Krankenstand Handwerk: 7,0 Prozent und 42 Tage bei StraĂenwĂ€rtern
21.06.2026 - 08:03:25 | boerse-global.de
Laut einer Fehlzeitenanalyse der IKK classic lag der Wert bei 7,0 Prozent â jeder Mitarbeiter fehlte im Schnitt 20 Tage. Die Kosten pro Langzeit-Krankheitstag? Rund 250 Euro.
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Muskeln und Psyche: Die Haupttreiber der Fehlzeiten
Muskel-Skelett-Erkrankungen sind mit 30,9 Prozent der hĂ€ufigste Grund fĂŒr ArbeitsunfĂ€higkeit. Atemwegserkrankungen folgen mit 17,9 Prozent, psychische Leiden mit 14,2 Prozent. Besonders krass ist die Lage in Sachsen-Anhalt: Dort lag der Krankenstand bei durchschnittlich 28,4 Tagen â bundesweite Spitze. StraĂenwĂ€rter fehlten sogar 42,1 Tage, BeschĂ€ftigte in der Altenpflege 38,1 Tage.
Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch
Der Trend ist eindeutig: Psychische Diagnosen gewinnen an Bedeutung. Eine Analyse der DAK-Gesundheit fĂŒr 2025 zeigt einen Anstieg um 6,9 Prozent. In Rheinland-Pfalz sind psychische Leiden inzwischen die Hauptursache fĂŒr Fehlzeiten. In ZweibrĂŒcken erreichten die Werte mit bis zu 8,0 Fehltagen allein aufgrund der Psyche ein bundesweites Rekordhoch.
PrÀsentismus: Wenn Kranksein keine Option ist
Parallel dazu steigt der sogenannte PrĂ€sentismus. Der Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Salzburg fĂŒr 2025 zeigt: Zwei von drei BeschĂ€ftigten gingen krank zur Arbeit. 2016 waren es noch 34 Prozent. Die HauptgrĂŒnde: gestiegener Arbeitsdruck, SolidaritĂ€t mit Kollegen und fehlende Vertretung. Im Gesundheits- und Pflegebereich gaben 77 Prozent der Befragten an, trotz Krankheit gearbeitet zu haben.
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Politik in der Kritik: Neues Arbeitszeitgesetz sorgt fĂŒr Ărger
Die Reaktion der Politik auf die angespannte Lage? Bei den HandwerksverbĂ€nden kommt sie nicht gut an. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) kritisierte im Juni 2026 den Referentenentwurf zur Ănderung des Arbeitszeitgesetzes als praxisfern. Statt FlexibilitĂ€t fĂŒr kleine und mittlere Betriebe bringe er nur zusĂ€tzliche BĂŒrokratie.
Auch das BĂ€ckerhandwerk ist unzufrieden. Zwar begrĂŒĂt der Verband die geplante Ausweitung der Arbeitszeit an Sonn- und Feiertagen von drei auf fĂŒnf Stunden. Doch fĂŒr die mehrtĂ€gige Produktion von Sauerteigbroten reiche das nicht. Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH) spricht gar von einem âBĂŒrokratiepaketâ, das moderne Arbeitsmodelle gefĂ€hrde.
FachkrÀftemangel: 250.000 Stellen unbesetzt
Trotz aller Probleme: Das Handwerk bleibt attraktiv. Das Handwerkbarometer 2026 zeigt: 66 Prozent der Befragten schĂ€tzen handwerkliche Berufe als sicherer ein als BĂŒrojobs. 38 Prozent wĂŒrden sich wegen der Fortschritte bei KĂŒnstlicher Intelligenz eher fĂŒr einen Job im Handwerk entscheiden.
Doch die personelle Krise ist massiv. Rund 250.000 FachkrĂ€fte fehlen, etwa 125.000 Betriebsnachfolgen sind ungeklĂ€rt. Handwerkskammern warnen zudem vor schulischen Defiziten bei SchulabgĂ€ngern â vor allem in Mathe und Deutsch. Das gefĂ€hrde die Ausbildungschancen und damit die langfristige FachkrĂ€ftesicherung.
Wirtschaftlicher Gegenwind und Forderungen an die Politik
Die finanzielle Lage bleibt angespannt. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete das zulassungspflichtige Handwerk in Sachsen-Anhalt einen preisbereinigten UmsatzrĂŒckgang von 4,5 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen um 7,6 Prozent.
Die DAK-Gesundheit fordert angesichts des hohen Krankenstands ein Gipfeltreffen im Kanzleramt. Notwendig seien strukturelle Reformen, mehr betriebliche Gesundheitsförderung, ergonomische Hilfsmittel und besseres Stressmanagement. Nur so lasse sich die ArbeitsfÀhigkeit der BeschÀftigten langfristig sichern.
