Krafttraining ab 60: Sieben Bewegungsmuster helfen, selbststÀndig zu bleiben
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit zunehmendem Alter rĂŒckt der Erhalt der eigenen SelbststĂ€ndigkeit in den Mittelpunkt der Trainingslehre. Trainer und Sportmediziner heben hervor, dass regelmĂ€Ăiges Krafttraining und funktionelle BewegungsablĂ€ufe ab einem Alter von 60 Jahren unverzichtbar sind, um dem natĂŒrlichen Verlust an Muskelmasse und Knochendichte entgegenzuwirken. Reines Spazierengehen reicht nach ĂŒbereinstimmender Expertenansicht nicht aus, um die funktionelle Autonomie bis ins hohe Alter zu sichern.
Grenzen reiner AusdaueraktivitÀt im Alterungsprozess
Der altersbedingte Muskelabbau beginnt schleichend. Trainer Andy Carr von Snap Fitness UK verweist darauf, dass der Körper ab dem 30. Lebensjahr pro Dekade rund 3 bis 8 Prozent an Muskelmasse, Kraft und Knochendichte einbĂŒĂt. Trainerin Patricia Vera von Malagaentrena sowie Trainer Javier Abreu betonen, dass sich dieser Verlust â die sogenannte Sarkopenie â ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren nochmals spĂŒrbar beschleunigt.
Vor diesem Hintergrund warnt die Ărztin Maribel Tejeda davor, sich allein auf das Gehen zu verlassen. Schritte sammeln genĂŒge nicht, um Muskelgewebe aufzubauen oder funktionelle Kraft fĂŒr das Gleichgewicht zu bewahren.
Trainer Joey Till von Barry's Spanien verweist in diesem Zusammenhang auf eine Metaanalyse: Reines Gehen habe keine signifikanten Auswirkungen auf die Knochendichte der LendenwirbelsĂ€ule, selbst wenn sich bei Programmen ĂŒber sechs Monate positive Effekte am Oberschenkelhals zeigten.
Till zitiert zudem die LIFTMOR-Studie aus dem Jahr 2018, bei der ein Krafttraining mit Lasten von ĂŒber 85 Prozent des Maximums zweimal wöchentlich ĂŒber acht Monate die Knochendichte der LendenwirbelsĂ€ule um 2,9 Prozent steigerte, wĂ€hrend leichtes Heimtraining mit einem RĂŒckgang von 1,2 Prozent einherging.
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Funktionelle GrundĂŒbungen fĂŒr den Alltag
Statt stur auf SchrittzĂ€hler zu blicken, empfiehlt Trainer JosĂ© Ruiz, ab 60 Jahren funktionelle KapazitĂ€ten aufzubauen. Ruiz rĂ€t zu sieben grundlegenden Bewegungsmustern, darunter angepasste Kniebeugen, Stufenaufsteiger (Step-ups), DrĂŒck- und Ruderbewegungen sowie Ăbungen fĂŒr Rumpf und Waden. Begleitend seien eine proteinreiche ErnĂ€hrung und ausreichende FlĂŒssigkeitszufuhr wesentlich.
Trainerin Janet Osborne hebt hervor, dass Krafttraining vor allem die alltĂ€gliche HandlungsfĂ€higkeit stĂŒtze â vom Aufstehen aus Sesseln bis zum Tragen schwerer EinkĂ€ufe. FĂŒr den Einstieg zu Hause genĂŒgen laut Osborne drei SĂ€tze Ă zwölf Wiederholungen von Ăbungen wie Kniebeugen, GluteusbrĂŒcken, Kurzhantel-Rudern oder BrustdrĂŒcken.
Trainer Camelo Jorge und Gesundheitsexperten von Sanitas empfehlen insbesondere fĂŒr Personen ab 70 Jahren das kontrollierte Aufstehen und Hinsetzen von einem stabilen Stuhl. Dieses Manöver imitiere eine klassische Kniebeuge und verhindere einen Teufelskreis aus InaktivitĂ€t und fortschreitendem Kraftverlust.
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Empfohlener Trainingsumfang und Progression
Experten betonen den Wert einer ausgewogenen Trainingskombination. Henrry RodrĂguez, Fitness Manager der ZEM Wellness Clinic Altea, hĂ€lt zwei bis drei Krafteinheiten in Verbindung mit 150 bis 300 Minuten AusdaueraktivitĂ€t pro Woche fĂŒr optimal.
Diese Richtwerte decken sich mit den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die fĂŒr Personen ab 65 Jahren neben moderater aerober Bewegung explizit zusĂ€tzliches Muskeltraining sowie Ăbungen fĂŒr Gleichgewicht und Beweglichkeit vorgibt.
Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln mahnt ergĂ€nzend an, lange Sitzzeiten stĂŒndlich zu unterbrechen. WĂ€hrend die Basisrichtlinien der WHO wichtig seien, zeigten Untersuchungen fĂŒr maximale Langlebigkeitseffekte sogar einen Bewegungsumfang von rund 900 Minuten pro Woche als optimal an.
FĂŒr den Einstieg rĂ€t Froböse dazu, sich alle sechs bis acht Wochen neue Trainingsziele zu setzen, um die körperliche AktivitĂ€t nach rund sechs Monaten fest im Alltag zu verankern. Vor Trainingsbeginn sollten Personen mit Vorerkrankungen oder Schmerzen eine Ă€rztliche AbklĂ€rung vornehmen.
