Kratos-Plattform, Staatsanwaltschaft

Kratos-Plattform: Staatsanwaltschaft schaltet 200 Server ab

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 20:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Behörden stoppen Phishing-Plattform Kratos und nehmen Entwickler fest. Trotzdem warnen Experten vor Restrisiken durch verbliebene Kopien.

Kratos-Abschaltung: Polizei legt Phishing-Dienst lahm
Leuchtende Serverreihen in einem dunklen Rechenzentrum, Symbol für Cybersicherheits-Infrastruktur und digitale Bedrohungsabwehr. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat die Infrastruktur der berüchtigten Phishing-Plattform „Kratos" abgeschaltet. Mehr als 200 Server wurden im Zuge einer internationalen Aktion vom Netz genommen. Für Unternehmen in Deutschland und Europa ist das ein wichtiger Schlag gegen die wachsende Flut von Identitätsdiebstählen.

Internationaler Schlag gegen „Kratos"-Entwickler

Die Operation gegen die Plattform, die auch unter dem Namen „SneakyLog" bekannt war, lief über mehrere Länder hinweg. Während die Frankfurter Behörden am 20. Juli die Server stilllegten, nahmen indonesische Ermittler den mutmaßlichen Entwickler und Betreiber der Plattform fest.

Bevor die Plattform abgeschaltet wurde, galt sie als einer der größten Umschlagplätze für Cyberkriminalität. Monatlich sollen über „Kratos" rund 15.000 Phishing-Kampagnen gegen Microsoft-365-Konten gelaufen sein. Das Geschäftsmodell: ein Phishing-as-a-Service-Angebot (PhaaS). Abonnenten konnten die komplette Infrastruktur mieten, um massenhaft Zugangsdaten zu stehlen – ganz ohne technisches Fachwissen.

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Restrisiko bleibt: 1.800 Abonnenten mit Kopien

Doch Entwarnung geben Sicherheitsexperten noch nicht. Rund 1.800 Abonnenten sollen weiterhin Kopien des Phishing-Kits besitzen. Das könnte zur Entstehung neuer, unabhängiger Angriffswellen führen.

Für Unternehmen und IT-Sicherheitsteams gibt es jedoch technische Erkennungsmerkmale. Die Kratos-Kampagnen nutzen charakteristische Dateien wie barr.svg oder lg.svg. Gestohlene Daten werden über POST-Anfragen an die PHP-Skripte next.php und save.php geleitet. Wer solche Muster in den eigenen Logs entdeckt, sollte sofort reagieren.

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Branche im Visier: Welle von Phishing und Erpressung

Der Schlag gegen „Kratos" kommt in einer Zeit, in der Phishing und Unternehmenserpressung weltweit zunehmen. Erst im Frühsommer hatte die pakistanische Cybercrime-Behörde zwei mutmaßliche Entwickler der Plattform „Tycoon 2FA" festgenommen, die mehr als 500.000 Organisationen attackiert haben soll.

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung spezialisierter Gruppen. So hat etwa die Gruppierung UNC6671 nach dem Ruhestand ihrer Marke „BlackFile" im Mai neue Marken wie Redact, Pink, Helix und Falcon etabliert. Diese Akteure setzen auf eine Mischung aus Voice-Phishing und Man-in-the-Middle-Angriffen, um gezielt Unternehmen aus der Finanzbranche und Private-Equity-Firmen zu attackieren.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zwischen Januar und Mai 2026 flossen rund 141,65 Bitcoin – damals etwa 10,69 Millionen Euro wert – an Wallets, die mit diesen Erpressungsversuchen in Verbindung stehen. Während Plattformen wie „Kratos" auf automatisierte Massenabgreifung von Zugangsdaten setzen, zeigen die spezialisierten Gruppen einen klaren Trend: gezielte Datendiebstähle und hohe Lösegeldforderungen.

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