Krebserkennung: KI-App hilft Frauen mit familiärem Risiko
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 12:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Teams der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) evaluieren verstärkt den Einsatz digitaler Technologien, um die Früherkennung und die begleitende Information bei Krebserkrankungen zu verbessern. Im Fokus stehen dabei Projekte, die mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) personalisierte Lösungsansätze für Hochrisikopatienten bieten und klinische Prozesse optimieren sollen.
Personalisierte Patienteninformation durch die GenE³-App
Ein zentrales Vorhaben der MHH ist die Entwicklung der sogenannten GenE³-App. Diese Anwendung richtet sich speziell an Frauen mit einer familiären Vorbelastung für Brust- und Eierstockkrebs. Durch einen integrierten Chat-Bot stellt das System personalisierte Informationen bereit, um die Gesundheitskompetenz der Betroffenen zu stärken.
Für die wissenschaftliche Überprüfung dieser Anwendung ist eine Studie vorgesehen, die im September 2026 mit insgesamt 240 Patientinnen starten soll. Das Projekt wird von der Deutschen Krebshilfe mit einer Summe von 290.000 Euro gefördert. Ziel der Untersuchung ist es, festzustellen, inwieweit die digitale Unterstützung die Patientinnen im Umgang mit ihrem individuellen Risiko entlasten und informieren kann.
KI-gestützte Diagnostik in der klinischen Anwendung
Über die Patientenkommunikation hinaus gewinnt die KI in der direkten medizinischen Diagnostik an Bedeutung. Im Krankenhaus Bethanien in Moers wird die Technologie bereits zur Live-Analyse von Endoskopie-Videos eingesetzt, um frühe Tumorstadien präzise zu identifizieren. Neben der rein diagnostischen Unterstützung übernimmt das System dort auch administrative Aufgaben wie das Verfassen von Arztbriefen. Der zuständige Chefarzt Ralf Kubitz sowie Ann-Kathrin Schwarz betonten in diesem Zusammenhang die Relevanz von Datenschutz und die Aufrechterhaltung der ärztlichen Kontrolle über die automatisierten Prozesse.
Ergänzend dazu integriert die Mint Medical GmbH ab August 2026 spezielle KI-Algorithmen in ihre Softwareplattform „mint Lesion“. Diese dienen der Quantifizierung der Tumorlast bei Knochenmetastasen infolge eines Prostatakarzinoms. Die Berechnung erfolgt laut Unternehmensangaben in rund 90 Sekunden, während der gesamte Workflow etwa drei Minuten beansprucht. Diese Entwicklung entstand in Kooperation mit dem Royal Marsden und dem Institute of Cancer Research (ICR).
Die Medizinische Hochschule Hannover entwickelt eine KI-App, die Frauen mit familiärem Brust- und Eierstockkrebs personalisierte Informationen bietet. Auch Sie können von solchen digitalen Helfern profitieren. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie KI-gestützte Früherkennung nutzen und Ihre Gesundheitskompetenz stärken. Jetzt kostenlosen Ratgeber sichern
Monitoring im Alltag und Früherkennung chronischer Leiden
Ein weiterer Forschungszweig der MHH befasst sich in Kooperation mit der Technischen Universität Braunschweig mit der kontinuierlichen Gesundheitsüberwachung im Alltag. Für die Fachmesse Automechanika im September 2026 ist die Präsentation von Forschungsfahrzeugen geplant, die mithilfe von Sensoren in Lenkrad, Gurt und Innenraum Vitaldaten wie Herz- und Atenfrequenz erfassen.
Eine KI wertet diese Daten aus, um Anzeichen für Herzinfarkte, Schlaganfälle oder chronische Erkrankungen wie Parkinson und COPD frühzeitig zu erkennen. Professor Thomas Deserno unterstrich dabei jedoch, dass die Technik im Fahrzeug eine ärztliche Diagnose ergänzen, aber nicht ersetzen könne. Ähnliche Ansätze zur frühzeitigen Identifikation klinischer Verschlechterungen verfolgt das Kantonsspital Baden in Zusammenarbeit mit dem Health Innovation Hub Aargau und DryLabz auf einer spezialisierten Datenplattform für Herzinsuffizienz.
Qualifizierung und rechtliche Rahmenbedingungen
Angst vor Brust- oder Eierstockkrebs wegen familiärer Vorbelastung? Eine neue KI-App der MHH soll Betroffene künftig mit personalisierten Informationen unterstützen. Erfahren Sie, was das für Ihre Vorsorge bedeutet und wie Sie die digitalen Möglichkeiten schon heute nutzen können. Leitfaden zur KI-Früherkennung anfordern
Die zunehmende Integration von KI im Gesundheitssektor erfordert eine entsprechende Ausbildung des Fachpersonals sowie klare rechtliche Leitplanken. Im Gesundheitssektor von Da Nang sind bereits umfassende Schulungsprogramme für medizinisches Personal angelaufen, um Tausende Fachkräfte im Umgang mit KI-gestützter Diagnose und Behandlung zu unterweisen. In Deutschland wurde das Projekt „gKI im Studium“ der Universität Hamburg im Juli mit der Hochschulperle des Monats ausgezeichnet, da es die kritische Reflexion generativer KI im akademischen Umfeld fördert.
Gleichzeitig konkretisiert sich die Rechtsprechung zum Umgang mit KI-Werkzeugen. Das Verwaltungsgericht Kassel stellte unter dem Aktenzeichen 7 K 2515/25.KS fest, dass der verschwiegene Einsatz generativer KI bei der Erstellung einer Hausarbeit als Täuschung zu werten ist. Da die Eigenständigkeit der Leistung nicht mehr gegeben sei, bestätigte das Gericht die Bewertung mit der Note 5,0 sowie die daraus resultierende Exmatrikulation. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer klaren Kennzeichnungspflicht beim Einsatz unterstützender Technologien im Bildungs- und Gesundheitswesen.
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