Krankenkassen-Krise, Milliarden

Krankenkassen-Krise: 18,8 Milliarden Lücke gefährdet Chroniker

26.06.2026 - 10:55:09 | boerse-global.de

Gesetzliche Krankenkassen erwarten 18,8 Milliarden Euro Defizit. AOK-Chefin Reimann verlangt gesetzliche Ausgabenbremse.

GKV-Rekorddefizit: AOK fordert schärfere Sparziele für 2027
Krankenkassen-Krise - Ein Stapel Euro-Banknoten, teilweise verdeckt von der Hand eines Arztes, der ein Stethoskop hält, vor medizinischer Ausrüstung. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Für 2027 wird eine Deckungslücke von 18,8 Milliarden Euro erwartet – doch das geplante Stabilisierungsgesetz sieht nur Einsparungen von 16,3 Milliarden vor. Der GKV-Spitzenverband schlägt Alarm.

AOK fordert schärfere Sparziele

Die Ausgaben explodieren: Im ersten Quartal 2026 lagen die Leistungsausgaben acht Prozent über dem Vorjahr. Besonders die Klinikversorgung verteuerte sich mit 9,4 Prozent, Arztpraxen und Arzneimittel legten um 7,3 beziehungsweise 6,4 Prozent zu. AOK-Chefin Dr. Carola Reimann fordert daher am 25. Juni ein rechtlich verankertes Ausgabenlimit.

Ihr Ziel: 19 Milliarden Euro Einsparungen. „Der Ausgabenzuwachs war fast doppelt so hoch wie das Einnahmenplus“, so Reimann. Sie sieht Bund und Pharmaindustrie in der Pflicht. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zeigt sich gesprächsbereit.

Kanzler verteidigt Reform – Kritik von allen Seiten

Bundeskanzler Friedrich Merz stellte sich am 24. Juni hinter die geplanten Milliarden-Einsparungen. Die Reform sieht Ausgabenbremsen für Kliniken, Praxen und Pharmafirmen vor. Höhere Zuzahlungen und Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern sind ebenfalls im Gespräch. Das Gesetz soll in der Sitzungswoche vom 6. bis 10. Juli beschlossen werden.

Der Widerstand wächst. Das Haus der Krebs-Selbsthilfe warnte am 25. Juni: Die Stabilisierung dürfe nicht zulasten chronisch Kranker gehen. Die Organisation fordert den Erhalt der Chroniker-Regelung und lehnt höhere Zuzahlungen bei Hilfsmitteln oder Zahnersatz ab.

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Auch Kliniken laufen Sturm. Die Lausitz Klinik Forst protestiert gegen die Deckelung von Pflegebudgets. Tarifsteigerungen würden nicht refinanziert – das Risiko von Stellenabbau steige.

Wenn das Geld für Leben nicht reicht

Die ökonomischen Zwänge werden im Einzelfall sichtbar. Einem schwer erkrankten Familienvater aus der Region Prenzlau/Pasewalk verweigerte seine Krankenkasse eine personalisierte Immuntherapie für 13.700 Euro. Erst private Spenden ermöglichten die Behandlung. Der Fall entfacht Grundsatzdebatten: Wo liegt die Grenze der Finanzierbarkeit von Menschenleben?

Ungeklärte Zuständigkeiten schaffen weitere Lücken. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) unterbrach am 18. Juni ein Verfahren zur Krankenbeobachtung von Kindern mit Diabetes Typ 1 in Schulen und Kitas. Seit Oktober 2023 gibt es keine klare Regelung zwischen den Leistungsträgern. Gerichte entscheiden uneinheitlich. Die Betreuung bleibt unsicher.

Streit um Steuergeld: Wer zahlt für Bürgergeld-Empfänger?

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Einem Familienvater wurde eine lebenswichtige Therapie für 13.700 Euro verweigert – erst private Spenden halfen. Damit Ihnen das nicht passiert: Mit unserer Checkliste und dem Rechtsratgeber sind Sie gewappnet. Chroniker-Leistungen jetzt sichern

Ein zentraler Konfliktpunkt: die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen. Rund 10 Milliarden Euro geben die Kassen jährlich für die Gesundheitsversorgung von Bürgergeld-Empfängern aus. Warken will diese Kosten komplett aus Steuermitteln decken – das würde die GKV ab 2027 um rund 12 Milliarden entlasten.

Finanzminister Lars Klingbeil blockt ab. Der GKV-Spitzenverband hat deshalb Klage gegen die Bundesregierung eingereicht. Auch Bayern fordert eine stärkere Beteiligung des Bundes, um die Beitragszahler zu schützen.

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