Krankenversicherung, Merz

Krankenversicherung: Merz sieht Gerechtigkeitsproblem bei Wartezeiten

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 21:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Friedrich Merz sieht bei GKV und PKV ein Gerechtigkeitsproblem, wĂ€hrend Union, Ärztevertreter und VerbĂ€nde ĂŒber Reformwege streiten.

Merz kritisiert GKV und PKV: Streit ĂŒber Wartezeiten und Reformen
Ein heller, leerer Behandlungsraum in einer modernen Arztpraxis mit einem Untersuchungstisch und natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Das Nebeneinander der gesetzlichen Krankenversicherung und der privaten Krankenversicherung steht im Mittelpunkt einer gesundheitspolitischen Grundsatzdebatte.

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die bestehende Struktur der Kranken- und Pflegeversicherung vor Journalisten im Berliner Konrad-Adenauer-Haus als Gerechtigkeitsproblem sowie als massives Problem im Empfinden der Bevölkerung, an dem etwas geĂ€ndert werden mĂŒsse.

Bereits beschlossene Reformen im Gesundheitswesen mĂŒssten kĂŒnftig wirkungsgleich auf die private Krankenversicherung ĂŒbertragen werden. Ein langfristiges strukturelles Modell ließ Merz offen.

Diskrepanzen bei Wartezeiten als Auslöser der Diskussion

Als zentralen Grund fĂŒr seine EinschĂ€tzung nannte Merz die spĂŒrbaren Unterschiede bei den Wartezeiten auf Arzttermine. Verfestige sich der Eindruck, dass privat Versicherte sofort jede Leistung erhielten, wĂ€hrend gesetzlich Versicherte Wochen oder Monate warten mĂŒssten, entstehe ein Gerechtigkeitsproblem.

Zuletzt spielte die Àrztliche Versorgung auch bei den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern eine Rolle, bei denen die Union Verluste hinnehmen musste.

In Deutschland sind rund 74,5 Millionen Menschen gesetzlich und rund 9 Millionen privat versichert. Daten einer Online-Terminvermittlung in Berlin zeigten in einer kĂŒrzlichen Erhebung, dass gesetzlich Versicherte im Schnitt rund drei Wochen lĂ€nger auf einen Termin warten als Privatversicherte.

Der nordrhein-westfÀlische Gesundheitsminister Laumann wies ebenfalls auf ein erhebliches Problem im Gerechtigkeitsempfinden hin, das durch das Nebeneinander beider SÀulen in der Kranken- und Pflegeversicherung bestehe. Aus dem Kanzleramt folgte eine Klarstellung: Ein Regierungssprecher erklÀrte, dass Merz das System der Krankenversicherung nicht grundsÀtzlich infrage gestellt habe.

Weder eine Zusammenlegung noch eine Abschaffung der privaten Krankenversicherung sei geplant, da es auch gute GrĂŒnde fĂŒr das bestehende Modell gebe. Gesundheitsminister Carsten Linnemann, der zeitgleich bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft sprach und an einem PrimĂ€rversorgungsgesetz arbeitet, hatte die KanzlerĂ€ußerung zunĂ€chst nicht mitbekommen.

Geteiltes Echo in den politischen Lagern

Aus den Reihen der CSU stießen die Überlegungen auf deutlichen Widerspruch. Der CSU-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, erteilte einer stĂ€rkeren Verzahnung auf einer Klausur in Kloster Banz eine Absage.

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Der Bundeskanzler nennt das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung ein Gerechtigkeitsproblem — gesetzlich Versicherte warten einer Erhebung zufolge im Schnitt rund drei Wochen lĂ€nger auf einen Termin. Was das fĂŒr Ihre Versorgung bedeutet und welche Reformen geplant sind, fasst unser kostenloser Report zusammen. Kostenlosen Report zur GKV-PKV-Debatte anfordern

Zeitnahe Termine seien vielmehr durch gezielte Patientensteuerung, eine Termingarantie sowie einen erleichterten ambulanten Zugang zu KrankenhÀusern zu erreichen. Gemeinsam mit dem CSU-Politiker Stephan Pilsinger sprach er sich gegen ein Infragestellen des dualen Systems aus.

Zustimmung kam hingegen von anderen Parteien: SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis begrĂŒĂŸte die KanzlerĂ€ußerungen, bot GesprĂ€che an und verwies auf das Modell einer BĂŒrgerversicherung sowie auf einen finanziellen Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung.

Janosch Dahmen von den GrĂŒnen verlangte, dass Termine nach medizinischer Dringlichkeit statt nach Versicherungsstatus vergeben werden mĂŒssten, kombiniert mit einem fairen Lastenausgleich.

Eugen Brysch von der Stiftung Patientenschutz erklÀrte, das Nebeneinander vertiefe die Spaltung, weshalb die Versicherten nun auf konkrete VorschlÀge warteten. Der GKV-Spitzenverband ordnete die Weichenstellung als eine rein politische Strukturfrage ein.

Widerstand von BundesÀrztekammer und PKV-Verband

Scharfe Kritik formulierten Ärzte- und Versicherungsvertreter. BundesĂ€rztekammer-PrĂ€sident Dr. Klaus Reinhardt warnte davor, die zweite SĂ€ule anzutasten.

Ein Gesundheitssystem ohne private Krankenversicherung bedeute eine Versorgung mit weniger Geld fĂŒr alle, da die Erlöse aus der privaten Versicherung ĂŒber Personal- und Praxisausstattungen allen Patienten zugutekĂ€men. Reinhardt forderte stattdessen eine bedarfsgerechte Terminvergabe nach Dringlichkeit sowie einen Abbau bĂŒrokratischer HĂŒrden.

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PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther betonte, dass Privatversicherte jÀhrlich 15,5 Milliarden Euro zusÀtzlich in das Gesundheitssystem einbrÀchten. Schlechte Wahlergebnisse seien kein Anlass, Grundsatzpositionen aufzugeben. Zudem sei nur die Kapitaldeckung geeignet, die Sozialversicherung dauerhaft zu entlasten.

Hintergrund der Debatte sind geplante Vorhaben der Koalition: Im Herbst stehen Reformen bei Rente und Pflege an, bei denen auch Mittel der privaten Pflegeversicherung zur Beitragsstabilisierung im GesprĂ€ch sind. Eine Kommission soll im Dezember StrukturvorschlĂ€ge fĂŒr die gesetzlichen Kassen vorlegen.

Mehr zum Thema bei Deutsches Ärzteblatt: „Merz sieht Gerechtigkeitsproblem bei Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung – News“

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