Krebstherapie, Sildenafil

Krebstherapie: Sildenafil bremst Ausbreitung bei fünf Krebsarten

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsergebnisse deuten auf hemmende Wirkung von Sildenafil auf Tumorausbreitung hin. Kombination mit Statinen zeigt verstärkte Effekte in Studien.

Sildenafil gegen Krebs: Neue Studie zeigt Cholesterin-Blockade als Schlüssel
Laborumgebung mit einer Petrischale und wissenschaftlichen Zellstrukturen zur Erforschung von Krebstherapien. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Sildenafil könnte künftig eine Rolle in der Krebstherapie spielen. Eine aktuelle Studie zeigt: Der Wirkstoff blockiert den Cholesterintransport in Tumorzellen und bremst so deren Ausbreitung. Forscher des israelischen Weizmann-Instituts, des US National Cancer Institute und des Gesundheitsdienstleisters Clalit haben die Effekte untersucht.

Wie Sildenafil Krebszellen ausbremst

Die im Juli 2026 im Fachjournal Cancer Research veröffentlichte Studie beschreibt den Mechanismus: Sildenafil, ein PDE5-Hemmer, erhöht den Spiegel des Botenstoffs cGMP in den Zellen. Das stört den Transport von Cholesterin innerhalb der Zelle. Für Krebszellen ist Cholesterin essenziell – sie brauchen es zum Wachsen und zur Migration in andere Gewebe.

Laborversuche an menschlichen Zellkulturen und Mausmodellen zeigten: Wird das verfügbare Cholesterin knapp, lässt die Metastasierung nach. Die Wissenschaftler beobachteten diesen Effekt bei verschiedenen Krebsarten, darunter triple-negativer Brustkrebs, Melanome sowie Lungen-, Dickdarm- und Prostatakrebs. Die Tumorzellen verloren offenbar die Fähigkeit, die für die Ausbreitung nötigen Wanderungsbewegungen auszuführen.

Doppelter Angriff auf den Cholesterinstoffwechsel

Besonders vielversprechend ist die Kombination mit Statinen. Diese senken die körpereigene Cholesterinproduktion, während Sildenafil den Zugriff der Krebszelle auf vorhandenes Cholesterin blockiert – es wird in den Lysosomen der Zelle isoliert. Dieser duale Ansatz reduzierte in experimentellen Modellen die Metastasenbildung deutlich stärker als jede Einzeltherapie. Die Studienautoren sehen darin großes Potenzial für das Drug Repurposing, also die Umwidmung bereits zugelassener Medikamente für neue Therapiegebiete.

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Daten von fünf Millionen Versicherten ausgewertet

Die Laborergebnisse werden durch eine retrospektive Analyse gestützt. Die Forschenden werteten anonymisierte Gesundheitsdaten von rund fümf Millionen Versicherten des israelischen Gesundheitsdienstleisters Clalit aus über 20 Jahren aus. Im Fokus standen etwa 40.000 Männer mit Krebsdiagnose.

Das Ergebnis: Patienten, die mindestens sechs Monate vor ihrer Diagnose Sildenafil eingenommen hatten, wiesen höhere Überlebensraten auf als die Vergleichsgruppe. Besonders deutlich war der Effekt bei jenen, die zusätzlich Statine nahmen. Die Daten deuten darauf hin, dass eine Beeinflussung des Cholesterinstoffwechsels bereits in frühen Tumorstadien eine Rolle spielen könnte.

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Noch keine Therapie-Empfehlung

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse: Eine Zulassung als Krebstherapie existiert nicht. Es handelt sich um Grundlagenforschung und Beobachtungsstudien. Die Forscherin Samah Hayek betont, dass die Daten zwar einen statistischen Zusammenhang zeigen, eine Selbstmedikation bei bestehender Krebserkrankung aber nicht empfohlen werden kann.

Als nächster Schritt ist eine kontrollierte Studie geplant, die sich speziell an Frauen mit triple-negativem Brustkrebs richtet. Sie soll klären, ob sich die im Labor und in den Patientendaten beobachteten Effekte gezielt für die Behandlung nutzen lassen. Die Forschung zeigt einmal mehr, wie wichtig Stoffwechselprozesse in der Onkologie sind – und eröffnet einen neuen Ansatzpunkt für ergänzende Therapien gegen die Krebsausbreitung.

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