Kratos-Plattform zerschlagen: 1.800 Cyberkriminelle verlieren Infrastruktur
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 08:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Aktionen markieren einen neuen Höhepunkt im Kampf gegen die Flut digitaler Betrugsmaschen.
„Kratos"-Netzwerk zerschlagen
Das Bundeskriminalamt (BKA) und US-Behörden haben am 20. Juli die Phishing-Plattform „Kratos" stillgelegt. Die Ermittler nahmen einen Entwickler in Indonesien fest und beschlagnahmten über 200 Server. Das Besondere: „Kratos" funktionierte nach dem „Phishing as a Service"-Modell – Kriminelle mieteten die Infrastruktur wie eine Software.
Mehr als 1.800 Täter nutzten die Plattform für rund 15.000 monatliche Angriffskampagnen. Die Masche zielte gezielt auf die Umgehung der Zwei-Faktor-Authentifizierung ab. Seit 2024 spülte der Dienst über 300.000 Euro in die Kassen der Betreiber. Die Ermittler gehen von Hunderttausenden Geschädigten in 30 Ländern aus.
Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: Marktforscher von Gen Digital melden, dass Betrugsversuche im ersten Halbjahr 2026 bereits 46 Prozent aller erkannten Bedrohungen ausmachten.
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Rekordzahlen in Malaysia und Brasilien
Die Gesetzgeber weltweit reagieren auf die dramatische Lage. Malaysia brachte am 20. Juli den Cybercrime Bill 2026 ins Parlament ein. Das Gesetz soll den veralteten Computer Crime Act von 1997 ersetzen. Der Handlungsdruck ist enorm: Bis Mai 2026 verzeichnete das Land bereits 8.014 Anklagen wegen Online-Betrugs – mehr als im gesamten Jahr 2025 (6.140 Fälle). Rund 10.245 Verdächtige wurden festgenommen.
Noch düsterer sieht es in Brasilien aus. Dort stieg die Zahl der Finanzbetrugsfälle im ersten Halbjahr 2026 um über zehn Prozent auf mehr als neun Millionen gemeldete Vorfälle. In 78 Prozent der Fälle nutzten die Täter Mobiltelefone, das landesweit verbreitete Pix-Zahlungssystem war in 85 Prozent der Fälle involviert. Besonders perfide: Social Engineering – also das gezielte Ausnutzen menschlicher Gutgläubigkeit – machte 40 Prozent aller Betrugsfälle aus.
Milliardenschäden und neue Maschen
Ein Bericht des UN-Büros für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung (UNODC) offenbart die gewaltigen wirtschaftlichen Dimensionen. Allein im asiatisch-pazifischen Raum erlitten Opfer 2024 Schäden von umgerechnet bis zu 114,1 Milliarden Euro – eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr.
In Australien warnt die Wertpapieraufsicht ASIC vor einer neuen Gefahr: Deepfake-Technologie und gefälschte Promi-Werbespots treiben zunehmend betrügerische Aktiengeschäfte an. Die Täter locken Anleger mit künstlich erzeugten Videos bekannter Persönlichkeiten in sogenannte „Pump-and-Dump"-Maschen.
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Lidl-Datenleck und Prozesse in Deutschland
Auch die deutsche Wirtschaft bleibt nicht verschont. Der Discounter Lidl bestätigte am 20. Juli einen Datenvorfall bei einem externen IT-Dienstleister. Betroffen sind Kunden in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Die Täter erbeuteten Namen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern. Passwörter und Zahlungsdaten seien nicht kompromittiert worden, so das Unternehmen.
Die Justiz arbeitet unter Hochdruck. Das Landgericht Münster eröffnete am 20. Juli den Prozess gegen sechs Männer, die mit einer „Falscher Bankmitarbeiter"-Masche über 180.000 Euro erbeutet haben sollen. Die Gruppe setzte auf Phishing-Nachrichten und manipulierte Telefonnummern, um ihre Opfer bundesweit zu täuschen.
Parallel dazu begann am Landgericht Leipzig der Prozess gegen einen 28-Jährigen, der einen ausgeklügelten Elektronik-Rückgabebetrug gestanden hat. Zwischen Oktober 2020 und Januar 2026 bestellte der Mann hochwertige Geräte über Fake-Konten, meldete sie dann angeblich zurück – und verkaufte die Ware stattdessen weiter. Der Schaden: über 224.000 Euro.
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