildenafil
Der Grund fĂŒr die behördliche Warnung ist das Vorhandensein von Sildenafil, einem arzneilichen Wirkstoff aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer, der unter anderem zur Behandlung von erektiler Dysfunktion und Lungenhochdruck verordnet wird. In Lebensmitteln und NahrungsergĂ€nzungsmitteln ist die Substanz nicht zugelassen.
Die Behörden gehen davon aus, dass sich die betroffene KrĂ€uterpaste mit nicht deklariertem Sildenafil bundesweit verbreitet hat â verkauft wird sie abseits der Apotheken ĂŒber Internet, Kioske und soziale Medien. Wer Naturprodukte kauft, sollte wissen, woran er Risikoware erkennt und was bei Beschwerden zu tun ist. Kostenlosen Schutz-Leitfaden anfordern
Die medizinisch ĂŒbliche Einzeldosis liegt bei 50 Milligramm etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr, bei einer maximalen Tagesdosis von 100 Milligramm. Da fĂŒr das beanstandete Produkt kein genauer Messwert vorliegt, lĂ€sst sich keine sichere Verzehrmenge ableiten.
Ein unkontrollierter Konsum birgt erhebliche Gefahren. Zu den möglichen Folgen zÀhlen ein plötzlicher Blutdruckabfall, Herzrasen, Sehstörungen, Angina pectoris, Priapismus sowie in seltenen FÀllen SchÀden am Sehnerv.
Ein besonders schwerwiegendes Risiko besteht bei gleichzeitiger Einnahme von nitrathaltigen PrĂ€paraten oder anderen Herz-Kreislauf-Medikamenten, da Wechselwirkungen zu lebensbedrohlichen BlutdruckabfĂ€llen fĂŒhren können. MĂ€nner, die entsprechende Medikamente einnehmen, sind besonders gefĂ€hrdet.
Das Ministerium empfiehlt, Packungen mit den genannten Merkmalen keinesfalls zu verzehren und sie zu entsorgen. Bei auftretenden Beschwerden sollte medizinischer Rat eingeholt und die Bezugsquelle der örtlichen LebensmittelĂŒberwachung gemeldet werden.
Wiederkehrende Funde und unregulierte Vertriebswege
Der aktuelle Fall steht beispielhaft fĂŒr ein strukturelles Problem. Kontrollbehörden registrieren wiederkehrend nicht deklariertes Sildenafil in NahrungsergĂ€nzungsmitteln, GetrĂ€nken, Schokoladen, Pasten oder Honigzubereitungen.
MĂ€nner, die Herz-Kreislauf- oder Nitrat-Medikamente einnehmen, trifft es am hĂ€rtesten: Schon eine unbemerkte Dosis Sildenafil kann den Blutdruck lebensbedrohlich abstĂŒrzen lassen. Der Leitfaden zeigt die konkreten Warnsignale und den richtigen Notfallplan â Schritt fĂŒr Schritt. Warnsignale und Notfallplan jetzt abrufen
Nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen tauchen monatlich neue bedenkliche Erzeugnisse auf, die nicht immer konsequent öffentlich bekannt gemacht werden und im Ernstfall zu schweren ZwischenfĂ€llen wie SchlaganfĂ€llen oder Herzinfarkten fĂŒhren können.
Erkenntnissen der Zollfahndung zufolge stammen die beanstandeten Waren vor allem aus der TĂŒrkei sowie mutmaĂlich aus Malaysia. EingefĂŒhrt werden sie vorrangig im grenzĂŒberschreitenden Lastwagenverkehr, aber auch ĂŒber den Post- und Reiseverkehr. Der Vertrieb erfolgt meist abseits der regulĂ€ren Apothekenstrukturen ĂŒber das Internet, soziale Medien, Kioske sowie orientalische SupermĂ€rkte, was die lĂŒckenlose Ăberwachung erschwert.
