Kraken zwängen sich durch Löcher fünf Millimeter kleiner
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 22:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKraken testen Fluchtöffnungen
- Das Forschungsteam untersuchte Gewöhnliche Kraken und Mexikanische Vieraugenkraken.
- Der Augenabstand der getesteten Tiere lag zwischen 15 und 35 Millimetern.
- Die Öffnungen waren jeweils fünf Millimeter kleiner oder größer als der Augenabstand.
Kraken überwinden enge Fluchtöffnungen
Kraken können sich durch Öffnungen zwängen, die kleiner sind als ihr Körperumfang. Bei besonders kleinen Löchern schoben Gewöhnliche Kraken in einem Versuch zunächst alle acht Arme hindurch, bevor Kopf und Mantel folgten.
Zwei Arten im Versuch
Ein Forschungsteam um Wenci Xin von der National University of Singapore untersuchte Gewöhnliche Kraken und Mexikanische Vieraugenkraken. Die Ergebnisse veröffentlichte es im „Journal of Experimental Biology“.
Als Maß für die Größe der Tiere diente der Abstand zwischen den Augen, der einen Hinweis auf die harte Knorpelkapsel um das Zentralnervensystem gibt. Je nach Tier lag dieser Abstand zwischen 15 und 35 Millimetern.
Arme helfen beim Durchkommen
Die Kraken erhielten Boxen mit Fluchtlöchern, die entweder fünf Millimeter kleiner oder fünf Millimeter größer als ihr jeweiliger Augenabstand waren. Die Forschenden filmten, wie die Tiere die Öffnungen erkundeten und passierten.
Bei der größeren Öffnung tasteten Gewöhnliche Kraken den Durchgang zunächst mit einem Arm ab. Danach schoben sie weitere Arme hindurch, füllten das Loch aus und drückten sich mit den bereits auf der anderen Seite befindlichen Armen gegen die Wand.
Kleinere Öffnung verändert Strategie
Beim kleineren Loch schoben die Gewöhnlichen Kraken zunächst alle Arme hindurch, bevor Kopf und Mantel folgten. Allerdings wurden dafür nur drei Tiere getestet, weshalb die Forschenden die Beobachtung nicht verallgemeinerten.
Die Mexikanischen Vieraugenkraken nutzten bei der größeren Öffnung dieselbe Vorgehensweise. Das kleinere Loch erkundeten sie hingegen nicht erst; an dieser Art waren vier Tiere beteiligt.
Nicht jeder Versuch gelingt
Nicht alle Fluchtversuche waren erfolgreich. Nach Einschätzung des Forschungsteams könnten die Kraken die passende Größe einer Öffnung nicht immer präzise einschätzen.
Die Erkenntnisse könnten nach Angaben der Forschenden für die Entwicklung spezieller Softroboter nützlich sein. Solche flexiblen Maschinen könnten künftig bei Such- oder Erkundungsmissionen als biologisch inspiriertes Vorbild dienen.
Die Untersuchung beleuchtet eine besondere Folge des weichen Körperbaus von Kraken. Anders als Wirbeltiere besitzen sie kein starres Skelett, das die Form des gesamten Körpers festlegt. Eine wichtige Ausnahme bildet die Knorpelkapsel um das zentrale Nervensystem. Der Abstand zwischen den Augen diente deshalb als praktikabler Hinweis darauf, welche Öffnungsgröße ein Tier grundsätzlich überwinden könnte.
Die Versuche zeigen zugleich, dass Beweglichkeit nicht mit sicherer Einschätzung gleichzusetzen ist. Die Tiere tasteten größere Öffnungen mit einzelnen Armen ab und veränderten ihre Reihenfolge bei kleineren Durchgängen. Bei den Gewöhnlichen Kraken war die Zahl der Tiere für diese kleine Öffnung jedoch gering; die Forschenden leiteten daraus ausdrücklich keine allgemeine Regel ab.
Bedeutung für die Robotik
Für die Biologie liefern die Beobachtungen Hinweise darauf, wie Kraken ihre acht Arme koordinieren und den Körper durch Engstellen bewegen. Praktisch interessant ist der Ansatz für Softrobotik: Roboter aus flexiblen Materialien könnten sich ähnlich an wechselnde Räume anpassen und bei Such- oder Erkundungsaufgaben Hindernisse überwinden.
Bis zu einem technischen Einsatz bleiben weitere Fragen offen. Dazu gehören die genaue Bewegungssteuerung, die zuverlässige Einschätzung von Öffnungen und die Übertragbarkeit der Strategien auf künstliche Systeme. Die Studie beschreibt daher vor allem ein biologisches Vorbild, nicht bereits einen einsatzfähigen Roboter.
