Krebsprävention, G-BA

Krebsprävention: G-BA öffnet Mammographie für Frauen ab 45 Jahren

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
WHO-Schätzungen zufolge wären weltweit rund 38 Prozent der Krebserkrankungen durch veränderbare Faktoren vermeidbar; zugleich steigen Fälle bei Jüngeren.
Ein sonnendurchfluteter, ruhiger Park mit grünen Wiesen und Bäumen, der eine gesunde und präventive Lebensweise symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Fachmediziner und Gesundheitsbehörden heben die zentrale Bedeutung einer strukturierten jährlichen Krebsvorsorge ab dem 40. Lebensjahr hervor. Ergänzend dazu spielt das persönliche Verhalten eine entscheidende Rolle bei der Risikominderung. Laut einer Bewertung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2026 sind weltweit rund 38 Prozent der Krebserkrankungen durch veränderbare Risikofaktoren auf Bevölkerungsebene vermeidbar.

Empfohlene Vorsorgeuntersuchungen ab der Lebensmitte

Für Erwachsene ab dem 40. Lebensjahr empfiehlt die Internistin Grettel Garcia vom UHealth – University of Miami Health System zusätzlich zum regulären jährlichen Check-up mit körperlicher Untersuchung ein gezieltes Screening.

Dazu gehören eine jährliche Ganzkörper-Hautuntersuchung, ein Mammographie-Screening für Frauen ab 40 sowie die Darmkrebsvorsorge ab 45 Jahren mittels Koloskopie oder Cologuard-Test. Liegen familiäre Krebserkrankungen vor, sollte die Früherkennung laut Garcia unter Umständen bereits ab 30 Jahren beginnen.

Für Menschen in ihren Dreißigern rät die Medizinerin neben der jährlichen Untersuchung samt Blutdruck-, Body-Mass-Index- und Depressionsscreening zu kardiovaskulären Bewertungen, Hodenkrebsvorsorge und Brustuntersuchungen bei Frauen. Im Intervall von zwei bis fünf Jahren sollten zudem Cholesterin- und Blutzuckerwerte, Sehtests sowie HPV- und Pap-Abstriche erfolgen.

Auch in Deutschland passen Institutionen ihre Programme an. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschloss, das Mammographie-Screening künftig auf Frauen zwischen 45 und 49 Jahren auszuweiten.

Für diese Gruppe soll ab dem 1. August 2027 eine Selbstanmeldung möglich sein, persönliche Einladungen sind ab Januar 2028 vorgesehen. Dadurch erhalten rund 2,5 Millionen zusätzliche Frauen Zugang zum Programm, das bislang rund 14,5 Millionen Frauen zwischen 50 und 75 Jahren offensteht.

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Wie effektiv Früherkennung sein kann, zeigen Zahlen des Lungenkrebszentrums Minden: Durch den Einsatz von Niedrigdosis-Computertomografien hat sich der Anteil im frühesten Stadium entdeckter Lungentumore verdoppelt. In dieser Phase liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei 90 Prozent, verglichen mit 12 bis 4 Prozent bei Diagnosen im Stadium vier.

Lebensstilfaktoren und Vermeidungsstrategien

Neben diagnostischen Untersuchungen rückt das individuelle Verhalten in den Fokus. Der Onkologe Adrian Bloor vom The Christie NHS Foundation Trust in Manchester benennt sechs zentrale Faktoren zur Senkung des Erkrankungsrisikos: den Verzicht auf Tabakkonsum, die Vermeidung unnötiger Antibiotika, eine antioxidantienreiche Ernährung, die HPV-Impfung, die Beachtung von Warnsignalen samt Screening-Teilnahme sowie einen regelmäßigen Schlafrhythmus.

Nach Angaben des britischen National Health Service (NHS) weisen Personen, die täglich 25 Zigaretten rauchen, ein 25-fach höheres Lungenkrebsrisiko auf als Nichtraucher. Zudem raten Experten zur deutlichen Reduktion von Alkohol, da dieser im Organismus zu zellschädigenden Toxinen abgebaut wird.

Bloor verweist zudem auf Studien aus Großbritannien und Schweden, die Zusammenhänge zwischen bestimmten Antibiotika – insbesondere Penicillin und Cephalosporinen – und Dickdarmtumoren aufzeigen.

Die WHO empfiehlt Erwachsenen wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung oder intensive Aktivität sowie Muskelkräftigung an mindestens zwei Tagen. Forscherin Rosiered Brownson-Smith vom King's College London rät zur Erhöhung von Ballaststoffen aus Vollkorn, Bohnen, Linsen, Obst und Gemüse, während verarbeitetes Fleisch wie Schinken und Wurst reduziert werden sollte.

Vor unkritischem Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln warnt der World Cancer Research Fund (WCRF) ebenso wie die Deutsche Krebsgesellschaft. Eine Studie im Journal of Clinical Investigation von 2023 stellte fest, dass hochdosierte Gaben der Vitamine A, C und E bei bestehenden Tumoren die Gefäßneubildung und das Krebswachstum in der Lunge begünstigen können.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 wies zudem darauf hin, dass stark überhöhte Dosen von Vitamin B12 das Tumorwachstum beschleunigen können. Dagegen könnte laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) eine tägliche Gabe von Vitamin D die Krebssterblichkeit um zwölf Prozent senken.

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Steigende Fallzahlen bei jüngeren Erwachsenen

Die Dringlichkeit von Präventionsmaßnahmen wird durch epidemiologische Erhebungen unterstrichen. Laut einer Veröffentlichung in BMJ Oncology stieg der Anteil der Krebserkrankungen bei den 14- bis 49-Jährigen seit 1990 um fast 80 Prozent.

Eine Analyse des WCRF unter Beteiligung britischer Forschungsteams verzeichnete von 2001 bis 2023 in England, den USA und den Niederlanden bei sieben von zwölf Krebsarten Anstiege bei Unter-50-Jährigen, unter anderem bei Darmkrebs von 3,9 auf 8,4 Fälle pro 100.000 Menschen.

Gleichzeitig klafft eine Lücke in der Wahrnehmung: Eine repräsentative DKFZ-Befragung unter 1.581 Personen in Deutschland ergab, dass lediglich 12 Prozent ihr eigenes Krebsrisiko als hoch einstufen, obwohl statistisch fast jeder Zweite im Lauf des Lebens betroffen ist. Falschinformationen sind zudem verbreitet, weshalb Mediziner eine systematische Aufklärung über belegte Risiken fordern.

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