Kratom-Tee: 22-Jähriger erleidet Herzstillstand und braucht Herzschrittmacher
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gesundheitsbehörden und medizinische Fachgesellschaften warnen vor den Gefahren des Konsums von Kratom sowie dem damit verbundenen Medikamentenmissbrauch. Was mitunter als pflanzliches Naturprodukt oder als Opioid-Ersatz wahrgenommen wird, birgt nach Einschätzung von Fachleuten erhebliche Risiken für schwere Vergiftungen, Abhängigkeit und lebensbedrohliche akute Komplikationen.
Klinischer Zwischenfall verdeutlicht kardiovaskuläre Gefahren
Die akuten Risiken belegt unter anderem ein Fallbericht von Intensivmedizinern der Universitätsklinik Innsbruck um Jonas Dunz, der in der Wiener klinischen Wochenschrift publiziert wurde. Dabei erlitt ein 22-jähriger, zuvor gesunder Österreicher nach dem Trinken von Kratom-Tee einen Herzstillstand.
Nach dem Kollaps kam es zu einem generalisierten Krampfanfall und einer Asystolie, die zwei Reanimationen erforderlich machten. Das Aufnahme-EKG zeigte Vorhofflimmern und verbreiterte QRS-Komplexe.
Die weitergehende klinische Abklärung schloss eine Hirnblutung, Lungenembolie, Herzfehler oder strukturelle Vorerkrankungen aus. Das Drogenscreening auf Alkohol, Schlafmittel, Amphetamine, Opiate und Kokain verlief negativ.
Allerdings ergab die toxikologische Analyse einen Mitragynin-Blutwert von 500 µg/l – das Fünffache des oberen Referenzwerts von 20 bis 100 µg/l. Nach der Reanimation lag der Puls des Patienten bei 25 bis 30 Schlägen pro Minute. Am sechsten Tag wurde ein dauerhafter Herzschrittmacher implantiert; nach zwei Wochen konnte der Patient ohne bleibende neurologische Schäden entlassen werden.
Mediziner stufen dies als ersten derartigen Fall in Österreich ein und weisen darauf hin, dass die Wirkung von Kratom dosisabhängig verläuft: Dosierungen unter 5 Gramm pro Tag wirken stimulierend, während Mengen über 15 Gramm pro Tag ein opioidartiges Toxidrom hervorrufen können.
In Ă–sterreich gilt seit dem 1. September 2026 ein Verbot psychoaktiver Stoffe in Lebensmitteln, wobei Kratom darin nicht ausdrĂĽcklich genannt ist.
Starker Anstieg von Vergiftungen und Todesfällen
Internationale Register und Untersuchungen verzeichnen eine deutliche Zunahme gravierender Vorfälle. Eine weltweite Auswertung wies für die Jahre 2008 bis 2019 insgesamt 156 Kratom-Todesfälle aus, bei denen ein mittlerer Mitragynin-Wert von 398 µg/l festgestellt wurde.
Der Fall eines 22-jährigen, zuvor gesunden Österreichers zeigt, wie schnell Kratom-Tee lebensbedrohlich werden kann: Herzstillstand, Krampfanfall, zwei Reanimationen – sein Mitragynin-Wert lag beim Fünffachen des oberen Referenzwerts. Unser kostenloser Report zeigt Ihnen, welche Warnsignale Sie kennen müssen und wie Sie im Notfall richtig reagieren. Jetzt kostenlosen Kratom-Report anfordern
In den USA hat sich das Problem besonders verschärft:
- Nach Angaben des National Poison Data System verzwölffachten sich die Kratom-Vergiftungsfälle zwischen 2015 und 2025. Das Jahr 2025 markierte mit 3.434 gemeldeten Vorfällen einen Höchststand; im gesamten Zehnjahreszeitraum wurden 233 Todesfälle registriert.
- Die US-Gesundheitsbehörde CDC verzeichnete für die Jahre 2020 bis 2024 über 5.200 tödliche Kratom-Überdosen.
Die Zahl der Expositionen belief sich im Zeitraum 2015 bis 2025 auf 14.449 Fälle, was einem Zuwachs von rund 1.200 Prozent gegenüber 2015 entspricht. Allein bis Juni 2026 meldeten die Giftnotrufzentren bereits 3.190 Vorfälle.
- Erhebungen zufolge konsumieren in den Vereinigten Staaten rund zwei Millionen Erwachsene jährlich Kratom, während die Gesamtzahl jener, die den Stoff ausprobiert haben, auf etwa fünf Millionen geschätzt wird. Laut einer Umfrage der Johns-Hopkins-Universität greift mehr als ein Viertel der Nutzer als Opioid-Ersatz darauf zurück.
Gefahren durch semisynthetische Derivate und regulatorische Schritte
Besondere Besorgnis rufen hochpotente synthetische und semisynthetische Verbindungen hervor. Behörden in Utah warnten nach vier Todesfällen vor Zusätzen in Produkten, die online, in Tabakläden oder an Tankstellen vertrieben wurden.
Die dortige Landwirtschaftsbehörde fand Stoffe wie Mitragynin-Pseudoindoxyl (MGPI) und Dihydro-7-Hydroxymitragynin (MGM-15). Im Bundesstaat Utah ist lediglich Kratom aus reinen Naturblättern legal, Extrakte und semisynthetische Stoffe hingegen nicht. Bei einer Überdosierung kann der Wirkstoff Naloxon eingesetzt werden.
Auf US-Bundesebene erließ die Drogenvollzugsbehörde DEA am 25. August 2026 eine temporäre Anordnung, die Mitragynin-Pseudoindoxyl sowie die Verbindungen MGM-15 und MGM-16 als Substanzen der restriktivsten Kategorie Schedule I einstuft – zunächst befristet auf zwei Jahre mit einer Verlängerungsoption um ein Jahr.
Präklinische Daten deuten darauf hin, dass Mitragynin-Pseudoindoxyl rund 100-mal potenter als Mitragynin wirkt und Derivate wie MGM-15 sowie MGM-16 die Potenz von Morphin um das 50- bis 240-Fache übertreffen können.
Kratom gilt vielen als harmloses Naturprodukt – doch in den USA haben sich die Vergiftungsfälle binnen zehn Jahren verzwölffacht, und semisynthetische Derivate wie Mitragynin-Pseudoindoxyl wirken laut präklinischen Daten rund 100-mal stärker als Mitragynin. Wer Kratom-Produkte nutzt oder im Haushalt hat, braucht klare Regeln zu verbotenen Derivaten und Extrakten. Kratom-Derivate-Checkliste jetzt sichern
In den US-Bundesstaaten setzt sich der Trend zu schärferen Vorschriften fort. Mindestens 31 Staaten regulieren den Stoff inzwischen. Tennessee führte im Juli 2026 ein Verbot ein, und Massachusetts ordnete im August 2026 alle Kratom-Formen vorübergehend als Schedule-I-Substanz ein.
Weitere Staaten, darunter Oklahoma und Pennsylvania, setzen auf strenge Obergrenzen für den Wirkstoff 7-Hydroxymitragynin oder erwägen Verkaufsverbote synthetischer Erzeugnisse.
